Das Erfolgsrezept eines Montessori-Schulleiters

Rocco Spirziola

Ich führte mit Rocco Sbirziola, Schulleiter der Montessori-Schule Eggenfelden ein sehr spannendes Gespräch über seinen Lebenssinn und sein Erfolgsrezept als Schulleiter

Rocco Sbirziola ist für sein Kollegium da und packt die Probleme deutlich an. Er setzt auf eine klare Erwartungshaltung.

Rocco Spirziola hat einen sehr feinen Humor. Am liebsten lacht er über sich selbst.
Rocco Spirziola hat einen sehr feinen Humor. Am liebsten lacht er über sich selbst.

Er braucht die Freundschaft der Kollegen nicht, freut sich aber darüber

Rocco Spirziola sagt: „Ich brauche die Freundschaft der Kollegen nicht. Ich brauche ihre Bereitschaft, ihre Kompetenzen und ihre kompromisslose pädagogische Hingabe für die Sache. Und die Sache sind meine Kinder. Die Schule braucht Berufung. Wir brauchen keine Söldner“.

Wichtig ist ihm der Respekt seiner Mitarbeiter, den er an seiner Leistung als Schulleiter und an der Leistung der Pädagogen festmacht.

Die Schülerinnen und Schüler haben es verdient, dass wir unser absolut Bestes geben und unsere Arbeit immer weiter professionalisieren. Dann können wir uns auf die Pädagogik konzentrieren und haben die gegenseitigen Erwartungen klar.

Die Schule hat ein sehr schönes Außengelände
Die Schule hat ein sehr schönes Außengelände

Das klärt vieles.

Als er der neue Schulleiter war, verließen in den ersten beiden Schuljahren 21 Pädagog*innen die Schule. Aus den verschiedensten Gründen.

In diesem Jahr, dem dritten Jahr, konnte er zum ersten Mal die Fluktuationsrate sehr stark senken. Nur eine Pädagogin verließ die Schule.

Alle sind geblieben, denn sie arbeiten gerne in dieser Schule, die so klar geführt wird und wo die klare Devise lautet: Der Mensch steht im Mittelpunkt.

Auf die Frage, wie er das geschafft habe, antwortet Herr Sbirziola mit sehr inspirierenden Worten. Man spürt seine tiefe Verbundenheit mit seiner Aufgabe als Schulleiter und die Sinnhaftigkeit sieht er in der wichtigen gesellschaftlichen Aufgabe, die er mit der Arbeit mit den Kindern verbindet.

In der pädagogischen Arbeit mit der nachwachsenden Generation liegt in seinen Augen tiefer Sinn und Kreativität.

Er betrachtet seine Aufgabe als wichtig für die gesamte Gesellschaft und als sinnvoller Einsatz seiner Lebenszeit.

Herr Sbirziola hat seiner Arbeit in der Wirtschaft den Rücken zugewandt.

Für weniger Gehalt leitet er jetzt mit Herzblut seine reformpädagogische Schule. Das Montessori-Diplom wird er erst im April 2020 abschließen.

Ein Lebensweg mit Kurven: von der Pädagogik in die Wirtschaft und wieder zurück

Begonnen hat er mit dem Studium in Mailand in Rechts-, Staats- und Politische Philosophie. Nach der italienischen und deutschen Lehrbefähigung für die Sek.I und II, absolvierte er einen Master in Bildungsmanagement, einen in Schulmanagement, einen in interkultureller Pädagogik. Nach einer 5 Jährigen Schulleitungserfahrung an einem italienischen Gymnasium, absolviert er einen MBA in General Management und ein Zertifikat in Business Coaching. Folgen die erwarteten Ausbildungen für Montessori – Bildungskräften und die Montessori Ausbildung. Jahrelang war Rocco Sbirziola Zulieferer in Personalentwicklung bei Audi.

Situationsanalyse statt sofortige Veränderung

Statt zu agieren nahm er sich volle sechs Monate Zeit, um die Situation an der Montessori-Schule Eggenfelden zu analysieren.

Dabei konzentrierte er sich auf die Bereiche Organisation, auf das Personal und auf die Lernprozesse. Er beobachtete intensiv und saugte den Iststand der Schule förmlich in sich auf.

Dann erst stieg er ein, die Prozesse der Schule zu verbessern und mit einer hohen persönlichen Präsenz die Schule hin zu einer fundierten Qualität zu führen.

Wie setzt er nun seine Erfahrungen aus der Wirtschaft zur Personalführung in einer Schule um?

Ist das überhaupt vergleichbar?

Die Herangehensweise ist aus meiner Sicht beispiellos für den schulischen Kontext. Die meisten Schulleiter*innen steigen mit pädagogischem Hintergrund in diese Leitungsrolle auf und müssen die Managmentfähigkeiten erst nachlernen.

Rocco Sbirziola begann seinen beruflichen Weg bei der Pädagogik, ging über die Wirtschaft und kam zur Pädagogik zurück.

Es sitzt mir ein spannender Mensch gegenüber mit einem interessanten Lebensweg, dessen Schlangenlinien zu einer besonderen unnachahmlichen Kombination geführt haben.

Diese Kombination ist sehr wertvoll für seine Arbeit als Schulleiter und für seine Vorbildfunktion als lebenslanger Lerner.

Herr Sbirziola geht an die Aufgabe der Führung des pädagogischen Personals mit folgender unternehmensethischen Fragestellung heran:

„Können pädagogische Arbeitsprozesse bzw. Lernprozesse in einer Bildungsinstitution so gestaltet werden, dass der Mensch ein gutes und sinnvolles Leben führt, seine Lebensgrundlagen sichert und seine Lebenschancen erweitert, ohne dass die regionale/lokale Wettbewerbsfähigkeit in der eigenen Schullandschaft verloren geht, ohne dass auf die Förderung einer Motivation und Hochleistungskultur in der Organisation-Schule verzichtet wird und ohne dass pädagogische und ethische Prinzipien sich gegen den ökonomischen Effizienzgesichtspunkt wenden werden?

Jede Frage zur Personalführung und -entwicklung wird auf der Basis dieser Fragestellung beantwortet.

Das Beispiel Arbeitszeit

Das lässt sich gut am Beispiel der Arbeitszeit konkretisieren.

Wenn Schule sich an die traditionelle Arbeitszeit der Lehrer hält und die Ferien komplett frei sind, arbeitet der Lehrer in den Schulwochen deutlich über der Vollzeit.

Herr Sbirziola verteilt diese Zeit auf 13 verpflichtende Anwesenheitstage im Jahr für Fort- und Weiterbildung. Diese werden bereits am Schuljahresbeginn geplant und können so in die Familienplanung der Lehrkräfte gut einfließen. In den Schulwochen entspannt sich die zeitliche Situation, was vor allem für Lehrkräften mit kleinen Kindern sehr hilfreich ist.

Für die konzeptionelle Weiterentwicklung des Schulkonzepts und die gemeinsame Weiterbildung des Kollegiums ist ausreichend Zeit vorhanden, die Arbeit wird gerecht auf den Schultern aller verteilt.

Ich könnte noch viel schreiben über diese inspirierenden Stunden mit Rocco Sbirziola.

Zusammenfassend hat mich sein unternehmerisches Denken sehr beeindruckt. Schule betrachtet er als „Human“- unternehmen, das die Überschüsse, die es erwirtschaftet komplett in die Weiterentwicklung reinvestieren kann und muss.

Der Fehler als Freund des Schulleiters

Herr Sbirziola hat eine klare Leitungspersönlichkeit und spricht über seine eigenen Fehler und Schwächen offen, konstruktiv und humorvoll. Es ist ihm selbstverständlich Leistungskriterien zuerst bei sich selbst anzulegen und erst im zweiten Schritt bei seinem Kollegium. Er tritt klar und stark für die Interessen seiner Montessori-Schule ein und hat klare pädagogische Maßstäbe. Damit legt er großen Wert auf eine zeitgemäße, internationale und menschenorientierte (und nicht dogmatisch orientierte) Montessori-Pädagogik.

Eine sehr schöne Schule mit einem großzügigen Außengelände.
Eine sehr schöne Schule mit einem großzügigen Außengelände.

Die Montessori-Schule Eggenfelden ist eine sehr ansprechende und ästhetisch gut gelungene Lernumgebung für 220 Schülerinnen und Schüler und 80 Kinderhaus-Kinder.

Das verdankt sie vielen Akteuren. Vor allem die Schulgründer und die Gründungsschulleitung möchte ich hier deutlich erwähnen.

Sandra Schumacher interviewt Rocco Spirziola in seinem Schulleiterbüro.
So ernst, wie das auf dem Foto aussieht, war das Gespräch gar nicht.
Sandra Schumacher interviewt Rocco Spirziola in seinem Schulleiterbüro.
So ernst, wie das auf dem Foto aussieht, war das Gespräch gar nicht.

Seit drei Jahren wirkt ein sehr inspirierender Schulleiter Rocco Sbirziola in dieser Schule.

Und ich freue mich sehr, dass er sich die Zeit für unser ausführliches Gespräch genommen hat.

Sandra Schumacher

Schulinnovatorin und -beraterin

Wunder. Fliegen. Weiter.

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