Online, Online, Online, eine Übung, die mir persönlich sehr hilft

Ich telefoniere mit meiner Freundin Marie.

Sie in Berlin, ich hier in Erlangen.

Es ist der 7. April 2020 und am Ende des Gesprächs sage ich: „Ich merke gerade, wenn ich so nebenbei in meinem Kalender blättere, dass mir richtig schlecht wird, wenn ich an die zahlreichen Online-Workshops, Vorbereitungscalls, Telefonate und Zoom-Treffen in der nächsten Woche denken. Ich arbeite gerne online, doch wenn es zu viele Stunden sind, fällt es mir schwerer uund schwerer.

Die Energie verlässt mich, schon beim Gedanken daran. Die Woche fühlt sichrichtig belastet an, das sollte sie nicht.“

Marie sagt: „Waaaaas, so kenne ich dich ja gar nicht?“ Nach einr kurzen Stille höre ich, wie sie tief Luft holt und sagt: „Dann bist du jetzt reif für eine Übung, die ich liebe.“

Mein Interesse ist geweckt und so lerne ich im April 2020 diese Übung „Schwellenmoment“ kennen.

Marie erklärt: „Du achtest bei jedem Treffen darauf, dass du gedanklich nur bei diesem Treffen bist. Du denkst nicht an das Treffen davor und auch nicht an das oder die Treffen, die noch kommen werden.

Du bist ganz im Moment.

Am Ende des Treffens, wenn du auflegst, oder den digitalen Raum schließt, also kurz nach der Verabschiedung, stellst du dir vor, dass du den Raum des Treffens verlässt. Als würdest du tatsächlich einen Raum verlassen.“

„Können wir statt einer Türschelle, eine Schatzkiste nehmen? Das spricht mich mehr an.“, melde ich mich zu Wort. „Klar, das machen wir gleich“, sagt Marie. „Also, du schließt den Deckel einer großen Schatzkiste. „Stopp“, sagte ich zu Marie. Ich muss mir diesen Deckel und diese Kiste mal genau vorstellen.“ Marie stöhnt etwas, denn ihr kleiner Sohn ruft bereits zum dritten Mal „Mama“ im Hintergrund. Aber ich bin nicht zu bremsen, wenn meine Fantasie angeregt ist, gibt es kein Halten: „Die Kiste ist richtig groß, steht auf einem staubigen, komplett leeren Dachboden und mitten im Raum. Sie ist aus unbehandeltem Eichenholz. Der Deckel ist ebenfalls staubig. Wenn ich ihn langsam schließe, knarzt das Scharnier und der Staub tanzt im Sonnenlicht um die Kiste herum. Meine Hand, die den Deckel berührt ist auch schon ganz staubig, ich habe das Bedürfnis sie zu waschen.“

„Stopp“, sagt Marie. „Lass mich die Übung zu Ende erklären und halte deine Fantasie mal kurz im Zaum, ich muss gleich Essen machen.“ Ich stöhne innerlich, denn das hat gerade angefangen richtig Spaß zu machen, doch natürlich will ich unbedingt erfahren, wie die Übung weitergeht. Marie spricht zum Glück gleich weiter, etwas schneller als vorher und auch etwas lauter, denn ihr quengelnder Sohn im Hintergrund ist auch lauter geworden: „Also der Deckel symbolisiert das Ende des Treffens und du machst ja zwischen den Treffen immer eine Pause und da bleibt der Deckel zu. Bevor das nächste Treffen beginnt, öffnest du gedanklich wieder deine Kiste und schaust rein, was drin ist.“ „In unserer Kiste ist gerade etwas zu wenig Zeit und etwas zu viel Kinderlärm“, sage ich. Marie ignoriert meine Bemerkung und spricht weiter: „Ich merke, du hast das Prinzip verstanden, oder?“ Und ohne eine Antwort abzuwarten, ergänzt sie: „Und wie ich dich kenne, hast du schon längst zwei bis drei Varianten, Erweiterungen oder Ergänzungen zu dieser Übung ersonnen, während du mir zugehört hast.“ Auch darauf möchte sie keine Antwort und sie sieht durchs Telefon nicht, dass ich in mich hinein lächle. Könnte sein, dass sie mich ganz schön gut kennt…

Diese Übung, die für mich ab der ersten Sekunde nur „die Schatzkisten-Übung“ heißt, begleitet mich nun seit April dieses verrückten Jahres 2020. Ich habe an ihr festgehalten und sie in meinen Online-Alltag integriert, als fester Baustein meiner Selbstfürsorge. Sie ermöglicht mir das bewusste Wahrnehmen der Gegenwart. Ich bin achtsam, im Moment.

Und sie ist auch einfach ein Überlebens-Tool, um durch Tage mit mehreren Online-Treffen gut durchzukommen. Was meine ich mit gut durchkommen? Damit meine ich, dass ich die Treffen präsent erlebe und ich das Zusammentreffen mit anderen Menschen, den Austausch, die Gespräche und die Kokreationen genieße.

Der Satz, den ich am Telefon zu meiner Freundin Marie sagte „Schon beim Gedanken daran fühlt es sich schwr an.“, war sehr ernst gemeint.

Und ich habe sie auch tatsächlich für mich erweitert. Ich male nämlich zum Beispiel zur Erinnerung in meinen Kalender neben die Online-Treffen immer eine kleine Schatzkiste und schreibe auf, was ich für das Treffen noch an Vorbereitung brauche. Und nach dem Treffen auch das Debriefing, also die Reflexion.

Dieses Symbol male ich in meinen Kalender

Vielleicht möchtest du sie auch einmal ausprobieren, denn wenn wir Offline arbeiten, haben wir Wege zurückzulegen.

Wir fahren Fahrrad oder Bus, wir laufen oder sitzen im Auto.

Diese Zwischenzeiten helfen uns, um umzuschalten von der Familie, zum Job, von der einen Rolle zur nächsten, von einer Herausforderung zur nächsten.

Außerdem sind die Lebensbereiche getrennt voneinander. Die Arbeit findet vorwiegend an einem anderen Ort statt, als dass Familienleben und die persönliche Zeit, dass Essen und das Schlafen.

Ich persönlich merke, wie wichtig es für mich ist, gerade wenn ich viele Stunden am Tag in Online-Treffen bin, bewusst diese Zwischenzeiten zu gestalten.

Und ich möchte meine Lieblingsübung hier als Teil meines Jahresrückblicks 2020 an dich weitergeben. Weil sie für mich so hilfreich ist, denn sie steht für mich für so viel und es sind meine ganz persönlichen Erkenntnisse, die ich hier teilen möchte.

Also ja, ich berate schon seit 2019 Online und am Telefon. Da sich meine Beratung für Schulen und mein Schulleitungs-Coaching auf ganz Deutschland erstreckt, ist das einfach praktisch und notwendig.

Doch seit März 2020 setze ich auch die Trainings- und Workshopformate online um und so bin ich viel weniger unterwegs und sitze viel mehr vor dem Laptop.

Diese Schatzkisten-Übung steht für mich für:

  • Ich kann mit einem veränderten Alltag klar kommen, wenn ich bereit bin, mir das Gesamtbild anzuschauen und an so einigen Schrauben zu drehen, damit wieder alles zusammenpasst und ich gesund bleibe, meinen Spaß und meine Motivation erhalte und genug Erholungszeiten habe.
  • Meine innere Haltung ist entscheidend, wenn es darum geht, mein (Arbeits-) Leben flexibel und bewusst, mit möglichst viel Eigenständigkeit zu gestalten: Ich sage innerlich „Ja“ zu jedem neuen Tag und bin gespannt, was er mir an neuen Erfahrungen und spannenden Begegnungen bringen wird. Ich öffne mich dem persönlichen Wachstum, der persönlichen Entwicklung, indem ich sie freudig begrüße. Auch wenn ich mir eigentlich mein Jahr anders vorgestellt habe.
  • Schon eine kleine Verändeerung kann eine große, eine entscheidende Wirkung haben.

Im April habe ich also Online-Formate entwickelt und durchgeführt. Das hat mir großen Spaß gemacht und dazu geführt, dass ich mich mittlerweile als Expertin für aktivierende Online-Treffen sehen kann. Ja, das ist mir das Wichtigste: Online-Treffen zu gestalten, die aktivieren und uns in Beziehung miteinander bringen.

Online-Formate, die uns in Verbindung miteinander bringen und im Februar beginnt ein ganz besonderer Workshop zum Thema Friedensbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung , den ich gemeinsam mit Anka Krätzig mache. Sei dabei, das wird ettwas ganz Besonderes…

Ich habe ein gutes Bewusstsein ausgebildet, was Gruppen brauchen, damit ein Online-Treffen aktivierend wirkt, tragfähige Beziehungen aufgebaut werden und die Teilnehmer*innen sich möglichst gut auf das Thema und die gemeinsame Zeit einstellen können, gelingt. Faszinierend finde ich immer wieder wie gut es belingt, online in Kontakt miteinander zu kommen. Es öffnen sich nach meiner Erfahrung auch Menschen, die sich kaum kennen füreinander und das sehe ich als eine große Chance an, unseren nächsten Schritt der gesellschaftlichen ransformatiion zu gehen, hin zu qualitativ hochwertiger Verbindung untereinander.

Besonders freue ich mich darüber, dass ich dieses Wissen nun nach und nach auch weitergebe.

Ohne dass ich das wirklich zu meinem Ziel erklärt habe, hat sich rumgesprochen, dass meine Beratung fundiert ist, wenn es um Online-Treffen geht und ich bekomme regelmäßig Anfragen, wie man ein Online-Treffen gestalten kann. Wenn du hier auch eine schnelle und persönliche Beratung möchtst, melde dich gerne hier.

So hat sich, wie gesagt ungeplant erfüllt, dass sich hier ein neuer Weg auftut, auf den ich selbst gar nicht gekommen wäre. Wie schön!

Und hätte ich das vorher gedacht? Auf keinen Fall…

Das Leben hat mich überrascht, wieder einmal.

Und in 2021 gehe ich noch einen Schritt weiter und baue eine komplette Online-Akademie auf, die einen reichhaltigen Wissens- und Erfahrungsschatz enthalten wird.

Und die außerdem eine Keimzelle sein wird, in der sich Menschen verbinden.

Meine Online-Akademie richtet sich an Schulgründer*innen, Schulleiter*innen, Vorständen, eben allen Menschen in und um (freier) Schule. Auch an Eltern und Lernbegleiter*innen und an Schüler*innen. Wirklich an alle.

Es wird ein Mitgliederbereich sein, denn ich habe mich viel ausgetauscht und der geschützte Rahmen eines inneren Kreises ist vielen Menschen sehr wichtig.

Ich freue mich auf 2021 und sage „JA“ zu einem neuen Jahr mit Überraschungen und Begegnungen, mit Menschen, die mein Leben so bereichern, dass ich vor Dankbarkeit platzen könnte!!!!

Und wenn du Lust hast: An jedem zweiten Montag im Monat gibt es neu von mir ein kostenloses Webinar zu den verschiedensten Themen. Melde dich einmal mit deinem Namen an, dann ist es nur noch ein Klick beim zweiten Mal und ich schicke dir eine Email mit dem Zoom-Link. Ganz einfach.

Im Januar geht es um „Kinder und Erwachsene“ an freier Schule.

Im Februar spreche ich über das Thema „Gemeinsam“ und wir tauschen uns aus dazu.

Und im März habe ich das Thema „Ordnung schaffen“ für uns gewählt.

Ich freue mich drauf und bleib aufmerksam, es wird noch viel passieren, damit du es erfährst komm zu meinem Newsletter-Tribe dazu.

Herzlich,

Deine Sandra