Bewerbungsgespräche, die eine fundierte Entscheidung von beiden Seiten ermöglichen mit dem Test „Sind wir als Schule zukunftssicher?“

Stell dir vor, du führst ein Bewerbungsgespräch und es macht richtig Spaß.

Es fühlt sich mehr wie ein lockeres Treffen unter Freunden an und geht auch in die Tiefe. Ihr lernt euch kennen auf einer Ebene, die eine vertrauensvolle Basis legt, die eine erste Begegnung unter vielen weiteren Begegnungen ist. Ihr lacht miteinander und teilt eure Visionen, Träume und Wünsche.

Und wenn ihr dann zusammenarbeitet, trägt euch diese erste Begegnung, weil ihr bereits Vertrauen aufgebaut habt.

Das Bewerbungsgespräch lässt euch eine bewusste Entscheidung füreinander treffen.

Und es ist der „First Cut“ . Ich erinnere mich an alle meine Bewerbungsgespräche, auch wenn schon Jahre vergangen sind. Dieser „First Cut“ lässt uns besonders aufmerksam die Atmosphäre schnuppern. Natürlich spricht man auch über Zahlen, Daten, Fakten. Doch was dieses Gespräch so richtig tragend macht, ist, wenn die spätere Arbeitsatmosphäre fühl- und erlebbar ist. Wenn sich alle wohl-, gesehen- und wertgeschätzt fühlen.

Das muss natürlich authentisch geschehen, es darf keine „Show“ sein.

Dann findet ihr die Menschen, die so richtig passen zu euch. Die richtigen Mitarbeitenden, die dann auch bleiben, nicht weil sie es müssen, sondern weil sie es wollen. Diesen Magneten kann ein Bewerbungsgespräch aktivieren. Wenn du diese Fähigkeit lernen möchtest und dich zu einer souveränen Führungsperson an Schulen entwickeln möchtest, lege ich dir meine Fachausbildung ans Herz.

All diese Impulse führen zu einer Kultur, die euch resilient und stark macht. Das führt auch zu wirtschaftlicher Sicherheit.

Um all diese Aspekte (im oberen Bild) geht es in diesem Blogpost. Damit du sicher und mit Freude in dein nächstes Bewerbungsgespräch gehen kannst.

Möglichst selbstbewusst, möglichst klar in der Überzeugung, dass ihr „kein bitter Brot zu verkaufen habt“, sondern, dass ihr etwas anbietet, was so richtig gut und wertvoll ist.

Das ist in der momentanen Situation nicht selbstverständlich. Immer mehr Schulen sprechen davon, dass sie keine Auswahl hätten und die Menschen, die sich bewerben auch nehmen müssen. Doch das führt dann zu massiven Folgeproblemen. Fluktuation, Qualitätseinbußen und letztendlich ist der Personalwechsel auch teuer.

Ein paar Fakten: Die Stellen in Schule werde immer mehr (im Schuljahr 2022/23 öffnen so viele freie Schulen, wie noch nie zuvor) und die Bewerber:innen in allen pädagogischen Feldern werden immer knapper. Das betrifft alle Schularten und auch die privaten Schulen mit besonderem Konzept stehen vor dieser Herausforderung. Doch es gibt Licht am Ende des Tunnels. Lies also weiter, ich komme noch auf viele Impulse, die euch in dieser Situation helfen. Doch das Thema Personal ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Es ist also wichtig das Thema nicht kurz-, sondern mittel- und langfristig zu betrachten.

Und eines ist klar: So sehr es aufgrund dieser Zahlen der Personalknappheit verständlich scheint, sich Sorgen zu machen, so wenig helfen sie.

Egal ob ihr durch die Angst unsicher und nervös seid, oder es dem Bewerber, der Bewerberin „recht machen“ wollt. Das ist kein guter Weg.

Vor allem nicht wenn sich ein guter Bewerber, eine gute Bewerberin beworben hat und ihr nun das Bewerbungsgespräch führen wollt, braucht ihr Gelassenheit.

Ich bin deutschlandweit in Schulen unterwegs und stelle immer wieder fest, dass es Schulen gibt, die Menschen leicht anziehen und solche, die keine Bewerber:innen finden. Woran liegt das? Was unterscheidet diese beiden Extremkategorien? Tatsählich haben es manche Schulen in Städten leichter, als Schulen auf dem platten Land. Doch auch hier gibt es Ausnahmen. Ich habe einmal meine wichtigsten Erkenntnisse als Handlungs-Impulse aufgeschrieben:

Schulen, die Mitarbeitende finden, statt sie nur zu suchen:

Mache den Test „Sind wir als Schule zukunftssicher?“

Kreuze an was auf euch zutrifft:

arbeiten möglichst mit einer Universität oder einer Ausbildungsstelle für Pädagog:innen zusammen.

bieten Praktikums- und Hospitationsplätze an.

haben einen klaren Webauftritt und investieren Zeit und Geld in Öffentlichkeitsarbeit, die abhebt vom Durchschnitt (so viele Bewerbungsanzeigen fühlen sich schon mal gelesen an…).

halten regelmäßige Fachvorträge und ermöglichen so ein unverbindliches Vor-Upchecken.

haben andere gute Pädagog:innen und ziehen damit weitere Menschen an, die gut sind in dem was sie tun.

bieten gute Arbeitsbedingungen, bezogen auf das Gehalt, die Ausstattung mit Materialien und bezogen auf die Flexibilität der Arbeitszeit (flexible Urlaubstage außerhalb der Ferien, Sabbatical, längere Fortbildungen, auch im Ausland), sind familienfreundlich.

sehen ihre Mitarbeitende als Botschaftler:innen, die die Schule nach Außen präsentieren und arbeiten aktiv an deren Zufriedenheit (siehe die anderen Punkte dieser Liste).

haben eine pädagogische Qualität, die klar benannt wird und trennen sich auch von Mitarbeitenden, die zu wenig Qualität bieten oder die nicht reinpassen.

haben eine ausgebildete Schulleitung, die auf sich selbst achtet und eine gute Umgebung gestaltet, die die Gesundheit und das Wohlbefinden aller im Blick hat).

unterscheiden klar zwischen Mitarbeitenden, die nicht wollen und die nicht können und führen Interventionsgespräche mit der ersten Gruppe und Unterstützungsgespräche mit der zweiten Gruppe.

entwickeln ihre Mitarbeitende und führen regelmäßig Personalgespräche (auch mit der Schulleitung).

sind kritisch bei Bewerber:innen und führen werteorientierte aussagekräftige Bewerbungsgespräche.

Wie viele Kreuze hast du gemacht?

Unsere Kreuzanzahl.

Auswertung

10-12 Kreuze

Das kann sich sehen lassen. Ihr könnt selbstbewusst und stolz ins nächste Bewerbungsgespräch gehen und ganz authentisch über eure Einrichtung und über eure Arbeitsbedingungen sprechen. Bleibt dran und verbessert weiter ganz gezielt eure Strukturen und Rahmenbedingungen. Sucht auch aktiv nach Gelegenheiten des Netzwerkens, damit sich das Wissen, dass es euch gibt verbreitet. Geht hier voller Mut ran und sprecht über eure Erfolge und über eure nächsten Schritte. Vielleicht ladet ihr einmal die Community zu einem Fachtreffen mit Hospitation bei euch ein? Das wäre jetzt der richtige Zeitpunkt. Ihr seid Vorbildmaterial.

6-9 Kreuze

Ihr habe schon einiges, was ihr anbietet, doch das reicht nicht, um mit eurer Schule zukunftssicher in See zu starten. Seht euch genau an, was ihr schon habt und seid stolz darauf. Schaut nun auch mutig hin, was noch fehlt und plant die nächsten Schritte. Jetzt sofort. Die nächsten 48 Stunden sind entscheidend, um wirklich etwas zu verändern. Schreibt sofort eine Email und ladet zu einem Treffen an einem konkreten Termin ein, um die Ergebnisse zu besprechen und konkrete Schritte zu planen. Legt fest: Wer kümmert sich bis wann worum genau. Macht also konkrete Managementschritte. Viel Erfolg bei der Umsetzung. Und lasst euch gerne durch meine Fachausbildung unterstützen.

unter 6 Kreuze

Ihr seid noch absolut nicht zukunftssicher. Jetzt spuckt in die Hände und legt los. Es ist keine Zeit mehr, das aufzuschieben. Als zukunftsfähiger Arbeitgeber braucht ihr einen fundierten Managementplan. Beginnt sofort damit. Wenn ihr innerhalb der nächsten 48 Stunden ins Handeln kommt, erhöht das eure Erfolgsaussichten enorm. Nehmt also sofort den Stift, das Telefon oder die Tastatur in die Hand und geht es an. Gerne könnt ihr euch auch bei mir melden, wenn ihr Unterstützung bei der Projektplanung braucht.

Herzlichen Glückwunsch, dass ihr, egal bei welchem Ergebnis den Test gemacht habt. Damit habt ihr Mut bewiesen und euer Projekt ehrlich beurteilt bezogen auf die Zukunftssicherheit. Der erste Schritt ist getan!

Zurück zu den Bewerbungsgesprächen

Die Anforderungen an Bewerbungsgespräche haben sich verändert. Es ist vielmehr ein gegenseitiges Vorstellen, als eine Bewerbung, die von der Gunst des Arbeitgebers oder der Arbeitgeberin abhängt. Es geht darum, die Zeit und Energie und damit auch das Geld zu sparen, das es kostet, Mitarbeitende auszutauschen. Und en Schaden zu vermeiden, den eine nicht passende:r Mitarbeitende:r für die Schule bedeutet.

Schule ist heute mehr denn je ein Ort der Begegnung und der Verbindung. Der wichtigste pädagogische Faktor ist die Persönlichkeit. Die Konstanz von Menschen an einer Schule erhöht also die pädagogische Qualität und die Beziehungsqualität. Jeder Wechsel muss gut begründet und überlegt sein, denn ein konstanter Personalstab ist ein Qualitätsmerkmal.

Wie kann man ein lockeres und authentisches Bewerbungsgespräch führen?

Ich habe mir einmal einen einfachen Aufhänger überlegt, der recht universell einsetzbar ist und mir persönlich Spaß machen würde. Sowohl als Bewerberin, als auch als potentielle Arbeitgeberin.

Ein Werkzeug, um lockere und authentische Bewerbungsgespräche zu führen

Vier Hauptaspekte suchen wir in der Arbeit: Wachsen, Erfüllung, Zugehörigkeit und einen Beitrag leisten

(Quelle: A Revolutionary’s Guide To Change The Consciousness Of Work, Vishen Lakhiani).

Schreibt diese vier Aspekte auf ein Papier und legt zehn Münzen daneben.

Wie verteilt ihr nun diese Münzen?

Reihum könnt ihr die Münzen nun nehmen und auf ein Feld in einem der Quadranten legen.

Der Bewerber, oder die Bewerberin kann erzählen, welche Erfahrungen sie oder er machen möchte, welche beruflichen Schritte sie oder er gehen möchte, welche Entwicklungsmöglichkeiten sie oder er sucht oder welchen Beitrag sie oder er leisten möchte.

Die recht abstrakten Begriffe werden konkret, mit Beispielen lebendig und greifbar.

Du oder ihr, als zukünftige Arbeitgeber:innen könnt anhand der vier Quadranten eure Entstehung, euer Konzept oder eure persönliche Entwicklung beschreiben. Ihr könnt gezielte Fragen stellen und erzählen welche Erfahrungen ihr bisher mit Mitarbeitenden gemacht habt. Je transparenter und authentischer, desto besser. Es geht um eine möglichst realistische Darstellung, die zeigt wer ihr seid und wer ihr nicht seid.

Spielerisch ans Vorstellungsgespräch rangehen? Ja, auf jeden Fall!

Könntest du dir vorstellen, dieses Werkzeug einzusetzen? Ich habe es schon ausprobiert und fand es ganz cool. Ich persönlich mag spielerische Ansätze sehr gerne und finde es auch gut, wenn etwas in der Mitte liegt, was man gemeinsam anschauen kann, auch wenn es so was einfaches ist, wie ein Quadrat mit vier Feldern.

Ich habe auch folgendes ausprobiert : Lasst uns mal die zehn Münzen so auf den vier Feldern verteilen, dass die Felder, die im Job am Wichtigsten sind die meisten Münzen bekommen. Auch das hat mir persönlich Spaß gemacht und führte zu spannendem Austausch.

In meinem bisherigen Leben habe ich schon einige Bewerbungsgespräche als Bewerberin geführt. Ich habe mich proaktiv und reaktiv (sagt man das, wenn man sich auf eine ausgeschriebene Stelle bewirbt?) habe ich mich schon auf die verschiedensten Stellen (befristet, unbefristet, Teilzeit, Vollzeit, Leitung, Lehrerin…) beworben. Und meistens war das Gespräch recht formal. Mir wurden Fragen gestellt, dann konnte ich selbst Fragen stellen. Es ging mehr um den Austausch von Informationen. Sogar die persönlichen Fragen waren formell und kamen eher als Faktenfragen daher.

Zwei Fragen sind mir im Kopf geblieben: „Was sind deine persönlichen Stärken?“ „Was würdest du tun, wenn du ins Klassenzimmer kommst und ein Kind mit einer großen Schere in der Hand am Fenster steht?“.

Ich kann dir bis heute nicht sagen, was die persönlichen Stärken der Menschen sind, die mir diese Fragen gestellt haben und ich weiß auch nicht, wie sie reagiert hätten auf das Kind mit der Schere. Leider kam es mir nicht in den Sinn zurück zu fragen. Was viel über meine damalige Auffassung von Bewerbungsgesprächen sagt. Eigentlich schade…und doch frage mich auch, ob ich die Stelle dann bekommen hätte.

Heute sehe ich das anders. Heute bin ich irritiert, wenn Bewerber:innen das Gespräch nicht mit gestalten, wenn sie in einer abwartenden Haltung sind, oder eine Rolle zu spielen scheinen. Und es kommt auch immer seltener vor. Die Bewerber:innen kommen mit vorbereiteten Fragen, haben das Konzept gelesen, die Webseite studiert und fragen gezielt nach.

Als Schulleiterin führte ich sehr viele Bewerbungsgespräche und ich habe zwei Situationen noch gut in Erinnerung:

Zwei konkrete Erfahrungen aus der Praxis

„Mein Hauptziel war es mit euch zu lachen.“

Das sagte eine neue Mitarbeitende bei unserem ersten Onboardingtreffen über das Bewerbungsgespräch. Zum Glück haben wir bestanden:)

„Ihr seid in der näheren Auswahl.“

Das sagte eine Bewerberin am Ende des Gesprächs. Dann rief sie mich eine Woche später an und sagte ganz offen, dass wir die zweite Wahl seien und sie zu uns kommen würde, da die erste Wahl einen anderen Bewerber bevorzugt habe. Das ist Transparenz und die mag ich…

Bewerbungsgespräche sind ein sich gegenseitiges Vorstellen. Das sollte unbedingt auch den Mitarbeitenden bewusst sein, die die Bewerber:innen als Hospitant:innen in ihrem Unterricht haben oder den Schüler:innen, die die Hausführung machen. Es geht um mehr, als nur ein Beantworten von fachlichen Fragen. es geht um das Gefühl „Wir sind neugierig aufeinander.“

Das war noch nicht immer so… Als ich Berufsanfängerin war musste ich mich noch beweisen…und ja das spielt auch heute noch eine Rolle, doch eben gegenseitig und ganzheitlicher. Allein eine fachlich spannende Umgebung reicht nicht mehr aus. Das persönliche Miteinander und die Qualität der persönlichen Unterstützung, des Gesehen- und Gefördertwerdens gemeinsam mit der Verbindung untereinander ist gleichwertig wichtig.

Man kann schon sagen, dass wenn ihr richtig gute Leute haben möchtet, dass dann die fachliche Eignung der zweite Punkte ist und die passende Haltung, die Kultur, das Konzept überzeugen muss. Denn die Bewerber:innen können ja überall hin und suchen sich aktiv für sie passende Stellen aus und die müssen etwas zu bieten haben. Da sind wir wieder bei den vier Aspekten: Wachsen, Erfüllung, Gesehen werden, einen Beitrag leisten. Die meist genannten Ziele, die ein Job erfüllen soll, wenn man Menschen fragt.

Heute macht es Sinn im Bewerbungsgespräch so persönlich wie möglich zu sein und das Miteinander erlebbar zu machen:

Das Bewerbungsgespräch als kulturlebend gestalten

Wie könnt ihr eure Kultur im Bewerbungsgespräch leben, statt über sie zu sprechen?

Seid neugierig auf das Gegenüber und fragt tiefer nach zu dem, was erzählt wird. Arbeitet unterschiedliche Vorstellungen heraus und lasst sie stehen oder sagt deutlich, dass ihr das als Bereicherung seht, als etwas wünschenswertes. Erzählt selbst von euren Fehler, von Herausforderungen, die noch zu bewältigen sind. Fragt nach, ob das Gegenüber daran Interesse hat und was er oder sie beitragen will.

Mit Neugierde und Respekt werden die Ausführungen des Bewerbers durch achtsames Nachfragen vertieft.

Damit zeigt ihr, dass ihr eine fehlerfreundliche und diverse Kultur verfolgt, ohne darüber reden zu müssen. Das sind nämlich schnell Lippenbekenntnisse und gehen unter. Sicher fallen euch noch mehr Beispiele ein, wie ihr im Bewerbungsgespräch zeigen könnt, welche Vorstellungen ihr von der Zusammenarbeit habe, was eure ganz individuelle, besondere Kultur ausmacht und für welche Werte ihr steht.

Die Mischung, die es so nur ein einiges Mal gibt, die besonders und für die es sich auch lohnt den Ort zu wechseln und umzuziehen oder an einem Punkt Abstriche zu machen. Weil ihr als Gruppe, als Einrichtung genau das seid einzigartig und besonders!

Es ist so viel kraftvoller es einfach zu machen, statt die Kultur lediglich zu beschreiben.

Zurück zum Münzspiel: Dieses schafft eine lockere Atmosphäre, weil das Legen der Münzen etwas Spielerisches hat. Das Erklären der Spielregeln kann das erste gemeinsame Lachen bedeuten. Überlegt ruhig gemeinsam, wie ihr es spielen wollt.

Ihr schaut während des Spiels auf ein Blatt auf dem Tisch, auf das, was ihr bewirken wollt, was außerhalb eurer Person liegt und dennoch in Reichweite.

Führung im Vorstellungsgespräch: Zeigen, statt darüber sprechen!

Wie zeigt sich eine gute Führung nun im Vorstellungsgespräch? Führung (Leadership) bedeutet einen Rahmen zu schaffen, in dem Menschen sich begegnen können, als das was sie sind: einzigartige, brilliante Wesen, die manchmal daran erinnert werden müssen, dass sie einzigartig und brilliant sind. Führung bedeutet, Menschen mit der passenden Haltung einzustellen und die Fähigkeiten dann bei der neuen Mitarbeitenden zu entwickeln.

Haltung schlägt also Fähigkeit.

Im optimalen Falle ist die Fähigkeit sogar gar kein Thema, weil sie einfach da ist. Auch in diesem Fall dürft, sollt, ja müsst ihr die Haltung höher bewerten und wenn diese nicht passt, passt der Bewerber, passt die Bewerberin nicht.

Und egal an welchem Punkt ihr zusammen kommt. Es sollte immer die individuelle Weiterentwicklung mitgedacht werden.

Man kann Fortbildungen planen und gemeinsam machen, man kann Fortbildungen in der Arbeitszeit ermöglichen und man kann Fortbildungen finanziell unterstützen.

Bilde die Leute gut genug aus, damit sie gehen können, und behandele sie gut genug, damit sie nicht gehen wollen.“ Richard Brenson

Und natürlich ist nicht nur das Bewerbungsgespräch kulturprägend. Die Kultur, also das WIE ihr zusammenarbeitet möchtet, ist genauso entscheidend. Das stell ich euch jetzt anhand von sieben Impulsen vor, die dich zum Nachdenken und Nachmachen anregen können, ja sollen:

Mit den folgenden sieben Schlüssel (nach Vishen Lakhiani), gelingt es, im Kontext Schule eine Kultur zu gestalten, die die Grundlage der langfristige Zufriedenheit bei den Mitarbeitenden bereits im Bewerbungsgespräch legt.

Schlüssel 1 Das Ich

Es geht um das „Warum“. Was ist dein Beitrag?

Nelson Mandela nennt Erziehung die wichtigste Waffe, um die Welt zu verändern. Maria Montessori erzieht zum Frieden. Das sind so kraftvolle, zukunftsweisende „Warums“, die uns ganz persönlich und individuell einen Sinn in unser Tun, ja in unser Sein legen lassen. Mein persönliches „Warum“ ich tue was ich tue ist „Menschen daran zu erinnern, dass sie stark sind, sowohl Kinder, als auch Erwachsene. Alle meine Entscheidungen überprüfe ich darauf: Machen sie mich selbst stark? Stärkt diese Entscheidung meine Arbeit und macht andere Menschen stärker, erinnert sie an ihre Stärke oder schaffe ich so ein Umfeld, das Stärke sichtbar macht oder trainiert? Was ist dein persönlicher Sinn? Sprichst du schon authentisch darüber?

Dieser persönliche Sinn bleibt nicht privat, nicht isoliert, sondern verbindet uns mit einer Sache und miteinander und das führt mich zum zweiten Schlüssel, dem „Du“.

Schlüssel 2 Das Du

Arbeit in Schule ist immer auf das Gegenüber ausgerichtet. Es ist eine soziale Arbeit. Die Haltung ist eine Dienende. Und dienen kann ich dann, wenn ich kraftvoll gefüllt bin und es mir so richtig gut geht (siehe Führungsraum der Selbstkontrolle). Dieser Schlüssel setzt bei der Liebe an, der Liebe einen Raum vorzubereiten und zu halten, der dem Gegenüber dient.

Vergleiche dazu auch die Untersuchung von Ed Diener, Martin E.P. Seligman Studie (2002), die folgendes Ergebnis hatte: „Die Stärke unserer sozialen Verbindungen macht uns glücklich.“

Schlüssel 3 Das Wir

Stell dir vor, eure Schule/Einrichtung/Firma würde es Tausendmal, oder sogar eine Millionenmal geben. In jeder Stadt auf der Welt oder in eurer Stadt in jeder einzelnen Straße. Suche dir eine Vision aus, die dich so richtig erfüllt. Und beantworte dann folgende Frage: Was wäre jetzt anders? Was wäre jetzt besser? Welchen Mehrwert bringt ihr in die Welt?

Diesen Mehrwert, sollten alle kennen, die bei euch arbeiten, die mit euch zu tun haben und zwar so, dass sie ein warmes, angenehm kribbeliges Gefühl in der Magengegend bekommen, wenn sie nur daran denken. Denk an die Übung mit den Münzen. Was ist euer Beitrag?

Schlüssel 4 Ethische Werte

Die eigenen Werte zu kennen führt zu Authentizität und Qualität.

Es beschleunigt die Entscheidungen und führt uns zu mehr Klarheit und Leichtigkeit. Wie findet man die eigenen Werte? Durch den vergangenen Schmerz. Was soll anders und besser sein?

Meine drei Hauptwerte sind Optimismus, Liebe und Freude. Wenn ich sie hierhin schreibe wärmt das mein Herz und ich habe eine ganz klare Entscheidungsmatrix. Das vereinfacht mein Leben und hilft mir den Fokus zu halten.

Schlüssel 5 Optimismus

Eine klare positive Grundhaltung ist essentiell. In meinen Büchern beschreibe ich die „Ich bin OK-du bist OK“-Haltung ausführlich. Dieser Schlüssel nutzt den Ripple-Effekt. Der Ripple-Effekt lässt sich als Kettenreaktion betiteln. Er bezeichnet das exponentielle Wachstum von etwas, das letztlich eine Welle von Ereignissen auslöst. Dieses Etwas kann vieles sein, beispielsweise unser Verhalten. Vereinfacht kann man sagen, dass wenn wir positiv auf andere Menschen zugehen, das die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass uns auch positiv begegnet wird. Unser Verhalten überträgt sich also auf die Menschen in unserer Umgebung. Diesen Effekt zu nutzen bringt eine Positivität in die Welt, die Kreise zieht und wiederum weitere Menschen ansteckt. Es ist eine positive Spirale, die wie ein Magnet wirkt: „Hier will ich sein, hier meinen es die Menschen gut.“

Schlüssel 6 Die vorbereitete Umgebung

Eine sichere Atmosphäre, ein sicheres Umfeld zu gestalten und den Raum für Unsicherheiten und Ängste zu halten, ist eine wichtige Führungsaufgabe. Diese sollte jede und jeder nach dem eigenen Vermögen authentisch einsetzen: die Schulleitung, die Lernbegleiter:innen oder Lehrer:innen, aber auch die Schüler:innen und Eltern. Erst wenn wir uns sicher fühlen können wir Ankommen, können wir lernen, können wir authentisch sein. Die Haltung ist dabei eine coachende, die das Gegenüber empowert: „Du schaffst das und ich erinnere dich daran, dass du schon konkret dieses und dieses geschafft hast (positive Referenzmomente, die Sicherheit geben). Dann machst du einen Mutschritt und wir feiern das. Das führt mich zum letzten Erfolgsschlüssel:

Schlüssel 7 Erfolge feiern

Unser Gehirn ist in seiner Entwicklung noch nicht so ganz in der digitalen modernen Welt angekommen. Es sitzt immer noch in der Höhle und fürchtet sich, dass der Säbelzahntiger um die Ecke kommt. Das zu verstehen ist wichtig, um uns besser zu verstehen. Unser Verhalten, unsere Reaktionen, unsere Ängste.

Aufgrund seiner Entwicklungsgeschichte is unser Gehirn sehr gut gewappnet, um in Sekundenbruchteilen in den Fight-, Flight- und Freezemodus fallen und auch schnell wieder daraus auftauchen. Damit verbunden merkt es sich negative, gefährliche Situationen siebenmal stärker, als positive. Einfach weil es wichtiger ist, sich Gefahren zu merken. Zum einen funktioniert so die Berichterstattung und wir haben den Eindruck, dass alles immer schlechter wird, obwohl es uns so gut geht, wie noch nie. Das führt also dazu, dass wir uns selbst negativer einschätzen und unsere Situation negativer einschätzen, als sie tatsächlich ist. Deshalb ist ein wichtiger Erfolgsfaktor, dass wir uns unsere Erfolge bewusst machen, sie richtiggehend feiern. Erfolge zu feiern stärkt die Gemeinschaft, hebt das Selbstbewusstsein und erhöht die Wahrscheinlichkeit weiterer Erfolge.

Eine hohe soziale Verbindung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass auch die fachliche Qualität hoch ist um 25 Prozent!

Deshalb möchte ich als Abschluss dieses Blogposts einige außergewöhnliche Ideen aufzählen, wie ihr diese soziale Verbindung unterstützen könnt, damit ihr:

– mehr Freude miteinander habt

– der Erfolg eurer Schule wächst

  dafür gesorgt ist, dass die Menschen sich kümmern

– die Kund:innen sich verlieben in euer Projekt

– eurer Team glücklicher ist

Und die Menschen zu euch kommen und länger bleiben.

Damit bei euch eine zu euch passende außergewöhnliche Kultur wächst.

Außergewöhnliche Ideen, um die soziale Verbindung zu stärken:

  • Jede:r Mitarbeitende:r bekommt pro Jahr ein Buch geschenkt (diese Idee habe ich aus dem Buch „The Big Five For Life“ von John Strelecky).
  • Wenn jemand Geburtstag hat, feiert eine „Love Week“ und die Kolleg:innen überlegen sich lustige Dinge, die zu dem jeweiligen Geburtstagskind passen, um es zu feiern und zu überraschen.
  • Macht einen Bad Taste Tag und macht euch zuammen zum Affen, das verbindet:)
  • Feiert eine „Fuckup“ Night und erzählt euch gegenseitig, was so richtig überhaupt nicht geklappt hat und lernt gemeinsam daraus.
  • Schenkt euch gegenseitig eine „Warme Dusche“ und erzählt euch, was ihr aneinander wertschätzt.
  • Dichtet gemeinsam einen „Schul-Song“ und nutzt ihn als Motivations-Hymne.
  • ….. to be continued….

„Tue Gutes und sprich darüber!“, dieser Wahlspruch verbunden mit den vier Werten Authentizität, Empathie, Respekt und Verantwortung (nach Jesper Juul) sind ganz kurz und knapp die Kernaussagen, die ich mit diesem Blogpost weitergeben möchte.

Damit eure Schule qualitativ gut und sicher in die Zukunft blicken kann. Dazu ist es elementar, dass sie von Menschen geführt wird, die in ihre persönliche Weiterentwicklung investieren. Zum Beispiel durch deine Fachausbildung zur souveränen Führungsperson an Schulen, die ich sehr empfehlen kann. Diese im Bewerbungsgespräch anzubieten, kann DEN Unterschied machen.

Eure Sandra Schumacher