Der Tag vor der Schulschließung aus meiner Sicht

Ich war in einer großen Schule in Niedersachsen.

Schulinterne Lehrerfortbildung für über 100 Pädagog*innen.

Mein Workshop, den ich für knapp 20 Lehrer*innen hielt, hieß „Beziehungsorientierte Elterngespräche“.

Ich war erkältet und hustete etwas, was sich im Zug schon etwas komisch anfühlte. Waren doch die Zeitungen voll von Covid-19. Meine Kollegin kam aus Berlin und sie stieg in den ICE in Hannover, in dem ich schon seit Nürnberg saß.

Keine Umarmung, kein Händeschütteln.

Unsere Stimmung war gut, wir freuten uns darauf das „Beziehungslernen“ in eine weitere Schule zu bringen.

Gleichzeitig lag auf uns ein schwerer Mantel der Unsicherheit.

Viele Fragen gingen mir durch den Kopf

Würden zukünftige Weiterbildungen abgesagt?

War es verantwortungsvoll durch ganz Deutschland zu fahren und mit vielen Menschen im Zug zu sitzen, die vielleicht Skifahren waren und aus den betroffenen Gebieten einen stillen Begleiter, den Virus bei sich hatten?

War meine Erkältung wirklich eine einfache Erkältung, oder hatte ich selbst diese neue Gefahr in mir?

Ich war ja nirgendwo, wo ich mich hätte anstecken können, aber konnte ich mir dessen sicher sein?

Was bedeutete verantwortungsvolles Verhalten?

Wie sah verantwortungsvolles Verhalten aus, war mein Verhalten das Gegenteil?

Es schien sich etwas Großes anzukündigen, was schwer fassbar war, das spürten wir. Eine schleichende Bedrohung, die mit jeder Horrornachricht aus Italien näher an Deutschland ran kam.

Würde es uns persönlich betreffen? Vielleicht sogar unser Leben einschränken und/oder verändern? Der Gedanke, so absurd er mir an diesem Tag vorkam, sollte schneller zur greifbaren Realität werden, als ich mir das in diesem Moment im ICE noch vorstellen konnte.

Am nächsten Tag stand also die „Einführung ins Beziehungslernen“ für über 100 Lehrer*innen an und auch einige Schüler*innen waren an diesem Tag freiwillig in die Schule gekommen.

Die Arbeit mit dieser relativ großen Menschengruppe war herausfordernd und spannnend. Die Jugendlichen waren voll dabei und äußerten ihre Meinung sehr reflektiert. Ein Junge sagte: „Ich brauche zu meinen Lehrern eine vertrauensvolle Beziehung, dann kann ich gut lernen.“

Die Schüler*innen bereicherten die Diskussion

Wow, hier haben wir es, die Jugendlichen wissen oft doch mehr, als wir denken..

Nach dem Mittagessen leitete ich dann den Workshop „Beziehungsorientierte Elterngespräche“. Es waren nur Erwachsene da, klar das Thema war für die Kinder nicht so interessant.

Mein Workshop „Beziehungsorientierte Elterngespräche“

Ich mag das Thema Elterngespräche, weil die Pädagog*innen viele Erkenntnisse haben.

Sie nehmen die Sichtweise der Eltern ein, beschäftigen sich mit ihren eigenen Erwartungen und Bedürfnissen und vergleichen diese mit denen der Eltern. Die Gespräche werden sofort besser durch meine Arbeit, denn eine empathischere und verständnisvollere Grundhaltung der Pädagogi*innen wird anbahnt und die Lehrer*innen übernehmen die Verantwortung für die Gestaltung der Gesprächsatmosphäre. Das ist eine fruchtbare Grundlage für eine Zusammenarbeit, die offen und respektvoll ist und der guten Begleitung des Kindes oder des Jugendlichen dient und ihn ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt.

Sätze, die uns zur Beziehung führen

Die ersten beiden Stunden arbeiteten wir konzentriert und produktiv. Es herrschte eine gute Atmosphäre und ein offenes Miteinander.

Die Stimmung änderte sich von jetzt auf gleich

Dann in der Pause veränderte sich die Stimmung plötzlich radikal. Die Luft knisterte und war mit einer Spannung aufgeladen, die ich mit allen meinen Sinnen spürte: Eine Lehrerin hatte eine Pressemitteilung am Handy gelesen, in der die Presse Schulschließungen für Niedersachsen ankündigte. Die Meldung war inoffiziell und reißerisch und eigentlich nicht mehr als Tratsch im öffentlichen Raum.

Doch war etwas dran?

Die Lehrerin las vor: Die Landesregierung bereite eine landesweite Schulschließung vor, es gäbe noch keine offizielle Pressemitteilung, aber aus sicherer Quelle….

Ein Lehrer machte einen Witz darüber, was er alles tun würde, wenn er eine Woche keine Schüler hätte. Eine Kollegin antwortete: „Dann hängen wir einfach noch ein paar Tage Weiterbildung dran, nörig hätten wir es ja.“

Das Lachen der Kolleg*innen war nervös und spiegelte die unsichere Stimmung wider.

Was war da los?

Stellte sich unser Leben gerade auf den Kopf? Was konnten wir tun, um uns vorzubereiten?

Es legte sich ein bedrückendes Gefühl auf die Gruppe.

Ich hörte mich selbst, wie ich in lockerem Ton zu einer weiteren Tasse Kaffee einlud und das Kekstablett rum gab. Eigentlich war die Pausenzeit bereits vorbei. Konnte ich einfach zum normalen Weitermachen ermuntern, oder war das gerade unpassend. Während ich mich das noch fragte, kam eine Mitarbeiterin der Schulleitung in den Raum geplatzt. Am Ende der Workshopphase würden wir uns nun doch noch kurz im Plenum treffen.

Die Klärung der Verantwortung führte zum Thema zurück

Die Schulleiterin wolle etwas sagen zum Thema Schulschließung.

Gut, die Verantwortung und der nächste Schritt waren nun klar.

Das war für mich eine gute Gelegenheit zum Thema zurückzukehren.

Wie erleben Sie die Elterngespräche?

Die Konzentration vom Beginn erreichen wir nicht mehr. Dennoch gelang es mir und der Gruppe gemeinsam, uns in der verbleibenden Zeit auf die positiven Beispiele der resonanten Elterngespräche zu konzentrieren und die Zeit produktiv zu verbringen.

Das anschließende Treffen mit der Schulleiterin war kurz.

Sie konnte nichts sagen, machte aber klar wie die Informationswege laufen würden, wenn tatsächlich offizielle Infos der Landesregierung vorliegen würden.

Klar war, dass sie offizielle Anordnungen erwartete. Die Schulschließung wurde wieder ein kleines Stück realer.

Nach einer unruhigen Nacht, trat ich am nächsten Tag die Heimreise an.

Jetzt war mir klar, dass das erst mal meine letzte Zugfahrt sein würde, ich hielt Abstand am Gleis. Der ICE war so leer, dass es kein Problem war einen Platz für mich alleine zu finden. Anders sah das im Nahverkehr zwischen Nürnberg und Erlangen aus. Jeder Platz war besetzt, ich blieb mit meinem Koffer bei der Tür stehen.

Die geplante Fahrt zu einer Schule in Baden-Württemberg am nächsten Tag, sage ich gleich aus dem Zug heraus ab. Hier hatte ich bereits meine Definition von Verantwortung gefunden.

Zu Hause angekommen fand ich das Einkaufen etwas beunruhigend. So leere Regale hatte ich noch nie gesehen.

Generell arbeite ich ja sowieso meistensim Homeoffice und online. So dass ich meine Umstellung auf die neue Situation #stayhome recht sanft war.

Meine Coachings mit Schulleiter*innen

Bei meinen Coachings mit den Schulleitern änderten sich die Inhalte natürlich hin zum Krisenmanagement und zum Finden der eigenen Position in dieser neuen Herausforderung.

Ein neuer Denk-Raum wird nötig

Mein Ansatz ist es durch Fragen zu unterstützen und den Denk-Raum zu eröffnen:

Wie kann ich als Schulleiter*in meine Verantwortung definieren?

Wie kann ich eine Minimumlinie ziehen, wie oft ein Kind etwas von seinem Lehrer hört: ist der persönliche Kontakt einmal in der Woche ausreichend?

Wir kennen unsere Schüler*innen so gut, wir wollen individuelle Begleitung auch im Homeschooling hinbekommen. Wie können wir das machen?

Was sagt der Elternbeirat, haben wir gemeinsam gute Ideen, die zu uns passen?

Haben wir Familien in prekären Sitautionen an unserer Schule, die wir besonders unterstützen sollten?

Kreativität und ungewöhnliche Ideen fern von den gewohnten Kommunikationsstrukturen sind hier gefragt und ich helfe gerne beim Suchen und Finden neuer Wege.

Der erste Schritt ist es außerhalb der gewohnten Denkstruktur zu sein, denn Schule hat sich jetzt neu zu erfinden.

eine ganz neue Situation

Dazu werde ich in meinem nächsten Blogpost etwas sagen.

Schließen möchte ich diesen Artikel mit einem Zitat aus dem Rahmenlehrplan des Landes Berlin/Brandenburg.

Es passt zu gut:

„In dem Maße, in dem sich die Welt verändert, in der wir leben, verändert sich auch die Sicht darauf, was und wie Schülerinnen und Schüler lernen sollen, damit sie ihren Weg gehen können.“

Sandra Scheeres (Bildungssenatorin Berlin) im Vorwort der RLP Berlin/Brandenburg

In diesem Sinn, lasst uns Veränderung leben und mit ihr in Bewegung bleiben, das führt zu Resilienz und Zukunftfähigkeit.

Herzlich Sandra Schumacher

Wunder. Fliegen. Weiter.

Neu im Job als Schulleiter*in, so war es bei mir

Als ich die Schulleitung einer privaten Montessori-Schule übernahm, war ich noch recht neu an der Schule.

Ich hatte ein Jahr vorher als Klassenlehrerin einer Primarstufenlerngruppe dort begonnen. Vorher hatte ich mein Montessori-Diplom gemacht und bereits an vier verschiedenen sonderpädagogischen Einrichtungen gearbeitet. Eine Weiterbildung zur Schulleiterin begann ich zeitgleich mit dem Job.

Kinder stark werden lassen, ist mir wichtig

Ich fühlte mich eigentlich recht gut vorbereitet, da ich es gewohnt war, in neue Aufgaben einzufinden. In meinem ersten Jahr an der Montessori-Schule hatte ich außerdem eine intensive und gute Qualitätsmanagement-Fortbildung des Landesverbandes Bayern besucht und das gab mir eine gewisse Grundlage, meinte ich.

Die Fülle von Aufgaben traf mich unvorbereitet

Worauf ich nicht vorbereitet war, war die Fülle der Aufgaben, die ich als Schulleiterin hatte. Es war unvorstellbar und sie kamen ungefiltert, ob wichtig oder dringend, geplant oder akut auf mich zu. Ich fühlte mich wie ein Autist, der nicht filtern kann und ungeschützt dem Strom der Reize gegenübersteht und ich glaube, so war es auch zu Beginn. Ich hatte keinen inneren Schutz, keine Methode oder ein Organisationstool, um die Aufgaben anzugehen.

Ich hatte so viele Themen zu bewältigen, dass die Zeit zur Priorisierung fehlte. Das klingt als wäre ich schlecht organisiert, was nicht der Fall ist.

Dank des Eisenhower-Prinzips lernte ich langsam und nach und nach zwischen wichtigen und dringenden Aufgaben zu unterscheiden und priorisierte meine Aufgaben konsequent. Mit den Kategorien wichtig und dringend kam ich sehr gut klar. Immer wieder vernachlässigte ich aber dieses System und fiel in meine alte Haltung zurück, „first come first serve“. Das waren dann Tage und Wochen, die mich sehr forderten. Ich hatte ja die ersten Jahre keine Konrektorin und machte praktisch zwei Jobs gleichzeitig.

Spontanität – eine große Herausforderung

Herausfordernd war es auch, nach erstellten Plan, diesen jederzeit beiseite zu legen, da spontane Aufgaben meine Aufmerksamkeit erforderlich machten. Und das war im Alltag des Schultages viele Male täglich nötig, vor allem zu Beginn. Ich bin ein sehr flexibler, offener und zugewandter Mensch. Dennoch brachte mich das immer wieder an meine Grenzen, da das Eindenken in eine Aufgabe sehr lange dauert, das rausreißen hingegen ganz schnell geht. Wahrscheinlich kam ich in Wahrheit deshalb an meine Grenzen, weil ich offn war und also auch alle Aufgaben erst mal annahm. Das „Nein-Sagen“ lernte ich erst mit der Zeit.

So kam ich nach kurzer Zeit zu dem Satz: „Schulleitung ist, einen Plan zu machen, der gut ist und dann wieder einen Plan zu machen, der gut ist, nachdem du das Spontane bearbeitet hast“.

Woran lag es, dass die Kollegen, Eltern, Schüler, die Verwaltung und alle, die ihre wertvolle Zeit großzügig einsetzten, um als ein Rädchen im Uhrwerk unserer Montessori-Schule das große Ganze am Laufen zu halten, so oft die Zeit und Aufmerksamkeit der Schulleiterin benötigten?

Es lag, denke ich daran, dass wir ein großes Team waren, das aus insgesamt (Grundschullehrer, Mittelschullehrer, Realschullehrer, Gymnasiallehrer, Sonderpädagogen, Erzieher, Sozialpädagogen, Diplompädagogen, Heilpädagogen, Kinderpfleger), wir verschiedene Montessori-Ausbildungen im Haus hatten, die Fach- und Methodenkompetenz und die Berufserfahrung sehr verschieden ausgeprägt war und außerdem die Schule so schnell gewachsen war. Das multiprofessionelle Arbeiten war recht neu und wir hatten alle noch nicht so ganz. unseren Platz. gefunden.

Der Schulleitungswechsel bedeutete Stress für alle

Dass ich als Schulleiter*in neu war, war eein großer Unsicherheitsfaktor. Eine unsichere Situation für uns alle.

Und ich ließ es zu

Mein Selbstverständnis war, dass ich hilfreich sein wollte für meine Kolleg*innen. Und zwar möglichst sofort, wenn sie meine Hilfe brauchten. Mein Tür war immer offen.

Ein Anspruch, den ich an mich selbst stellte.

Und dieser Anspruch half mir in der planvollen Bearbeitung meiner Aufgaben natürlich nicht.

Doch betrachtete ich diese Unterbrechungen ebenfalls als meine Aufgabe und nicht als eine Störung. Er half mir also sehr, um bei meinem Team zu sein und mich für sie einzusetzen und für sie stark zu machen.

Während ich diese Worte schreibe, denke ich, dass das eine schönes und ehrenvolles Leitungsverständnis ist.

Dennoch weiß ich heute, dass es nur wenige Dinge gibt, die wirklich sofort geklärt werden müssen.

Mein Team lernte nach und nach die Bedürfnisse aufzuschieben oder einfach selbst zu lösen. Dem ersten Impuls sich Hilfe zu holen gibt man sehr leicht nach, das kenne ich selbst. Es ist mehr eine Frage der Gewohnheit.

Was mir wichtig war: der Kontakt zu meinen Kolleg*innen

Ich wollte den menschlichen Kontakt. Das war mir einfach wichtig und das war auch okay.

Später lernte ich andere Wege und die sofortige Beantwortung der Fragen fand neue Wege.

Das war der verantwortungsvollere Weg, denn ich brachte mein Zeit nun tatsächlich zur Bearbeitung der Schulleitungsaufgaben auf.

Als Schulleiterin gab ich Sicherheit

Eine sehr wichtige Aufgabe war es und das verstand ich erst sehr viel später, Sicherheit zu geben und in unsicheren Situationen eine Richtschnur und ein Ruhepol zu sein.

Es war sehr spannend, was passierte, als ich in meinem zweiten Schulleitungsjahr einen Unfall hatte und 6 Wochen krank geschrieben war.

Es kam zu richtig viel Unruhe in der Schule. Nicht sofort, mehr schleichend und nach und nach. Das äußerte sich durch vermehrte Konflikte zwischen den Kindern, durch eine erhöhte Anzahl an Beschwerden von Eltern und an einem Freitagnachmittag hatten wir eine richtige Krise

Die Krise kam am Freitagnachmittag und schockierte uns

Heute kann ich darüber schmunzeln, aber damals war es eine sehr schwierige Situation und wir konnten sie bis heute nicht klären.

Was war passiert? Als der Hausmeister am Freitagnachmittag durch die Schul ging, um zu sehen, ob alle Fenster zu sind, bemerkte er an einer Wand ein besonderes Kunstwerk.

Es war ein mit Edding aufgemalter Penis. Oh Schreck!

Er hielt inne, verblüfft und schockiert.

Als er nach einem lange andauernden Schockmoment den Blick hob, sah er wenige Meter entfernt auf dem Fußboden einen zweiten, kleineren. Der nächste war an der Tür zum Musikzimmer zu finden.

Insgesamt waren es über 40 Kunstwerke, die in der ganzen Schule verteilt waren und sogar auf der Straße davor noch ein besonders großes.

Das war eine massive Sachbeschädigung und wir riefen eine Krisensitzung ein.

Ich kam aus meiner Krankheit heraus dazu.

Es war uns nicht möglich zu ermitteln, aus wessen Feder die Kunstwerke stammten. Nun war klar, dass wir es mit einer besonderen Situation zu tun hatten.

Wichtig war uns, deutlich dazu mit den Kindern und Jugendlichen zu sprechen, sie auch anzuhören, uns also als Gemeinschaft zu überlegen, wie wir mit der Situation umgehen wollten und wie wir darüber reden wollten.

Unser sehr fähige Hausmeister entfernte alle 40 Kunstwerke.

Heimlich nenne ich ihn seit diesem Freitag den „Tatortreiniger“.

Gemeinschaft stärken

Mehrere Schüler*innenversammlungen stärkten unsere Gemeinschaft und vermittelten Sicherheit. Wir sprachen offen mit Eltern und Kidnern. was passiert war und überlegten gemeinsam, wie wir das Vertrauen in unsere Gemeinschaft wieder aufbauen könnten. Unser Ziel war, einee starke Gemeinschaft zu sein, die gemeinsam nach vorne blickt.

Leitung und Sicherheit gehören zusammen

Und wir lernten alle, dass ich als Schulleiterin einen großen Teil der Sicherheit in der Schule vermittle. Wenn ich länger krank bin, hinterlässt das Spuren. In unserem Fall ganz besondere Kunstwerke, auf die jede Schule lieber verzichtet. Oder?

Sandra Schumacher

Wunder. Fliegen. Weiter.

Wie ich mir Klarheit über die Schulleitung verschafft habe 🚀

Affirmationen bilden neue neuronale Verbindungen im Gehirn

12 Affirmationen für Schulleiter*innen

Ich möchte dich dazu einladen dir jeden Morgen 5 Minuten Zeit zu nehmen und diese 5 Minuten nur mit förderlichen Gedanken zu verbringen.

Als ich als Schulleiterin dieses Ritual fest in meine Morgenroutine eingebaut habe, ist meine Klarheit enorm gestiegen.

Meine Effektivität als Schulleeitung hat einen großen Sprung nach vorne gemacht. 🚀

Was sich vorher schwer angefühlt hat, wurde leichter. 🎈

Neue neuronale Verknüpfungen durch Affirmationen
Neue neuronale Verknüpfungen durch Affirmationen!

In nur 5 Minuten täglich!

Warum? Weil wir 70 0000 Gedanken im Durchschnitt täglich denken und viele davon nicht bewusst positiv, sondern unbewusst negativ ausfallen.

Das ist zum Beispiel der Fall, wenn du dir Sorgen machst, du dich innerlich maßregelst, weil du etwas vergessen oder übersehen hast oder du dich ärgerst.

Gerade wenn du (wie ich) sehr verantwortungsvoll bist und manchmal dazu neigst hart mit dir selbst umzugehen, sind diese 5 Minuten für dich goldrichtig und super wertvoll!

Richte dich also jeden Morgen bewusst auf Erfolg aus!

Fokussiere dich auf das Positive.

Richte dich darauf aus, dass du das Beste für dich und dein Umfeld erwartest, dass du das Beste wert bist!

Du wirst schon nach wenigen Tagen merken, dass dein Leben bewusster und leichter wird.

Affirmationen zeigen dir den Weg!

Dass du das in dein Leben einlädtst, was du durch deine Affirmationen visualisierst.

Schenke dir selbst diese 5 Minuten – lies die folgenden Affirmationen, schreibe sie auf (ein kleines Notizbuch oder Tgaebuch ist dafür optimal, oder mein Wunder- Fliegen- Weiter- Büchlein, das meine Coachees von mir bekommen) oder sage sie vor dich hin.

Egal was du wählst, wichtig ist, dass du es in voller Konzentration tust.

Fühle die Wahrheit der Affirmation mit jeder Zelle deines Körpers.

Ganz bewusst.

Genieße das Prickeln, das sich dabei in deinem Körper einstellt. Es stellt sich vielleicht nicht sofort ein, blieb also dran, es braucht etwas Übung.

Folgende 12 Affirmationen habe ich für dich erstellt:

1. Ich plane meine Tagesaufgaben klar und gut. 🎯

2. Ich treffe gute Entscheidungen. 👍

3. Mein Team unterstützt sich gegenseitig mit all seiner Kraft. 🤝

4. Ich bin eine kraftvolle Führungspersönlichkeit. 💪

5. Die Eltern an meiner Schule unterstützen unsere Arbeit voll Vertrauen.👥

6. Jeder Mensch in meinem Umfeld gibt sein Bestes. 💃🏻 🕺

7. Die Meinungen der Kinder und Jugendlichen an meiner Schule sind wichtig. 💡

8. Ich nehme meine Verantwortung ernst und mein Alltag darf sich leicht anfühlen. 🏖

9. Ich spüre den ganzen Tag über, dass ich von den Menschen um mich rum Unterstützung erfahre. 🚀

10. Meine Intuition ist mein Kompass. 🧭

11. Ich erreiche meine Ziele ganz spielerisch. 🎲

12. Ich bin von wunderbaren Menschen umgeben. 🤸🏻‍♂️

Und, wie fühlt sich das an? Gut, passend oder fehlt noch etwas?

Erstelle dir im zweiten Schritt doch weitere Affirmationen, die dir in deiner momentanen Arbeitssituation noch besser helfen. Wenn du die Wirkung einer Affirmation noch verstärken möchtest, drucke sie dir aus und hänge sie an einen Ort, den du täglich oft besuchst (Toilette?) oder richte sie dir als Handyhintergrund ein.

Und denk daran, neue Gewohnheiten brauchen im Durchschnitt 33 Tage, bis sie sich fest in unser Leben verankert haben.

Und wenn du Unterstützung brauchst, melde dich unbedingt bei mir, denn du musst es nicht alleine schaffen.

Deine

Sandra Schumacher

Wunder- Fliegen- Weiter.

Hat dir der Impuls geholfen, hast du eine Anregung oder möchtest du von dir erzählen, gerne in den Kommentaren, oder per Email!

Wie wird eine Menschenansammlung zu einem Team?

In Schule zusammen stark

Wie kann es gelingen, dass ein pädagogisches Team, das aus verschiedenen Berufsgruppen besteht, am gleichen Strang zieht?

#Teambildung

Man sollte zuerst einmal ein schönes Miteinander haben, man lacht miteinander, freut sich füreinander hilft sich gegenseitig und nimmt einfach an der Person des anderen Anteil.

Dann ist es wichtig für die selben Dinge zu brennen. Die Dynamik im Team sollte die gleiche innere Haltung, den gleichen Spirit haben. Das ist in einer Montessorischule die Orientierung an den Montessori-Grundsätzen, in einer freien Schule oft die gemeinsame Überzeugung soziokratische Elemente in der Schule zu leben. Jede Schule hat meiner Erfahrung nach etwas besonderes, oder sogar einzigartiges an sich. Ob im pädagogischen Konzept, oder entstanden im Wachstum der Organisation ist nicht so entscheidend. Entscheidend ist es, dass man sich das Besondere bewusst macht und es lebt und pflegt.

Als dritten und letzten Punkt, sollten Pädagog*innen an einer Schule sich gegenseitig unterstützen. Über die jeweiligen Professionen hinweg.

Also egal, ob Lehrer*innen mit 2. Staatsexamen, Quereinsteiger oder Sozialpädagogin, Schulbegleiter mit Erzieherausbildung oder ganz ohne pädagogische Ausbildung, alle verstehen sich als EIN zusammengehörendes TEAM, nehmen sich Zeit füreinander, hören sich zu, helfen einander und sprechen sich gegenseitig Mut zu (nicht zu verwechseln mit einer Jammeratmosphäre, die es an Schule auch gibt).

Dann gelingt es die Energie auf das Wesentliche zu fokussieren.

Schule ist ein guter Lernort, es herrscht Zufriedenheit und Leichtigkeit.

Alle ziehen am gleichen Strang und der Konsenz steht im Mittelpunkt.

Wie kann ein Schulleiter/eine Schulleiterin das Team bei wichtigen Themen gut mitnehmen, ohne an Wirkung zu verlieren?

Es ist immer wichtig als Leitung zu entscheiden, welche Themen als nächstes zu bearbeiten sind. Gleichzeitig möchte man die Motivation der Mitarbeiter nicht dämpfen, indem man ihnen etwas überstülpt, an dessen Entstehung sie nicht beteiligt waren.

Dazu ist es wichtig in einem frühen Stadium alle zu informieren, dass dieses Thema als nächstes bearbeitet wird.

Bei dieser transparenten Kommunikation werden sich alle freuen, wenn sie erst einbezogen werden, wenn die Grundlinien erarbeitet sind. Das ist ein professionelles Vorgehen und leuchtet allen ein. Wichtig ist es, klar zu formulieren was das Ziel des Themas ist und wenn das noch nicht klar formuliert werden kann, zu sagen, dass die Zielformulierung noch entstehen wird.

Dann sollte ein ungefährer Zeitplan umrissen werden.

So können die Mitarbeiter eine gute Vorstellung entwickeln, fühlen sich informiert und abgeholt und sind vielleicht sogar gespannt auf die Mitarbeit am Projekt, wenn die Zeit reif ist. Eine Protokollkultur hilft später sich zu erinnern, was gesagt wurde. Hier sollte die Schulleitung darauf achten, dass der Protokolleintrag gut verständlich und vollständig ist.

Bei einer recht großen Schule würde es sich anbieten mit einer Kerngruppe oder Lenkungsgruppe zu arbeiten. In der die Themen der Schulentwicklung diskutiert und abgewogen werden, bevor sie allen vorgestellt werden. Das unterstützt die Verankerung von Neuerungen oder Verbesserungen in der ganzen Institution.

Sandra Schumacher

Wunder. Fliegen. Weiter.

Literaturtipps:

Interessiert dich das Thema? Ich habe zahlreiche Bücher gelesen, die zusammen mit meiner Erfahrung und Reflektion die Grundlage für diesen Blogpost bilden. Die beiden wesentlichen nenne ich dir gerne:

Joachim Bauer, „Lob der Schule“ und „Schule braucht Beziehung“ von Elisabeth und Helle Jensen.

Die Schulleitung – ein Lebenswendepunkt

Ein Wendepunkt hat immer zwei Seiten. Eine Seite beendet etwas, schließt einen Lebensabschnitt ab und die andere Seite beginnt etwas, läutet einen neuen Lebensabschnitt ein.

Nicht mehr Teil des Kollegiums, autsch das tut richtig weh

Was ist ein Lebenswendepunkt?

Möchtest du die Dynamik des Lebenspunktes an dem du gerade stehst besser verstehen? Ein vollständigeres Bild von dir und deiner Lebenssituation bekommen? Darin verbirgt sich  die Chance ein zufriedener Mensch zu werden. Dein  Leben bewussterzu steuern und besser einzuschätzen, wo du gerade stehst.
Lebenswendepunkte haben zwei Seiten

Das ist ein Punkt in deinem Leben, an denen sich dein Leben positiv verändert. Du hast etwas grundlegend neu verstanden, dich geöffnet für eine neue Herausforderung oder einen mutigen Schritt gewagt.

Dein Leben lässt sich einteilen in den Abschnitt vor diesem Wendepunkt und nach diesem Wendepunkt.

Unser Leben hat mehrere dieser Wendepunkte. Wir erleben sie nicht immer bewusst, wenn du aber auf dein bisheriges Leben zurückblickst findest du sie. Sie unterteilen dein Leben ganz deutlich in verschiedene Abschnitte.

Die Übernahme einer Position als Schulleiter*in ist auf jeden Fall ein Lebenswendepunkt

Warum?

Du stößt auf neue Aufgaben und Herausforderungen. Du entwickelst neue Fähigkeiten und Blickwinkel. Du lebst eine neue Rolle. Die Menschen behandeln dich anders, manche Menschen sehen sogar deinen Wert als gestiegen an.

Durch viele, viele kleine und große Entscheidungen positionierst du dich, was für eine Schulleitung du sein willst.

Wofür du stehen willst, was die Menschen hinter deinem Rücken über dich sagen sollen (und nicht nur positives, das kaufst du mit der Rolle natürlich auch ein, das ist ein Gesamtpaket. In diesem Gesamtpaket bekommst du auch massive Kritiker*innen mitgeliefert, aber dazu an anderer Stelle mehr, dieses Thema ist ein eigener Blogpost wert).

Du triffst vielleicht auch Entscheidungen von denen du befürchtest, dass sich dein Bild im eigenen Spiegel verändern wird. Entscheidungen, die nicht gut sind, weil die Situation keine gute Entscheidung ermöglicht.

All diese Prozesse verändern dich, lassen dich reifen und wachsen.

Warum sind Lebenswendepunkte wichtig?

Jetzt fragst du dich vielleicht, wofür es wichtig ist, dich mit den Wendepunkten in deinem Leben zu beschäftigen?

Es hilft dir, dich selbst und deine Entwicklung besser zu verstehen. Du kannst durch das bewusste Wahrnehmen deiner Wendepunkte, diese auch besser einordnen und ihre genaue Bedeutung für deine Persönlichkeitsentwicklung wahrnehmen. Du verstehst die Dynamik des Lebenspunktes an dem du gerade stehst besser.

Wenn es dir gelingt ein vollständigeres Bild von dir und deiner Lebenssituation zu bekommen, dann hast du die Chance ein zufriedener Mensch zu werden. Du steuerst dein Leben bewusster und kannst einschätzen wo du gerade stehst.

Ein Wendepunkt hat immer zwei Seiten.

Eine Seite beendet etwas, schließt einen Lebensabschnitt ab und die andere Seite beginnt etwas, läutet einen neuen Lebensabschnitt ein.

Ich möchte das an einem Beispiel verdeutlichen:

Das Beispiel Karen

Ich erläutere es am Beispiel von Karen.

Karen war Ende 30, als sie sich dazu entschloss, sich auf die Stelle als Schulleiterin zu bewerben. Sie war bereits kommisarische Schulleitung für ein Jahr, als sie sich fest für die Stelle bewarb.

Sie war als Lehrerin angesehen und beliebt. Ihre Beziehung zu den Jugendlichen war ein Vorbild für ihre Kollegen und regelmäßig fragten Kollegen sie, wenn sie fachlich nicht weiterkamen. Karen hatte für alle ein offenes Ohr, war im Kollegium beliebt und eine sehr kompetente Lehrerin. Es war eine gute Voraussetzung, um Schulleiterin zu werden. Sie genoss also die Akzeptanz und den Respekt des gesamten pädagogischen Teams.

Das Bewerbungsverfahren war transparent und offen und als sie den Job bekam, freute sie sich sehr auf die neue Aufgabe, da sie der Meinung war, dass sie ziemlich gut wusste, was auf sie zukam und sich den Aufgaben komplett gewachsen fühlte.

Nach ein paar Monaten merkte sie, dass die Gespräche erstarben im Lehrerzimmer, wenn sie es betrat. Die Kolleg*innen behandelten sie anders. Sie gehörte nicht mehr dazu, sie gehörte jetzt zur Leitung. Das traf Karen. Sie fühlte sich nicht mehr wohl in der Leitungsrolle, schlief schlecht und begann an der Richtigkeit ihrer Entscheidung die Schulleitung zu übernehmen, zu zweifeln. Da kam sie zu mir. Wir betrachteten den Lebenswendepunkt „Übernahme der Schulleitung“ von allen Seiten. Für Karen war es der nächste logische Schritt, der sich gut an ihre Entwicklung als Lehrerin anschloss. Sie hatte sich bewusst dafür entschieden und fühlte sich gut vorbereitet. Das Jahr als kommisarische Schulleitung hatte ihrem Selbstbewusstsein gut getan.

Sie nannte diese Seite des Wendepunktes „Schulleitung mein logischer nächster Schritt“, der griffige Name, den sie wählte war, „Weiterentwicklung“.

Leben ist wachsen.

Die andere Seite war für sie, das ihr der kollegiale Austausch, die Gemeinschaft mit den Kolleg*innen unglaublich wichtig war. Sie hatte jahrelang daraus ihre Kraft gezogen und sich nach den Ferien auf die Kinder gefreut, aber fast noch mehr auf die Kolleg*innen. Nun hatte sie das Gefühl, dass das zu Ende war. Es machte sie traurig. Andererseits verstand sie auch, dass es nichts persönliches war, sondern, dass sie als Schulleiterin eine andere Funktion hatte und es wichtig war, dass sie mit der Distanz, die die Kollegen zu brauchen scheinten, souverän umging.

Es ging für sie um die Akzeptanz der Schulleitungsrolle als eigenes Selbstverständnis und sie nannte diese Seite „Rollengestaltung“. Nun war klar, dass sie sich nicht als Opfer der Einstellungen der Kolleg*innen sehen würde, sondern dass sie tatsächlich ein ganz eigenes authentisches Selbst- und Rollenverständnis kreieren wollte.

Dafür nahmen wir uns einige Zeit im Coaching. Ich möchte den Prozess hier nicht vollständig darstellen, nur den Teil, den die Arbeit mit dem Lebenswendepunkt betrifft.

Karen überlegte sich Sätze, die mit „Ich, Karen bin als Schulleiterin…“ und kreiierte sich damit ein ganz eigenes Rollenverständnis. Bezogen auf die Zugehörigkeit zum pädagogischen Team überlegte sie sich, dass sie akzeptieren würde, dass sie nicht mehr so dazu gehörte, wie das als Lehrerin der Fall war. Doch sie wollte nicht ganz auf dieses Zugehörigkeitsgefühlt verzichten und überlegte weiter, wie könnte ihr das gelingen?

Der Lebenswendepunkt Schulleiterin werden

Nach einigen Tagen des Nachdenkens, kam sie auf eine smarte und einfache Idee: Warum nehme ich es nicht selbst in die Hand und schaffe diese Gemeinschaft. Und das tat sie.

Sie kochte einmal im Monat Freitagmittags in der Schulküche Spagetti für die Kollegen. Mit diesem zwanglosen Essen wollte sie das Wochenende einläuten. Sie lud die Kolleg*innen dazu ein und diese freuten sich riesig über diese Wertschätzung ihrer Chefin und kamen sehr gerne. Karen konnte bei diesen Essen ihr Bedürfnis der Zugehörigkeit erfüllen.

Karens Zufriedenheit mit ihrer Rolle wuchs wieder.

Bald übernahmen die Kollegen abwechselnd das Kochen am Freitag und verwöhnten ihre Führungskraft und sich selbst mit diesen geselligen Essen. Die Anerkennung und die Akzeptanz trug Karen auch in schwierigen Zeiten. Es war ihr gelungen, ihren Lebenswendepunkt positiv zu gestalten.

Hätte sie das nicht aktiv gemacht, hätte es sein können, dass sie begonnen hätte ihre Entscheidung Schulleiterin zu werden zu hinterfragen oder zu bereuen. Dieser Prozess hatte ja sogar schon begonnen. Wäre er weitergegangen, hätte das leicht zu Unzufriedenheit und Zweifel geführt. Möglicherweise hätte sie und ich viel Energie darauf verwendet, sich zu fragen, ob eine Entscheidung richtig war.

Durch die bewusste Gestaltung der Lebenswendepunkte vermeidest du das.

Der Effekt auf die insgesamte Lebenszufriedenheit lohnt sich.

Das Beispiel von Karen zeigt das, wie ich finde sehr deutlich.

Stehst du gerade vor einem Lebenswendepunkt?

Ich hoffe es für dich, denn sie sind das Salz in der Lebenssuppe!

Sandra Schumacher

Wunder. Fliegen. Weiter.

Darf ich mir als Schulleiterin selbst freigeben?

Schulleitung sein

Oder warum dauert Entwicklung machmal so lange?

Am 20. Dezember 2015 heiratete meine beste Freundin in Münster. Ich war zu dieser Zeit Schulleiterin in Erlangen, Bayern und sollte Trauzeugin sein.

Es war eines der wenigen Jahre, in dem Bayern als einziges Bundesland noch Schule bis direkt vor Weihnachten hatte.

Das höchste christliche Fest und ausgerechnet das traditionelle Bundesland Bayern lässt seine Familien und Lehrer bis direkt vor den Feiertagen in die Schule gehen.

Dieses Thema beschäftigte viele meiner Kollegen, mich nicht so sehr.

Was mich hingegen beschäftigte, war, dass ich auf keinen Fall als Schulleiterin einen Tag früher in die Weihnachtsferien gehen wollte.

Ich sah mich sehr stark in der Vorbildfunktion und sah mich in der Solidarität mit meinen Kollegen.

Ich nahm mir einen Tag Bedenkzeit. Es war schließlich meine beste Freundin, die ich sowieso viel zu selten traf und ich wusste, wie wichtig es ihr war, mich dabei zu haben.

Ich überlegte und hatte sehr schnell meine Entscheidung getroffen.

Dann rief ich meine Freundin an und teilte ihr schweren Herzens meine Entscheidung mit: Ich könne auf keinen Fall ihre Trauzeugin sein, weil in Bayern noch Schule war und es keine Möglichkeit für mich gäbe zu ihrer Hochzeit zu kommen.

Das ist mein Bewerbungsfoto für die Schulleitung

In den folgenden Jahren ermöglichte ich immer wieder Kollegen zu allen möglichen familiären oder privaten Ereignisse die Arbeit anders zu verteilen und auch mal früher in die Ferien zu gehen.

Das war mir sehr wichtig, denn ich bin der Überzeugung, dass die Motivation für die Arbeit dadurch, dass wir unser soziales Leben pflegen,wächst und die Freude an der Arbeit auch.

Das schultern wir als Kollegium auch gut, mal hilft der eine, mal der andere. Ein Netz der Unterstützung eben.

Warum habe ich das für mich nicht in Anspruch genommen?

Diese Frage war noch jahrelang in meinem Hinterkopf und heute acht Jahre später mache ich mich mal an einen Erklärungsversuch:

Ich war in diesem Jahr noch nicht in der Schulleiterrolle gut angekommen. Ich war innerlich noch unsicher.

Wäre ich souverän und sicher gewesen, hätte ich gehen können, den Kollegen vertrauen, dass sie diesen letzten Schultag gut meistern können und das Fest mit meinen Freunden genießen.

Ich hätte mir selbst erlauben können, dass ich es verdient habe und es okay ist.

Hätte ich mir selbst einen Rat geben können, in dieser Situation, hätte ich mir genau das geraten.

Was wieder zeigt, wie schlecht wir als unsere eigenen Berater sind. Oder sein können.

In den Osterferien danach, fuhr ich nach Münster und ging mit meiner Freundin Essen im Restaurant, indem die Hochzeit stattfand.

Noch Jahre danach tat es mir leid, dass ich nicht dabei war.

Ich habe mittlerweile gelernt freundlicher, offener und netter mit mir selbst zu sein.

Warum hat das so lange gedauert?

Sandra Schumacher

Warum Ziele grundlegend wichtig sind für deinen Erfolg als Führungspersönlichkeit

Erfolgreich führen durch Ziele

Ich selbst habe mich lange gewehrt gegen Ziele.

Ich wollte mich nicht festlegen, lieber locker und frei sein.

Ziele verband ich mit dem Gegenteil.

Dann wurde ich Schulleiterin und merkte, wenn ich gut sein will, muss ich sorgfältig planen und Ziele setzen.

Da ich das wollte, also meinen Job gut machen, begann ich Ziele zu meinen besten Freunden zu machen.

Ziele formulieren macht erfolgreich und glücklich

Heute habe ich verstanden, dass Ziele essentiell wichtig sind, um ein glückliches Leben zu führen.

Jedenfalls so, wie ich Glück verstehe und für mich definiert habe.

Und jetzt der Reihe nach.

Was ist ein Ziel überhaupt? Ein Ziel ist ein angestrebter Zustand, der in der Zukunft liegt und der durch entsprechendes Verhalten erreicht werden sollte.

Ziele richten den Fokus aus

Ja das klingt ja ganz einfach und das ist es auch.

Sag, wo du hinwillst, fokussiere dich darauf, dort auch hin zu kommen und du hast deinen Kompass ausgerichtet. So einfach ist es.

Ziele zu formulieren braucht dann schon wieder etwas Übung, jedenfalls wenn man sie SMART formulieren möchte, was aus dem Projektmanagment kommt und absolut Sinn macht.

Ziele sollten SMART formuliert sein, was bedeutet das?

Das S steht für spezifisch, also genau formuliert.

Das M steht für messbar, man soll kontrollieren können, ob das Ziel erreicht wurde.

Das A steht für attraktiv, also motivierend für dich.

Das R steht für realistisch, also so gesetzt, dass du es auch erreichen kannst.

Das T steht für terminiert, also solltest du festlegen bis wann du dein Ziel erreicht hast.

Das kennen die Lehrer*innen unter meinen Lesern gut, denn so haben wir gelernt Lernziele zu formulieren. Ziele für andere festzulegen, halte ich persönlich für unsinnig. Vor allem Lernen kann ja nur der Mensch selbst. Von außen kann man nur günstige Bedingungen schaffen, aber das ist ein anderen Thema.

Zurück zum Thema Ziele setzen.

Bitte formuliere Ziele für dich, deine Arbeit, dein Team, deine Schule. Und du musst es ja nicht alleine tun, sondern gemeinsam in der erweiterten Schulleitung, mit dem pädagogischen Team und Strategieziele mit dem Vorstand.

gemeinsam formulierte Ziele geben Klarheit und wirken wie ein Windstoß im Rücken

Nur dann wirst du auch etwas erreichen und nur dann wirst du auch merken, dass du etwas erreicht hast.

Ziele schriftlich festhalten

Tue es schriftlich, denn es ist nachgewiesen, dass schriftlich formulierte Ziele sehr viel wahrscheinlicher erreicht werden.

Und jetzt wird es spannend und konkret, ich mache mal ein Beispiel für ein SMART formuliertes Ziel.

Konkretes Beispiel aus dem Kontext Schule

Vielleicht hast du das Gefühl, dass dein Team und du noch nicht so ganz am gleichen Strang ziehen und du findest es wichtig, daran zu arbeiten.

Du formulierst also folgendes Ziel:

Am Endes des Schuljahres 2020/21 haben mein Team und ich ein Wir-Gefühl.

Wir haben unsere Werte des Miteinanders in zwei Teamsitzungen im Herbst definiert.

Sie hängen für alle gut sichtbar, ansprechend gestaltet im Lehrerzimmer.

In jeder Teamsitzung sprechen wir kurz über die Umsetzung und über mögliche Herausforderungen, die wir mit der Umsetzung haben.

Viermal im Jahr machen wir eine gemeinsame Wanderung mit anschließendem Restaurantbesuch. Mindestens 50 % der Mitarbeiter*innen nehmen an dieser Wanderung durchschnittlich teil.

Die Leitung ist immer mit mindestens einer Person vertreten.

So, dann lass uns mal überprüfen, ob das Ziel tatsächlich SMART formuliert ist.

Ist dieses Ziel spezifisch? Ja, auf jeden Fall.

Ist es messbar? Ja, man kann die Agenda der Teamsitzung überprüfen, das Plakat im Lehrerzimmer sehen, die Zahlen der Teilnehmer können wir notieren und ganz konkret vergleichen mit den festgelegten Zahlen, es ist messbar.

Attraktiv? Das kann ich nicht entscheiden. Hier solltest du dir überlegen, ob das Ziel dich motiviert, also ob es positive Gefühle in dir auslöst. Und natürlich solltest du mit deinem Team über dieses Ziel sprechen und es gemeinsam mit den Menschen, die du ja zur Erreichung des Ziels brauchst anpassen, damit es für sie auch attraktiv ist.

Ist das Ziel realistisch? Ich denke schon. Zwei Teamsitzungen und vier Socialevents erscheinen mir machbar. Aber das weißt du natürlich besser und solltest es vor deiner Erfahrung mit deiner Einrichtung überprüfen.

Terminiert ist das Ziel auf jeden Fall, denn am Ende des Schuljahres 2020/21 sollte es erreicht sein. Zu diesem Zeitpunkt sollte es dann auch überprüft werden und du kannst überlegen, ob dieses Ziel nun durch ein neues Ziel ersetzt wird, oder ob du es veränderst und noch weiter daran arbeitest.

Ziele formulieren, als wären sie schon Realität

Bei meiner Arbeit mit zahlreichen Menschen in der Schule ist mir immer wieder begegnet, wie schwer es Pädagog*innen fällt die Ziele so zu formulieren, als wären sie schon eingetreten.

Deshalb möchte ich kurz erläutern, warum es so wichtig ist, das zu tun.

Vergleiche mal die beiden Formulierungen des gleichen Ziels:

– Wir werden die Inklusion auf alle Lerngruppen unserer Schule ausdehnen

– In jeder Lerngruppe unserer Schule gibt es mindestens ein Kind, das inklusiv beschult wird.

Welche Formulierung ist kraftvoller, hat mehr Zug, hin zur Zielerreichung?

Eindeutig die zweite. Genau.

Und eine kraftvolle Formulierung, die das Ergebnis bereits enthält ist sehr wichtig, denn unser Gehirn kann sehr gut mit Realitäten mitgehen, die noch gar nicht da sind, oder die es nur vermeintlich gibt. Damit du dein Gehirn als Unterstützer auf deiner Seite hast, ist eine Formulierung nötig, die ein konkretes Bild in deinem Kopf erscheinen lässt.

Das ist ein sehr kluger Trick auf den du nicht verzichten solltest.

Ziele auf jeden Fall schriftlich formulieren

Ich sage es noch einmal:

Setz dich also bitte hin und formuliere deine Ziele. Schreibe sie auf. Am besten deine persönlichen Ziele und deine berufliche Ziele.

Du lädtst damit mehr Fokus in dein Leben ein und damit auch mehr Glück.

Es macht deine Entwicklung greifbarer.

Es gibt dir das Gefühl, dass du weißt wofür du tagtäglich aufstehst.

Es gibt deinem Leben mehr und greifbareren Sinn.

Und es erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass du da ankommst, wo du hinwillst. Weil du eine Richtung einschlägst, einen Kompass einstellst, in welche Richtung dein Lebensschiff segelt.

Das ist keine neue Erkenntnis und dennoch sollten wir uns immer wieder daran erinnern und zwar nicht nur zum Jahresende, sondern regelmäßig über das ganze Jahr verteilt, immer wieder.

Deine Ziele sollten dir täglich präsent sein.

Und du solltest deine Ziele regelmäßig anpassen, zum Beispiel indem du dir viermal im Jahr ein festes Zeitfenster für das Durchchecken deiner Ziele frei hälst.

Better done than perfect

Wenn du sie aufschreibst und in einer Schublade verschwinden lässt, ist das schon besser, als dir gar keine Gedanken darüber zu machen, welche Ziele du mit deinem Leben verfolgst.

Dennoch ist eine regelmäßige Beschäftigung mit deinen Zielen gut und wichtig.

Wie wäre es mit diesem Ziel: Ich habe zum Ende des Jahres 2020 drei persönliche und drei berufliche SMARTE Ziele formuliert und sie schriftlich festgehalten?

Das wäre doch mal ein Ziel, oder?

Alles Liebe für dich und deine Zielerreichung

Sandra Schumacher

Wunder. Fliegen. Weiter.

Konflikte zwischen Schulleitung und Lehrer

Warum du Konflikte unbedingt ansprechen solltest und wie du die Eskalation verhindern kannst

Überall wo Menschen zusammen arbeiten entstehen Konflikte. Das ist etwas ganz normales und gehört zum Zusammensein mit dazu.

Ein Konflikt entsteht, wenn Menschen unterschiedliche Interessen, Meinungen oder Wertvorstellungen haben.

Konflikte sind unvermeidbar. Das WIE ist entscheidend!

Konflikte müssen, ja müssen (obwohl ich das Wort sonst gar nicht mag) angesprochen werden.

Sonst verfestigen sie sich und belasten die Atmosphäre.

Unangesprochene Konflikte können das Miteinander sogar richtiggehend vergiften.

Konflikte zwischen Mitarbeiter*innen und Führungskraft

Zwischen Mitarbeiter*innen und Führungskraft entstehen besonders gerne Konflikte.

Gründe

Gründe für Konflikte zwischen Schulleitung und Lehrer*innen gibt es unzählige.

In der folgenden Übersicht habe ich eine Liste erstellt, die einen ersten Überblick gibt.

Denkbare Gründe für Konflikte zwischen Lehrer*innen oder insgesamt dem pädagogischen Personal und der Schulleitung:

– Fortbildung wird nicht genehmigt

– verschiedene pädagogische Ansätze oder Meinungen

– fehlende Anerkennung oder das Gefühl der fehlenden Anerkennung

– zusätzliche Aufgaben sollen übernommen werden, wie zum Beispiel Vertretung oder die Organisation von Veranstaltungen

– Stundenplanwünsche werden nicht berücksichtigt, oder werden vermeintlich nicht berücksichtigt

– vermeintlich richtiges Verhalten wird kritisiert

– verschiedene Sichtweise zur Kultur des Miteinanders

– fachfremder Unterricht soll erteilt werden

– Leistungsbereitschaft des Lehrers passt nicht zu den Erwartungen der Führungskraft

– Sonderurlaub wird nicht genehmigt

Und so weiter und so weiter…

Es ist mir wichtig, Klarzustellen, dass die Schulleitung mehr Macht hat Konflikte zu beenden, als der Lehrer, oder die Lehrerin.

Das ist wichtig zu wissen und wenn man ein bisschen darüber nachdenkt ist es ja auch klar.

Wenn ich in der Hierarchie weiter oben stehe, bin ich in einer sehr souveränen Situation. Ich kann großzügig sein und auf meine Mitarbeiter*innen zugehen, ohne etwas zu verlieren, da ich generell mehr Handlungs- und mehr Entscheidungsspielraum habe.

Und jetzt kommt ein dickes ABER.

ABER nur dann, wenn ich nicht in der Einbahnstraße leite.

Was meine ich damit? Wenn ich mich nicht als der Bestimmer sehe und ich nicht täglich und ständig unter Beweis stellen muss, dass ich hier die Leitung bin und deshalb mehr weiß, als alle anderen.

DER Schnelltest für dein Leitungsverständnis

Dieses Leitungsverständnis ist antiquiert und findet man an (freien) Schulen auf keinen Fall, sagst du jetzt?

Doch, man findet es, es ist noch nicht ausgestorben und wenn du diesen Text liest und Leitung bist, habe ich einen Schnelltest für dich.

Stell dir einfach mal ganz offen und ehrlich folgende Frage: „Habe ich den Anspruch an mich die klügste Person im Raum zu sein?“

Wenn du jetzt nein sagst, natürlich nicht, ich verstehe den Kontakt mit anderen Menschen als Austausch und Bereicherung. Wir wachsen zusammen. Mal weiß ich mehr und mal weiß der andere mehr. Meine Leitungsrolle ist eine Funktion. Sie gibt mir andere Verantwortungen. Sie bedeutet überhaupt nicht, dass ich auf jede Frage eine Antwort haben muss. Dann gratuliere ich dir zu deinem differenzierten und respektvollen Leitungsverständnis.

Wenn du aber denkst, ja ich habe tatsächlich diesen Anspruch, jedenfalls ab und zu. Ich baue mir als Leitung diesen Druck selbst auf. Dann bitte ich dich das einfach nur wahrzunehmen und freundlich mit dir selbst zu sein und es anzuerkennen. Im nächsten Schritt kannst du es ja gerne ändern, wenn du das möchtest.

Ein Konfliktbeispiel

Und nun zu einem konkreten Konfliktbeispiel. Beispiele machen ein Thema einfach greifbarer. Ich habe es sehr ausführlich beschrieben, um wirklich die kompletten Konfliktebenen herauszuarbeiten:

Eine Schulleiterin, die ich coache erzählte mir von ihrem größten Konflikt mit einem ihrer Lehrer. Er liegt schon einige Jahre zurück und beschäftigt sie immer noch.

Folgendes ist vorgefallen: Die Schulleiterin besuchte den Unterricht dieses Lehrers.

Das ist etwas ganz normales und gehört zu ihrem Job.

Der Unterricht war nicht besonders toll. Der Lehrer sprach zu viel, die Einführung des Themas war viel zu lang und die Übungen waren zu wenig differenziert und vom Niveau her viel zu schwer.

Im anschließenden Reflektionsgespräch lobte die Schulleiterin die Beziehung des Lehrers zu den Schülern, die positive Arbeitsatmosphäre und die angenehme Lehrerpersönlichkeit des Kollegen.

Alle drei Aspekte fand sie aus ehrlichem Herzen heraus gut an dem Kollegen und dieser freute sich sehr.

Er fühlte sich von seiner Vorgesetzten gesehen und fing dann selbst damit an, seinen Unterricht zu analysieren.

Dabei deckte er fast alle kritischen Punkte auf, die die Schulleiterin auch beobachtet hatte und machte selbst Verbesserungsvorschläge.

Die Schulleiterin ergänzte ein wenig, musste aber eigentlich gar nicht mehr viel sagen.

Das Gespräch war sehr angenehm, die Beziehung zwischen den beiden wurde durch das Gespräch gestärkt und die Schulleiterin ging gut gelaunt zu ihrem nächsten Termin.

Sie war sehr zufrieden mit der Reflektionsfähigkeit des Lehrers und war durch das Gespräch zu der Überzeugung gelangt, dass der Lehrer tatsächlich bereit und auch in der Lage war, seinen Unterricht zukünftig zu verbessern und ein weiteres Beratungsgespräch war schon vereinbart.

Also alles erst einmal gut so weit. Kein Konflikt in Sicht.

Zwei Tage später bereitete die Schulleiterin eine Gesamtteamsitzung vor, an dem alle Lehrer*innen und sonstigen pädagogischen Mitarbeiter der Schule teilnehmen würden. Das waren um die 60 Personen.

Zum besseren Verständnis ist es wichtig zu wissen, dass gerade eine sehr zeit-und arbeitsintensive Stundenplanumstellung durch die Schulleiterin für die ganze Schule erfolgt war, weil sich die Lehrer*innen seit Jahren mehr Zeit am Stück für die Freiarbeit und das selbstorganisierte Lernen gewünscht hatten.

Sie beschloss also das Beispiel, dass sie im Unterricht des Lehrers vor zwei Tagen beobachtet hatte, aufzugreifen, weil ihr in den letzten zwei Tagen immer wieder voll Beunruhigung in den Kopf geschlossen war, dass vielleicht noch mehr Kolleg*innen ihren Unterricht so zeitineffizient gestalten und darin der eigentliche Grund für das ständige Gefühl der Pädagog*innen lag, zu wenig Zeit zu haben. Sie wollte den Unterricht vorstellen als ein Beispiel für schlechte Zeitnutzung.

Sie nahm also das Unterrichtsbeispiel auf die Agenda und bereitete mehrere Tipps vor, die leicht umsetzbar waren und den Lehrer*innen helfen würden den Kindern mehr Selbständigkeit beim Lernen zu geben.

Das war der Schulleiterin sehr wichtig und sie war sehr zufrieden mit ihrer Vorbereitung und freute sich richtig auf den Austausch mit ihrem Team.

Die Teamsitzung verlief dann aber ganz anders als gedacht.

Als die Schulleiterin das Beispiel erzählte nannte sie keinen Namen, doch als der Lehrer mitten rein fragte, ist das mein Unterricht, den du da als Beispiel anführst, bejahte sie das.

Mit hochrotem Kopf und knallender Tür verließ der Lehrer die Schulaula, in der das Treffen stattfand. Bevor er den Raum verließ schrie er mit sich überschlagender Stimme folgenden Satz in Richtung der Schulleiterin: „Gerade wenn man meint, es wird besser, wird man hier in die Pfanne gehauen.“

Perplex und tief berührt hielt die Schulleiterin inne.

Was war passiert?

Was hatte sie verpasst? Warum war er so abgerauscht?

Die Luft knisterte vor Unbehagen. Die Kolleg*innen rutschten unruhig auf ihrem Stuhl, keiner fühlte sich mehr wohl. Die Schulleiterin klärte noch ein paar organisatorische Dinge und beendete dann die Sitzung 30 Minuten früher als geplant. Heute war keine Diskussion möglich. Zum Abschluss sagte sie noch „Es tut mir sehr leid, dass das passiert ist, ich wollte den Kollegen nicht bloß stellen. Ich hoffe, dass ihr mir das glaubt.“

Was war passiert?

Sach- oder Beziehungskonflikt?

Man kann grundsätzlich zwei Konfliktarten unterscheiden: Den Sachkonflikt, in dem es um eine sachliche Meinungsverschiedenheit geht und den Beziehungskonflikt, der die Beziehung zum Thema hat.

In diesem Beispiel handelt es sich sicher um einen Beziehungskonflikt.

Denn von der Sache her kann man der Schulleiterin wenig Vorwürfe machen. Denn in der Sache, dass der Unterricht nicht optimal vorbereitet und durchgeführt war, waren sich Lehrer und Leitung ja einig.

Doch was war passiert?

Denke ruhig kurz darüber nach und fühle dich in die beiden Konfliktpartner, den Lehrer und die Schulleiterin ein. Gehst du mit einem der beiden in Ressoanz? Kannst du also eine Seite mehr verstehen als die andere? Warum ist das so? Denke auch mal über folgendes nach:

Wie könnte man nun diesen Beziehungskonflikt lösen?

Und wessen Aufgabe ist das? War der Lehrer nicht einfach etwas überempfindlich? Solle er sich nicht so anstellen? Oder wie könnte die Schulleiterin nun respektvoll mit dem Kollegen umgehen und wie könnte sich das ganze Kollegium, das ja Zeuge der ganzen Situation geworden war, sich positionieren? Oder besser raushalten? Ist das überhaupt möglich, wenn man doch bei so einem massiven Gefühlsausbruch mit dabei war?

Die 9 Konfliktstufen (nach Friedrich Gasl, Konfliktforscher)

Eine gute Gelegenheit die verschiedenen Konfliktstufen (nach dem Konfliktforscher Friedrich Glasl) an diesem Beispiel zu betrachten.

Der Ausbruch des Kollegen war die Stufe 1: Verstimmung, es kam zu Irritationen und zu Spannungen. In Stufe 2 kommt der Konflikt auf den Tisch. Es kommt zu einem offenen Streit. In diesem liegt die Chance den Konflikt zu lösen, wenn es gelingt eine konstruktive Auseinandersetzung zu führen. Das könnte ein offenes Gespräch zwischen dem Lehrer und der Schulleiterin sein, indem der Lehrer seine Bedürfnisse und Erwartungen offen liegt und die Schulleiterin offen und verständnisvoll zuhört.

Der Konflikt kann aber auch weiter eskalieren, wenn die Beteiligten sarkastisch werden, sich gegenseitig Vorwürfe machen oder zynisch werden.

Oder der Konflikt wird unter den Teppich gekehrt und eben nicht auf den Tisch gepackt. Es findet also kein klärendes Gespräch statt. Sondern man geht sich aus dem Weg und wenn man sich trifft bagatellisiert man die Sache „War nicht so wild“. Wenn das passiert und also die 2. und/oder die 3. Stufe übersprungen wird, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass der Konflikt zu einem späteren Zeitpunkt eskaliert. Zum Beispiel beim nächsten Konflikt, der mit dem ersten gar nichts zu tun haben muss.

Die 3. Stufe ist die der Taten statt Worte. Man geht wie gesagtder Auseinandersetzung aus dem Wege, macht Alleingänge und spricht sich nicht miteinander ab, obwohl das der gute Weg wäre.

In der 4. Stufe werden Koalitionen gebildet. Um sich psychisch zu entlasten, sucht man sich Verbündete. In unserem Beispiel wären das vielleicht die Kollegen, die nun gewollt oder ungewollt in den Konflikt hineingezogen werden. Die negativen Eindrücke werden gegenseitig ausgetauscht und verstärkt. „Fandest du es auch unmöglich, dass die Schulleiterin meinen Unterricht als schlechtes Beispiel vor allen ausgebreitet hat. So lasse ich nicht mit mir umgehen. Das findest du doch auch, oder?“

Hier hat die Schulleiterin schon etwas vorgebaut mit ihrem erklärenden und sich entschuldigenden Abschlusssatz in der Konferenz, aber ob das ausreicht spätere Allianzen zu verhindern, liegt daran, wie gut und damit wie belastbar die einzelnen Beziehungen der Schulleiterin zu den anderen Lehrer*innen ist. Ist sie zum Beispiel neu in ihrem Job und hatte noch nicht genügend Zeit zum Aufbau von persönlichen Beziehungen, hat sie weniger Chancen, als wenn sie schon 10 Jahr oder so Schulleiterin ist.

Danach beginnt die 5. Stufe. Die Stufe des Gesichtsverlusts, bzw. des Gegenangriffs. Nachdem man sich jetzt durch die Gewinnung von Verbündeten Rückendeckung geholt hat und damit das eigene Selbstbewusstsein gestärkt ist, legt man es darauf an das „wahre Gesicht“ des Gegenübers oder auch Gegners (auch wenn ich dieses Wort nicht gerne benutze, empfinden sich die Konfliktbeteiligten in dieser 5. Eskalationsstufe sicher eher als Gegner, als als einfache Gegenüber).

Man meint das wahre Gesicht des Gegners zu kennen und möchte, dass alle im Umfeld das auch zu sehen bekommen und begreifen, mit wem man es hier zu tun hat. „Der Lehrer ist so empfindlich, das wusste ich schon immer und ich habe noch mehr Beispiele, wo er wie ein kleines Kind rausgerauscht ist.“ oder aus Sicht des Lehrers: „Die Schulleiterin hat kein Gespür für Menschen. Sie bügelt über die Gefühle der Kollegen hinweg. Sie ist machthungrig und kalt.“ Hier reicht eine Entschuldigung nicht mehr aus. Die Verletzungen sind tief, das Vertrauen stark erschüttert.

Stufe 6 ist die Ultimatum-Stufe. Der Konflikt ist jetzt so eskaliert, dass mit aller Macht eine Veränderung herbeigeführt werden muss. Man hält es kaum noch aus. Zu diesem Zweck werden Ultimaten und Drohungen gestellt. „Drastische Konsequenzen werden folgen, wenn meine Forderungen nicht erfüllt werden.“ Ist ein für diese Stufe typischer Satz. Man schaukelt sich weiter gegenseitig hoch. Es kommt aber zu keiner Lösung. Der Lehrer könnte zum Beispiel damit drohen den Eltern der Schule mal zu erzählen was für eine Schulleiterin die Schule so hat. Die Verhältnismäßigkeit ist überhaupt nicht mehr gegeben.

Die Stufen sind nicht klar zu trennen und gehen ineinander über. In Stufe 7 werden nun gezielte Vernichtungsschläge eingesetzt. Das kann in Form von Worten geschehen, wie zum Beispiel dem ausstreuen vonGerüchte, oder in Form von physischer Gewalt. Zunächst gegen Dinge, es werden zum Beispiel Unterlagen vernichtet oder Reifen aufgeschlitzt.

Und nun kommen wir (endlich) zu den beiden letzten Stufe der Eskalation eines Konflikts und zwar der Zerstörung des gegnerischen Systems. Es ist eine Verschärfung der 7. Stufe und auch die Familie und Freunde des Gegners werden in die Vernichtungsabsichten einbezogen. Auf dieser Stufe kommt es zu Behinderungen, zu offenen Sabotagen und zu frontalen Angriffen.

Die 9. und letzte Stufe ist die „Gemeinsam in den Abgrund“-Stufe. Es geht nur noch darum den Anderen zu zerstören. Auch wenn man selbst dabei Schaden nimmt.

So, das sind die neun Konflikt-Eskalationsstufen nach Friedrich Glasl.

Puh, ganz schön schrecklich. Das wünscht man niemanden und deshalb lohnt es sich mit diesem „Horrorszenatio“, das nur Verlierer hat im Hinterkopf, sich intensiv der Konfliktlösung zu widmen.

Die Konfliktlösung

Kommen wir nun zur Konfliktlösung.

In den Stufen 1-3 ist eine Win-Win- Lösung möglich. Das heißt es kann eine Lösung gefunden werden, die beiden Seiten nutzt und bei der die Interessen beider Seiten berücksichtigt werden können.

In den Stufen 4-5 entsteht eine Win-Lose-Lösung. Das heißt jetzt ist eine einvernehmliche Lösung nur schwer möglich. Die Wahrung der Interessen beider Seiten ist kaum zu schaffen. Meistens setzt sich eine Partei durch, auf Kosten der anderen.

Der Einsatz eines neutralen Vermittlers ist sinnvoll.

Auf den Stufen 7-9 kommt es zu einer Lose-Lose-Lösung. Beide Parteien müssen also Federn lassen.

Auch ein neutraler Vermittler kann wenig ausrichten, wenn die Parteien nicht an einer gemeinsamen Lösung interessiert sind.

Die einzige Möglichkeit, die noch besteht ist dass eine Macht von außen die Klärung herbeiführt (zum Beispiel ein Gericht).

So, was bedeutet das jetzt für den Kontext Schule?

Lieber abwarten und Tee trinken?

Je früher man den Konflikt erwischt und löst, desto schneller, leichter und positiver ist er zu lösen.

Konflikttheorie

Noch eine kleine Ergänzung, damit ich die Theorie vollständig dargelegt habe:

Es muss nicht bei jedem Konflikt jede Stufe durchlaufen werden.

Die Stufen sind nicht scharf voneinander zu trennen. Sie gehen oft ineinander über.

Die Konfliktpartner können in ganz unterschiedlichen Stufen sein.

Unausgesprochene Konflikte brodeln, wie ein Vulkan…

Grundsätzlich ist es wichtig Konflikte auszutragen und zwar konstruktiv und respektvoll.

Es gibt Untersuchungen, die belegen, dass unausgetragene Konflikte zu einem starken psychischen Ungleichgewicht führen können. Sie schwelen in der Person oder zwischen zwei Personen und vergiften die Atmosphäre.

Das Klima des Miteinanders ist entscheidend

Ein Klima des Respekts, des Verständnis und der Akzeptanz sind zentral. Sie sind der Boden, auf dem Konflikte gut angesprochen und gelöst werden können.

Und eine sehr gute Kommunikationsfähigkeit ist hilfreich. Die integrierend, anerkennend und empathisch ist.

Drei wichtige Grundsätze

Folgende drei Grundsätze sollte die Schulleiterin in unserem Beispiel unbedingt beachten, wenn sie das klärende Gespräch mit ihrem Lehrer vorbereitet:

Die Einladung zum Gespräch soll schriftlich erfolgen. Die Email sollte eine klare Zielformulierung enthalten, gerne mit einer Ich-Aussage: „Mir ist es wichtig, mir ganz in Ruhe deine Sichtweise anzuhören und zu verstehen….“ Damit fühlt sich der Lehrer gesehen und respektvoll behandelt. Sie könnte ihm auch anbieten eine Vertrauensperson zur Unterstützung mitzubringen, falls ihm das gut täte.

Wertschätzung und Achtsamkeit

Achtsamkeit und Wertschätzung

Wertschätzung und Achtsamkeit sind die beiden Schlüsselwörter für Beziehungskonflikte. Wenn der Lehrer in unserem Beispiel in Selbstliebe, Selbstvertrauen und Selbstachtung geschwommen wäre, wenn er in diesen drei Themen richtig aus dem Vollen hätte schöpfen können, hätte er in der Konferenz mit den Schultern gezuckt und gesagt: „Na toll, das bin ich, das ist mein Unterricht, den die Schulleiterin hier beschreibt. Als Negativbeispiel für schlechtes Zeitmanagement im Unterricht. Toll. Naja, es stimmt ja, da habe ich noch einen Weg zu gehen, um ein positives Vorbild zu werden.“

Emotionale Ausbrüche sind Selbstschutz

Dass er so emotional explodiert ist, bedeutet, dass er sich selbst sehr wenig Wertschätzung und Achtsamkeit entgegengebracht hat.

Er hätte es von außen gebraucht.

Das Gegenteil war aus seiner Sicht passiert. Er hatte keine Wertschätzung und Achtsamkeit von seiner Schulleiterin bekommen und er war in einen Verteidigungsmodus gefallen. Nichts anderes war sein Ausbruch.

In einer perfekten Welt voller Selbstliebe und Selbstachtung, müsste man sich nicht so verteidigen

Da wir nicht in einer perfekten Welt leben, in der alle unsere Bedürfnisse jederzeit und immer erfüllt sind und wir uns selbst so wertschätzen, wie wir es brauchen würden, ist es wichtig um diese Zusammenhänge zu wissen. Dann kann man sich entsprechend verhalten.

Das meine ich nicht als Entschuldigung. Der Lehrer, um diese Berufsbezeichnung zu verdienen, sollte sich unbedingt selbst reflektieren und sich ebenfalls entschuldigen. Bei seiner Schulleiterin und bei seinem Kollegium. Das wäre respektvoll und achtsam.

Konflikte als Chance

Kann man denn nun Konflikte als Chance sehen und sie sogar nutzen, um die Beziehung zu stärken?

Ja, das geht tatsächlich.

In unserem Beispiel könnte die Schulleiterin sich betroffen zeigen davon, dass das Pflänzchen des Vertrauens zwischen ihr und ihrem Kollegen, das durch den so positiv verlaufenen Unterrichtsbesuch entstanden war, so schnell wieder ausgerissen wurde.

Sie könnte sich von Herzen entschuldigen und fragen, was der Kollege von ihr brauchen würde, um wieder Vertrauen zu fassen. Sie könnte ihm aktiv zuhören und ihm mit dem Spiegeln seiner Aussagen zeigen, dass sie verstanden hat, was er in diesem Moment fühlte.

Der Lehrer hingegen könnte sich genauso entschuldigen. Er könnte anerkennen, dass die Schulleiterin überhaupt keine schlechte Absicht hatte. Sie wollte ihn nicht vorführen. Sie wollte nur etwas rausarbeiten, was sie für die Schule insgesamt sehr wichtig fand.

Wäre es für beide okay, das nächste Mal vorher darüber zu sprechen und die Sitzung gemeinsam vorzubereiten?

Was brauchen nun die anderen Kollegen, um wieder beruhigt zum Alltag zurückzugehen? Sollte man gemeinsam vor der nächsten Sitzung etwas zu den Kollegen sagen, zum Beispiel: „Wie konnten das gut miteinander klären, wir haben….?“

Meiner Erfahrung nach möchte kein Mensch in einem Konflikt verharren, schon gar nicht Vorgesetzte und Mitarbeiter. Das macht einfach keinen Spaß.

Win-Win-Lösungen als Ziel

Deshalb lohnt es sich früh aktiv zu werden und in die Win-Win-Lösungen sollten wir unsere komplette Energie setzen.

Prävention für Konflikt-Eskalation

Und die beste Prävention für eskalierende Konflikte ist ein guter Kontakt zu sich selbst, Selbstliebe und Selbstaufmerksamkeit, Achtsamkeit und Werrtschätzung sich selbst gegenüber.

Selbstvertrauen und Selbstliebe

Das macht uns so unabhängig von den Menschen um uns rum. Die uns gar nichts Böses wollen. Deshalb müssen wir uns auch nicht verteildigen, sondern können unsere unterschiedlichen Meinungen als Bereicherung begreifen. Wow, das ist ja toll!!!

Schreib gerne in die Kommentare deine Anmerkungen, Erfahrungen, Beispiele. Vor allem deine Lösungserfahrungen würden mich sehr interessieren.

Wir sind in der Schule ja schließlich ein Beispiel für die Kinder und Jugendlichen und im Konfliktfall ein gutes Vorbild.

Nicht weil wir Konflikte vermeiden, sondern weil wir sie positiv und lösungsorientiert gestalten und sie nutzen, um unsere Beziehungen zu stärken.

Sandra Schumacher

Wunder. Fliegen. Weiter.

Das Erfolgsrezept eines Montessori-Schulleiters

Rocco Spirziola

Ich führte mit Rocco Sbirziola, Schulleiter der Montessori-Schule Eggenfelden ein sehr spannendes Gespräch über seinen Lebenssinn und sein Erfolgsrezept als Schulleiter

Rocco Sbirziola ist für sein Kollegium da und packt die Probleme deutlich an. Er setzt auf eine klare Erwartungshaltung.

Rocco Spirziola hat einen sehr feinen Humor. Am liebsten lacht er über sich selbst.
Rocco Spirziola hat einen sehr feinen Humor. Am liebsten lacht er über sich selbst.

Er braucht die Freundschaft der Kollegen nicht, freut sich aber darüber

Rocco Spirziola sagt: „Ich brauche die Freundschaft der Kollegen nicht. Ich brauche ihre Bereitschaft, ihre Kompetenzen und ihre kompromisslose pädagogische Hingabe für die Sache. Und die Sache sind meine Kinder. Die Schule braucht Berufung. Wir brauchen keine Söldner“.

Wichtig ist ihm der Respekt seiner Mitarbeiter, den er an seiner Leistung als Schulleiter und an der Leistung der Pädagogen festmacht.

Die Schülerinnen und Schüler haben es verdient, dass wir unser absolut Bestes geben und unsere Arbeit immer weiter professionalisieren. Dann können wir uns auf die Pädagogik konzentrieren und haben die gegenseitigen Erwartungen klar.

Die Schule hat ein sehr schönes Außengelände
Die Schule hat ein sehr schönes Außengelände

Das klärt vieles.

Als er der neue Schulleiter war, verließen in den ersten beiden Schuljahren 21 Pädagog*innen die Schule. Aus den verschiedensten Gründen.

In diesem Jahr, dem dritten Jahr, konnte er zum ersten Mal die Fluktuationsrate sehr stark senken. Nur eine Pädagogin verließ die Schule.

Alle sind geblieben, denn sie arbeiten gerne in dieser Schule, die so klar geführt wird und wo die klare Devise lautet: Der Mensch steht im Mittelpunkt.

Auf die Frage, wie er das geschafft habe, antwortet Herr Sbirziola mit sehr inspirierenden Worten. Man spürt seine tiefe Verbundenheit mit seiner Aufgabe als Schulleiter und die Sinnhaftigkeit sieht er in der wichtigen gesellschaftlichen Aufgabe, die er mit der Arbeit mit den Kindern verbindet.

In der pädagogischen Arbeit mit der nachwachsenden Generation liegt in seinen Augen tiefer Sinn und Kreativität.

Er betrachtet seine Aufgabe als wichtig für die gesamte Gesellschaft und als sinnvoller Einsatz seiner Lebenszeit.

Herr Sbirziola hat seiner Arbeit in der Wirtschaft den Rücken zugewandt.

Für weniger Gehalt leitet er jetzt mit Herzblut seine reformpädagogische Schule. Das Montessori-Diplom wird er erst im April 2020 abschließen.

Ein Lebensweg mit Kurven: von der Pädagogik in die Wirtschaft und wieder zurück

Begonnen hat er mit dem Studium in Mailand in Rechts-, Staats- und Politische Philosophie. Nach der italienischen und deutschen Lehrbefähigung für die Sek.I und II, absolvierte er einen Master in Bildungsmanagement, einen in Schulmanagement, einen in interkultureller Pädagogik. Nach einer 5 Jährigen Schulleitungserfahrung an einem italienischen Gymnasium, absolviert er einen MBA in General Management und ein Zertifikat in Business Coaching. Folgen die erwarteten Ausbildungen für Montessori – Bildungskräften und die Montessori Ausbildung. Jahrelang war Rocco Sbirziola Zulieferer in Personalentwicklung bei Audi.

Situationsanalyse statt sofortige Veränderung

Statt zu agieren nahm er sich volle sechs Monate Zeit, um die Situation an der Montessori-Schule Eggenfelden zu analysieren.

Dabei konzentrierte er sich auf die Bereiche Organisation, auf das Personal und auf die Lernprozesse. Er beobachtete intensiv und saugte den Iststand der Schule förmlich in sich auf.

Dann erst stieg er ein, die Prozesse der Schule zu verbessern und mit einer hohen persönlichen Präsenz die Schule hin zu einer fundierten Qualität zu führen.

Wie setzt er nun seine Erfahrungen aus der Wirtschaft zur Personalführung in einer Schule um?

Ist das überhaupt vergleichbar?

Die Herangehensweise ist aus meiner Sicht beispiellos für den schulischen Kontext. Die meisten Schulleiter*innen steigen mit pädagogischem Hintergrund in diese Leitungsrolle auf und müssen die Managmentfähigkeiten erst nachlernen.

Rocco Sbirziola begann seinen beruflichen Weg bei der Pädagogik, ging über die Wirtschaft und kam zur Pädagogik zurück.

Es sitzt mir ein spannender Mensch gegenüber mit einem interessanten Lebensweg, dessen Schlangenlinien zu einer besonderen unnachahmlichen Kombination geführt haben.

Diese Kombination ist sehr wertvoll für seine Arbeit als Schulleiter und für seine Vorbildfunktion als lebenslanger Lerner.

Herr Sbirziola geht an die Aufgabe der Führung des pädagogischen Personals mit folgender unternehmensethischen Fragestellung heran:

„Können pädagogische Arbeitsprozesse bzw. Lernprozesse in einer Bildungsinstitution so gestaltet werden, dass der Mensch ein gutes und sinnvolles Leben führt, seine Lebensgrundlagen sichert und seine Lebenschancen erweitert, ohne dass die regionale/lokale Wettbewerbsfähigkeit in der eigenen Schullandschaft verloren geht, ohne dass auf die Förderung einer Motivation und Hochleistungskultur in der Organisation-Schule verzichtet wird und ohne dass pädagogische und ethische Prinzipien sich gegen den ökonomischen Effizienzgesichtspunkt wenden werden?

Jede Frage zur Personalführung und -entwicklung wird auf der Basis dieser Fragestellung beantwortet.

Das Beispiel Arbeitszeit

Das lässt sich gut am Beispiel der Arbeitszeit konkretisieren.

Wenn Schule sich an die traditionelle Arbeitszeit der Lehrer hält und die Ferien komplett frei sind, arbeitet der Lehrer in den Schulwochen deutlich über der Vollzeit.

Herr Sbirziola verteilt diese Zeit auf 13 verpflichtende Anwesenheitstage im Jahr für Fort- und Weiterbildung. Diese werden bereits am Schuljahresbeginn geplant und können so in die Familienplanung der Lehrkräfte gut einfließen. In den Schulwochen entspannt sich die zeitliche Situation, was vor allem für Lehrkräften mit kleinen Kindern sehr hilfreich ist.

Für die konzeptionelle Weiterentwicklung des Schulkonzepts und die gemeinsame Weiterbildung des Kollegiums ist ausreichend Zeit vorhanden, die Arbeit wird gerecht auf den Schultern aller verteilt.

Ich könnte noch viel schreiben über diese inspirierenden Stunden mit Rocco Sbirziola.

Zusammenfassend hat mich sein unternehmerisches Denken sehr beeindruckt. Schule betrachtet er als „Human“- unternehmen, das die Überschüsse, die es erwirtschaftet komplett in die Weiterentwicklung reinvestieren kann und muss.

Der Fehler als Freund des Schulleiters

Herr Sbirziola hat eine klare Leitungspersönlichkeit und spricht über seine eigenen Fehler und Schwächen offen, konstruktiv und humorvoll. Es ist ihm selbstverständlich Leistungskriterien zuerst bei sich selbst anzulegen und erst im zweiten Schritt bei seinem Kollegium. Er tritt klar und stark für die Interessen seiner Montessori-Schule ein und hat klare pädagogische Maßstäbe. Damit legt er großen Wert auf eine zeitgemäße, internationale und menschenorientierte (und nicht dogmatisch orientierte) Montessori-Pädagogik.

Eine sehr schöne Schule mit einem großzügigen Außengelände.
Eine sehr schöne Schule mit einem großzügigen Außengelände.

Die Montessori-Schule Eggenfelden ist eine sehr ansprechende und ästhetisch gut gelungene Lernumgebung für 220 Schülerinnen und Schüler und 80 Kinderhaus-Kinder.

Das verdankt sie vielen Akteuren. Vor allem die Schulgründer und die Gründungsschulleitung möchte ich hier deutlich erwähnen.

Sandra Schumacher interviewt Rocco Spirziola in seinem Schulleiterbüro.
So ernst, wie das auf dem Foto aussieht, war das Gespräch gar nicht.
Sandra Schumacher interviewt Rocco Spirziola in seinem Schulleiterbüro.
So ernst, wie das auf dem Foto aussieht, war das Gespräch gar nicht.

Seit drei Jahren wirkt ein sehr inspirierender Schulleiter Rocco Sbirziola in dieser Schule.

Und ich freue mich sehr, dass er sich die Zeit für unser ausführliches Gespräch genommen hat.

Sandra Schumacher

Schulinnovatorin und -beraterin

Wunder. Fliegen. Weiter.

Inklusion in der Schule – eine unverzichtbare Herausforderung

Was bedeutet Inklusion überhaupt genau und warum ist sie für die Schule unverzichtbar?

Ich habe als Schulleiterin eine inklusive Ganztagesschule aufgebaut und berichte in diesem Blogpost über meine Erfahrungen zur Inklusion.

Was ist Inklusion überhaupt?

Inklusion bedeutet, dass jeder Einzelne das Recht hat zur Gemeinschaft aller zugehören.

Es ist gut, normal und bereichernd verschieden zu sein.

Verschieden auszusehen, verschieden zu sprechen, verschiedenes zu können, verschiedenes zu mögen und sich unterschiedlich zu verhalten.

Inklusive Pädagogik

Inklusive Pädagogik ist ein pädagogischer Ansatz, dessen wesentliches Prinzip die Wertschätzung und Anerkennung von Diversität in Bildung und Erziehung ist.

Das Recht auf Inklusion

Und Inklusion ist ein Recht, das die UN-Behindertenrechtskonvention festgeschrieben hat. Deutschland hat diese Konvention unterschrieben und sich folglich dazu verpflichtet, behinderten Menschen Selbstbestimmung, Teilhabe und Gleichstellung zu gewähren.

Für die Schule bedeutet das, dass ein Kind mit Behinderung auf die allgemeine Schule gehen darf. Dass es durch die Behinderung nicht ausgeschlossen wird.

Dass alle Kinder zusammen lernen und die Diversität, das Verschiedensein die Normalität ist.

Wann ist es gelungen, dass alle Kinder zusammen leben und lernen?

Es ist gelungen, wenn die Neugierde den anderen kennen zu lernen, die Irritation über das Anderssein schlägt.

Es ist gelungen, wenn die Kinder sich freuen über die andere Sichtweise, weil sie die Bereicherung für ihr Leben spüren.

Es ist gelungen, wenn Kinder ihren Eltern erklären, was die Behinderung des neuen Kindes in der Lerngruppe ist, weil diese zu kennen zur Vorstellung des anderen dazugehört und zwar wertfrei.

Es ist gelungen, wenn Kinder sagen dürfen, dass sie die Behinderung doof finden.

Es ist gelungen, wenn wir dankbar für die Gemeinschaft sind und jeder wichtig ist.

Es ist gelungen, wenn nicht mehr die Behinderung, sondern der Mensch wichtig ist.

Es ist gelungen, wenn Eltern behinderter Kinder sich nicht wie Außerirdische fühlen, sondern genauso zur Schulgemeinschaft gehören, wie alle anderen auch.

Es ist gelungen, wenn die Freude des Zusammenseins die Angst vor dem „lernt mein Kind genug“ überflügelt.

Es ist gelungen, wenn uns die Behinderung gar nicht mehr auffällt, weil Verschiedensein tatsächlich normal für uns ist.

Grundlagen und Rahmenbedingungen

Damit diese Vision wahr wird, braucht es einige Grundlagen und Randbedingungen in der Schule.

Ich selbst habe eine inklusive Ganztagesschule, die nach den Prinzipien von Maria Montessori arbeitet aufgebaut und möchte erzählen, was mich diese Erfahrung gelehrt hat zum Thema Inklusion.

Eine Montessori-Schule muss nach meiner Meinung inklusiv arbeiten, das legt schon ihr Selbstverständnis fest.

„Der Weg, auf dem die Schwachen sich Stärken, ist der gleiche wie der, auf dem die Starken sich vervollkommnen.“

DAS Zitat von Dr Maria Montessori zum Thema Inklusion.

Zentrale Werte

Die Werte Akzeptanz, Wertschätzung, Respekt, Toleranz und Entwicklung sind zentral. Diese Werte sind die Grundlage für inklusive Pädagogik.

Die Pädagog*innen haben diese Werte verinnerlicht und leben nach ihnen. Oft sind sie der Grund, warum sie sich gegen die Arbeit an einer staatlichen Schule entschieden haben.

So viel zur Theorie.

Der Teamprozess

In der Praxis habe ich erlebt, dass es sehr wichtig ist einen Teamprozess zu gestalten, indem sich die Pädagog*innen bewusst dafür entscheiden den Weg der inklusiven Beschulung zu gehen.

Dieser Prozess der aktiven Umgestaltung einer Montessori-Schule in eine inklusive Montessori-Schule dauert, da er eine Teamentwicklung umfasst.

Es sollte sich ein stabiles Team bilden, das das Ziel der Inklusion mit vollem Herzen bejaht.

Erst dann kann die Schule sich inklusive Schule nennen.

Die Werte der inklusiven Pädagogik sind bei jedem einzelnen Teammitglied verinnerlicht und optimalerweise wird diese Arbeit als Bereicherung erlebt. An meiner Schule hat das ca. fünf Jahre gedauert.

Welche Grundsätze sind elementar für die inklusive Pädagogik?

Eine Montessori-Schule arbeitet ohne Noten und in der Altersmischung. Jedes Kind lernt auf dem Niveau, auf dem es gerade ist. Lernen passiert bewegungsorientiert und vom Konkreten zum Abstrakten.

Jeder einzelne dieser Punkte ist elementar für das Gelingen einer inklusiven Pädagogik.

Wenn wir davon ausgehen, dass jedes Kind bezogen auf Lerntempo, Lernzeitpunkt und Lernmaterial unterschiedliches brauchen, dann richten wir die Lernumgebung so ein, dass es viele verschiedene Angebote gibt. Das ist ganz selbstverständlich. Das kommt der inklusiven Pädagogik entgegen.

Vielleicht braucht ein Kind mit einer speziellen Behinderung, zum Beispiel einer Sehbehinderung weiteres Material, das auf die Bedürfnisse dieses Kindes zugeschnitten ist.

Bitte keine Sonderstellung

Doch die Grundhaltung, dass verschiedene Kinder verschiedenes Material brauchen, ist bereits vorhanden. Damit ist der Boden bereits vorbereitet und die „Sonderstellung“ des behinderten Kindes, von der wir ja nach und nach wegwollen, entsteht erst gar nicht. Das ist richtig gut und wichtig.

Spannend ist auch, dass das „spezielle Material“ im Alltag gerne von vielen Kindern benutzt wird und auch deren Lernen prima unterstützt.

Inklusion als echte Bereicherung!

Ohne das behinderte Kind wäre wir gar nicht auf diese Idee gekommen! Wie wunderbar! Wie bereichernd.

Ich habe auch erlebt, dass zum Beispiel die Gebärden, die für ein nichtsprechendes Kind an die Lerngruppenwände gehängt wurden von vielen Kindern hilfreich gefunden wurden und auch von ihnen benutzt wurden. Ganz losgelöst vom nichtsprechenden Kind hingen diese noch im Raum, als das Kind schon in einer höheren Lerngruppe war oder die Schule verlassen hatte.

Wie schafft man es aus einem pädagogischen Team ein inklusiv denkendes pädagogisches Team zu machen?