Spielen ist Flow

Spielen ist das Wasser in dem ein Kind schwimmt.

Es ist eine wunderbare Welt, ohne Termine, Zeitdruck oder Dinge, die noch zu erledigen sind.

Spielen bedeutet, sich mit Haut und Haaren in eine Tätigkeit reinfallen zu lassen.

In dieser sich völlig zu verlieren und sich gleichzeitig neu zu erfinden.

Wann warst du das letzte mal im Flow? Hast alles um dich vergessen: Raum, Zeit und die Wäsche?

Ich möchte mich nicht damit beschäftigen was Kindern fehlt, wenn sie diese Spielzeit nicht haben.

Ich möchte eine Aufforderung formulieren, die mir sehr wichtig ist: Liebe Väter und liebe Mütter, versteht Euch als die Hüter des Spiels Eurer Kinder. Schützt sie mit Eurem Leben vor Unterbrechung und einem abrupten Rausreißen aus ihrer Fantasiewelt. Wo ihr nur könnt! Lasst Essen kalt werden, oder verspätet euch bei Arztterminen, lasst die Schwiegermutter warten oder esst trockenes Brot, weil der Laden schon zu hat.

All diese Dinge sind wichtig, ja ich mag auch kein trockenes Brot, Pünktlichkeit ist mir wichtig und die Schwiegermutter macht mir Angst…

Es kostet viel die Blicke der Menschen um uns auszuhalten, die sagen: Da ist aber mal wieder jemand unorganisiert. Das ist alles sch___egal.

Wichtig ist allein folgendes:

Durch vertieftes Spielen

  • baut sich die Fantasie und die Kreativität eures Kindes auf
  • stärkt sich euer Kind selbst vor zukünftiger Ablenkung
  • ist euer Kind ganz bei sich
  • baut sich das Selbstwertgefühl eures Kindes auf
  • erhöht sich die Resilienz eures Kindes
  • wird die Hirnreifung unterstützt
  • erholt sich euer Kind von äußeren Reizen

Beobachtet euer Kind bezogen auf sein Spiel und lernt so viel darüber, wie ihr könnt: Wann gelingt Vertiefung wann nicht? Welche Umgebung unterstützt das Spielen im Flow? Wann gelingt es nicht?

Zu welchem Zweck?

Damit Ihr euch eine Minute für euch stehlen könnt, für einen Kaffee in Ruhe oder für ein Kapitel in eurem Lieblingsbuch, während euer Kind die wichtigste Aufgabe der Kindheit erfüllt: SPIELEN.

Vielleicht gelingt es euch dann in dieser Zeit ebenfalls in den Flow zu kommen:)

Ich wünsche Euch einen tollen Spiel-Tag.

Sandra Schumacher

Wunder. Fliegen. Weiter.

Ich setze mich gerne zwischen spielende Kinder, wenn ich Pause mache. Warum? Weil ich finde, dass sie eine magische Ausstrahlung haben und ich diese in mich aufsaugen möchte.

Montessori ist rund

Der rote Teppich im Raum der Montessori-Schule ist rund.

Mehrmals täglich trifft sich die Lerngruppe mit den Lerngleitern um diesen Teppich. Hier findet der Klassenrat statt, die Freiarbeitsbesprechung, die Feedbackrunde, der Austausch zum Plan der Woche, der Tagesabschluss. Einfach alle Gespräche. Gespräch sind Austausch und Gemeinschaft.

Welche Bedeutung hat der Kreis?

Der Kreis ist ein altes Symbol für inneren Schutz und Geborgenheit. Im Kreis sieht man sich. Jeder ist gleich weit von der Mitte entfernt. Der Kreis ist also auch ein Symbol für die Gleichwertigkeit jedes Einzelnen. Der Kreis lehrt uns in unsere Mitte zu kommen und dort unsere wahre Stärke zu finden. Der Kreis bildet eine Abgrenzung nach außen. Im Kreis sind wir sicher.

Montessori ist rund, weil der Kreis uns akzeptiert, wie wir sind und uns die Stärke der Gemeinschaft fühlen lässt.

Montessori ist rund. Und stark.

Und wenn wir uns unserer eigenen Stärke sicher sind, werden wir ruhig und gelassen und müssen nicht darum kämpfen gesehen zu werden. Es tritt eine tiefe Ruhe ein, die uns den nächsten Schritt gehen lässt: zum „Du“. Wir Menschen sind echte Gemeinschaftswesen. Das „Du“ ergänzt das „Ich“. Wir können begreifen was uns ausmacht, was uns einzigartig macht, in den Augen des Anderen. Und wir finden Bedeutung, indem das Gegenüber uns Bedeutung und Wichtigkeit gibt. Wenn ein anderer Mensch gerne Zeit mit uns verbringt, ist das das Beste, was uns passieren kann.

Es ist ein unbezahlbares, unkäufliches Geschenk. Ein wertvoller Schatz.

Und vom „Ich“ und dem „Du“ fehlt nur noch ein kleiner, aber wichtiger Schritt zum „Wir“.

Dem Gefühl Dazuzugehören zu einer Gemeinschaft, zu einer Gruppe, die verbunden ist. Und mit dieser Gruppe gemeinsam etwas zu tun, etwas zu bewirken.

Hier sind Rituale, als wiederkehrende Gemeinschaftsaktionen unglaublich wertvoll.

Sie stiften Sinn und geben Halt.

Gerade wenn aus Kindern Jugendliche werden, nimmt die Bedeutung der Wiederholung zu.

All das symbolisiert der Kreis. Und er steht auch für das Leben an sich. Für das große Ganze, das alles zusammenhält.

Wenn Schule sich darauf besinnt, macht sie Sinn!

Sandra Schumacher

Wunder. Fliegen. Weiter.

Ein Freilerner will auf die Montessori-Schule

Es war mitten im Schuljahr 2018/19, kurz nach den Weihnachtsferien. Ich saß in meinem Schulleiterbüro und las meine Emails. Eine Email erregte meine Aufmerksamkeit. Eine Mutter schrieb, dass ihr Sohn (8. Jahrgangsstufe), der seit zwei Jahren Freilerner sei, sich dafür interessiert unsere Schule zu besuchen und ob sie vorbeikommen könnten. Mein erster Gedanke war, Freilerner wie interessant – in der Pubertät ganz für sich alleine zu lernen, stellte ich mir nicht so einfach vor und jetzt will er in die Schule zurück. Warum? Zwei Tage später kamen Mutter und Sohn zu uns zum Gespräch. Ich hatte eine Klassenlehrerin aus der Jugendstufe dazu gebeten. Zu ihr in die Lerngruppe würde der Junge gehen. Und er hatte bereits einen Tag von 8-16 Uhr miterlebt. Eigentlich nahmen wir so mitten im Schuljahr gar keine neuen Jugendlichen auf, aber auch die Lehrerin war meiner Meinung, das klang spannend und könnte uns bereichern. Er kam aus eigenem Antrieb und das fanden wir als Montessori-Pädagoginnen gut.

Im Gespräch wurde sehr schnell klar, dass der Junge sehr interessiert war. Er hatte sich gut vorbereitet und wusste alles über unser pädagogisches Konzept, was man der Homepage entnehmen konnte. Dazu hatte er viele Fragen. Er war offen und neugierig. Den Tag in der Schule fand er einfach prima. Er freute sich schon auf die Große Arbeit, die er sofort beginnen würde und hatte auch schon Themenideen. Die Mutter meinte, sie sehe sich in der Aufgabe der Unterstützerin. Genauso wie sie den Sohn vor zwei Jahren unterstützt hätte, als die Schule ihm nicht mehr gut tat und sie dringend einen Ausstieg brauchten, genauso würde die ihn jetzt unterstützen. Und dann stellte ich die Frage, die mich so dringend beschäftigte: „Warum möchtest du denn deine Freiheit aufgeben und in unsere Montessori-Schule kommen?“ Die Antwort war ganz schlicht: „Weil ich mit anderen Jugendlichen zusammen sein möchte, das ist mir das wichtigste.“

Die Lehrerin und ich waren sehr gut gelaunt nach dem Gespräch und freuten uns richtig über das Erlebte. Der Junge war ab diesem Tag Teil unserer Schulgemeinschaft und in der nächsten Ausgabe der Schülerzeitung konnte ich einen Artikel von ihm lesen, wie positiv sich sein Leben entwickelt hat, seit er unsere Schule besucht.

Sandra Schumacher

Wunder. Fliegen. Weiter.