Teamphasen, so verstehst du welches Führungsverhalten dein pädagogisches Team JETZT braucht

Und 6 Fallen, in die du als Schulleiter*in auf keinen Fall tappen solltest…

Kennst du das?

💥 Du bereitest eine Teamsitzung so richtig gut vor, aufwendig gestaltete Plakate laden zum konstruktiven Austausch ein, aber dein pädagogisches Team diskutiert, ob das Vorgehen passend ist

💥 Du nimmst deinen Mitarbeiter*innen ab, was du nur kannst, aber du hast das Gefühl, es reicht nie

💥 Egal welche klitzekleine Aufgabe du delegierst, dein pädagogisches Team jammert und ist überfordert

💥 Du fühlst dich wie ein Prellbock, egal was du tust, du kannst es nicht richtig machen?

Dann kann es daran liegen, dass dir nicht bewusst ist, in welcher Teamphase dein pädagogisches Team gerade steckt.

Jedes Team durchläuft diese Phasen, das ist ganz normal und beginnt auch wieder von vorne, wenn sich die Teamzusammensetzung ändert.

Die vier Teamphasen

Folgende Phasen sind das:

Phase 1: Die Formingphase

Das ist die Phase des Kennenlernens.

Die Mitarbeiter*innen lernen sich gegenseitig, die Arbeit, die Kultur und die Erwartungen der Einrichtung kennen. Die Aufgabe der Teamsitzungen besteht darin, Strukturen zu erarbeiten und sich kleine Teilziele zu setzen, die für jeden machbar sind. In dieser Phase herrscht meist eine positive Atmosphäre. Jeder zeigt sich von der besten Seite und der Wunsch nach Zugehörigkeit ist groß.

Phase 2: Die Stormingphase

In dieser Phase, der Name sagt es schon, stürmt es.

Die Harmonie ist vorbei und die Teammitglieder*innen fangen an, die bisherigen Strukturen zu hinterfragen und sich teilweise auch von ihnen zu distanzieren. Das Streben nach eigenen Handlungsmöglichkeiten steht im Vordergrund. Die eigene Rolle wird ausgetestet und definiert. Plötzlich findet man seine Kollegen nicht mehr so nett, hinterfragt auch die Leitung. Es bilden sich Kleingruppen. Das Konfliktpotenzial ist hoch.

Phase 3: Die Normingphase

Jetzt wird es wieder ruhiger.

Die einzelnen Mitarbeiter*innen entwickeln klare Rollenprofile und organisieren ihre Aufgabengebiete. Die Regeln des gegenseitigen Umgangs sind erneut Thema und werden klarer formuliert. Jetzt ist es and er Zeit gemeinsame Ziele zu erarbeiten und die Umsetzung zu planen.

Phase 4: Die Performingphase

Wie der Name schon sagt, wird in dieser Phase performt.

Bei den Mitarbeiter*innen stellt sich ein Gefühl der Sicherheit, bezogen auf ihre Position und auf die Bewältigung der Aufgaben ein. Nun können sie sich individuell entfalten, ihre eigenen Stärken und Erfahrungen in die Teamarbeit einbringen und die Leistung des Teams damit steigern und erweitern. Es bildet sich ein Wir-Gefühl aus. Der Identifikationsprozess führt dazu, dass gemeinsame Ziele formuliert und erreicht werden und diese Zielerreichung erhöht wiederum die Identifikation mit der Gruppe.

Wenn du als Schulleiter*in oder Vorstand diese Teamphasen kennst (nach Tuckmann), kannst du sie als analytisches Beobachtungstool nutzen.

Du kannst das Verhalten deiner Mitarbeiter*innen den einzelnen Teamphasen zuordnen und das hilft dir auf zweierlei Ebenen:

1. Um das Verhalten als normal zu begreifen. Das verhindert, dass du genervt davon bist, oder es sogar persönlich nimmst. Du gehst damit analytisch und professionell um und hälst dadurch eine gewisse Distanz. Du weißt, dass jede Phase vorübergeht und das pädagogische Team sich hin zu einem funktionierenden Team entwickeln kann und entwickeln wird.

2. Du kannst deine Mitarbeiter*innen dabei unterstützen, die Teamphasen schneller zu durchlaufen und zügig ins Performing zu kommen. Keine Teamphase kann übersprungen werden, doch durch bewusstes und gezieltes Führungshandeln unterstützt du dein Team durch die Phasen gut durchzukommen und das Wir-Gefühl stellt sich schneller und nachhaltiger ein.

Als ich Schulleiterin war, kannte ich diese Teamphasen leider noch nicht. Ich habe mein Bestes gegeben, um eine gute Schulleiterin zu sein, meine Mitarbeiteer*innen zu sehen, ihnen zuzuhören und zu sie zu verstehen, so gut ich das eben konnte. Ich strengte mich richtig an, eine gute und verständisvolle Schulleiiterin zu sein, dennoch nörgelten meine Mitarbeiter*innen und ich hatte das Gefühl, dass ich nichts richtig machen konnte. Es war sehr schwierig konstruktiv mit meinem Team zu arbeiten. Heute weiß ich, dass mein Team in der Stormingphase war und gleich erläutere ich, was sie gebraucht hätten. Für mich fühlte es sich so an, als ob es gegen mich persönlich ginge und ich fühlte mich immer wieder angegriffen. Das Gefühl, es meinem Team nicht recht machen zu können, war für mich sehr unangenehm. Ich wünschte mir, dass wir Hand in Hand arbeiten könnten und endlich gemeinsam zielorientiert ins konstruktive Arbeiten kämen. An manchen Tagen war ich, ehrlich gesagt, richtig frustriert und auch ein bisschen persönlich beleidigt.

Das tut mir jetzt im Nachhinein sehr leid. Ich hatte nicht gelernt, dass dieser Prozess normal und wichtig war. Es hätte mir so einiges erspart. Mir wäre klar gewesen, was ich tun kann. Intuitiv tat ich das Richtige, es dauerte aber wesentlich länger, als wäre der Prozesss bewusst von mir geleitet worden.

Es hat aber auch eine gute Seite, denn die meisten Schulleiter*innen mit denen ich arbeite, haben Teams in der Stormingphase. Und da ich genau weiß, wie es ist so ein Team zu leiten und diese schwierige Phase auszuhalten, baue ich immer zuerst die Schulleitung auf. Denn es muss der Führungsperson gut gehen, dann kann sie gut für ihr Team da sein. Das habe ich ja am eigenen Erleben lernen dürfen und das kann man nicht aus Büchern lernen. Es ist sehr wertvoll, es selbst erlebt zu haben.

Doch woran liegt es, dass so viele pädagogische Teams in der Stormingphase hängen?

Es liegt am Personalmangel, am Personalwechsel, an fehlenden Strukturen und leider auch an fehlender oder falscher Führung.

Was kannst du also tun, um deine Mitarbeiter*innen möglichst optimal zu begleiten und sie möglichst schnell in die 4. Phase, also der Phase in der konstruktive, befriedigende Zusammenarbeit möglich wird zu führen?

Das richtige Führungsverhalten hängt ab davon, in welcher Phase das Team ist:

Gehen wir die Phasen also noch eeinmal durch und schauen wir uns an, in welcher Phase welches Führungsverhalten passend und wichtig ist:

🌱 In der Formingphase ist deine Rolle sehr aktiv und präsent. Es ist hier wichtig jeden Einzelnen zu beobachten und durch Aktionen in Form von Gruppenarbeiten oder gemeinsamem Austausch oder Gruppenbildungstools zusammen zu führen, damit sie sich kennenlernen können.

Du setzt folgende Werkzeuge ein: Aktives Zuhören und eine klare Definition der Aufgabengebiete.

Was bedeutet das konkret? Du begleitest und moderierst in dieser Phase dein Team, fragst nach, ob Arbeitsabläufe klar sind, hörst aktiv zu und bist für jeden präsent und ansprechbar. Das gibt Sicherheit und führt deine Mitarbeiter*innen zügig in die 2. Phase.

🌱 In der Stormingphase bist du so richtig herausgefordert, denn du musst der Fels in der Brandung sein. Das Team braucht einen „Prellbock“, an dem es sich abarbeiten kann und das bist meistens DU. Und vergiss nicht: All das Meckern und Fordern gilt NICHT DIR PERSÖNLICH, sondern Deiner Rolle als Führungskraft.

Hier bin ich oft für meine Coachees da und tröste und fange auf. Das ist meine Aufgabe als Coach und Beraterin.

Dein Team ist nämlich unsicher und braucht Strukturen, Regeln und Klarheit.

Je sicherer du bist und je klarer, desto schneller habt ihr diese nervenaufreibende Phase hinter euch gebracht.
Wenn Du jedoch unsicher bist, werdet ihr sehr lange in der Stormingphase verweilen und Dein Alltag ist sehr anstrengend.

Also sei selbstbewusst, stell Dich zum „Abarbeiten“ zur Verfügung (nochmal: es ist ja nicht gegen Dich persönlich!), gib Raum und Zeit für Gespräche, gib kleine Impulse, denn mehr geht in dieser Phase noch nicht und schaffe klare Rahmenbedingungen.

Gemeinsam können wir diese individuell für dich erarbeiten.

Du möchtest ein neues Projekt auf die Straße zu bringen, einige Aufgaben delegieren oder du möchtest, dass deine Mitarbeiter*innen mehr Eigenverantwortung zeigen?

Das wird in der Stormingphase nicht funktionieren! Also lass es, es verlängert nur das Stroming und erhöht den Frust auf allen Seiten.

Aber hole dir doch Unterstützung. Es gibt sicher noch andere Mitarbeiter*innen, die auch Felsen in der Brandung sein können. Damit meine ich zum Beispiel Menschen, die schon lange an der Schule sind, die Abläufe gut kennen und eine ruhige und stabilisierende Art haben. Diese können ebenfalls Sicherheit geben und wie ein Leuchtturm die neuen Mitarbeiter*innen durch den Teamprozess, wie durch einen dichten Nebel führen und sofort merken, wenn sie sich zurückziehen können, weil nun die Abläufe und die Strukturen im Prinzip bekannt sind.

Folgende Idee finde ich absolut sinnvoll:

Stelle doch am Schuljahrsbeginn, wenn neue Mitarbeiter*innen zum Team dazukommen, diesen jeweils einen Mentor/ eine Mentorin zur Seite. Oder stelle in Kleingruppen mehrere neue Mitarbeiter*innen mit ein bis zwei Mentor*innen in Kleinteams zusammen. Die Mentoren kennen die Organisation und die Strukturen und können viele Fragen beantworten. Gegebenenfalls können sie auch an die Leitung verweisen, wenn sie keine Antwort auf eine Frage haben. Aber viele Fragen werden sie beantworten können. Das wirkt für dich als Schulleitung entlastend und erhöht die Verantwortung der Mentor*innen (das kann dazu führen, dass diese ihren Job motivierter und befriedigender erleben).

Diese Maßnahme stabilisiert und kann ebenfalls die Stormingphase für alle verkürzen.

🌱 Wenn Dein Team dann in die Normingphase kommt, kannst Du Dich langsam zurückziehen und delegieren, denn Dein Team ist jetzt in der Lage eigenverantwortlich zu arbeiten. Trotzdem ist es wichtig nah an den Mitabreiter*innen dran zu sein und sie regelmäßig zu fragen, wie es ihnen geht und ob sie Fragen oder besondere Herausforderungen haben.

Das motiviert sie, denn es ist ein wichtiges Grundbedürfnis, dass die eigene Arbeit gesehen und anerkannt wird.

🌱 Und wenn Dein Team performt, dann kannst Du Dich voll auf andere Aufgaben konzentrieren, denn dein Team arbeitet ziel- und lösungsorientiert und das gefühlt alleine. Du kannst neue Projekte anstoßen, Aufgaben delegieren und die Ideen werden nur so fließen.

Denk daran, dass das Wir- Gefühl dennoch kein Selbstläufer ist. Plane immer wieder Klärungs- und Teambildungsprozesse ein. Das können ganz kurze Phasen sein, die aber wichtig sind, um die gemeinsame Kultur zu festigen.

Und nun komme ich in diesem Zusammenhang zu 5 Fallen, die du unbedingt meiden solltest, damit dein pädagogisches Team in die Arbeit kommt.

Es kommt in der Praxis immer wieder vor, dass die Leitung das pädagogische Team unbewusst behindert.

Das klingt widersinnig?

Ja, das ist es auch und trotzdem kann ich aus meiner praktischen Erfahrung berichten, dass es vorkommt.

Folgende 6 Fallen solltest du als Schulleiter*in unbedingt vermeiden, damit dein Team in die Arbeit kommt :

1. #Widersprüche

Die Schulleitung sendet Botschaften aus, die sich widersprechen. Auf der einen Seite fordert sie zum Beispiel Eigenständigkeit ein und auf der anderen Seite kontrolliert sie und möchte bei jeder Kleinigkeit gefragt werden. Den Mitarbeiter*innen erscheint das ohne Konzept, sie wissen nicht woran sie sind.

Sei transparent!

Mache als Schulleiter*in also genau klar, wo die Entscheidungskompetenz der Mitarbeiter liegt und wann du gefragt oder informiert werden möchtest. Nur dann wirst du ein selbständiges Team bekommen!

2. #Gebrauchtwerden

Die Schulleitung hält es nicht aus, wenn sie nicht mehr vom Team gebraucht wird und dadurch kommt das Team nie aus der Stormingphase heraus. Das ist definitiv der falsche Weg und zeugt von einem Mangel an Selbstbewusstsein!

Hab den Mut, klar und konsequent zu führen, denn das braucht Dein Team, um arbeiten zu können!

3.#FehlendeStrukturen

Die Strukturen sind unklar und/oder gar nicht vorhanden.

Schaffe klare Strukturen, damit die Organisation des Alltags nur so viel Zeit einnimmt, wie im Minimum nötig ist. Nutze die gewonnene Zeit für die Teamentwicklung und die Schulentwicklung.

Das motiviert und schafft Teamgeist und Zufriedenheit! Seid stolz auf das Erreichte, indem ihr zum Beispiel Best-Practise-Formate regelmäßig (ritualisiert) in eure Teamsitzungen integriert und lebt die Fehlerfreundlichkeit, indem ihr offen eure Fragen, euer Nichtwissen und eure Verfehlungen beleuchtet und voneinander und miteinander lernt und wachst. Sorge als Schulleitung dafür, das Zusammensein angenehm und leicht ist und nicht durch ständiges Organisieren verstopft.

4. #Unzuverlässigkeit

Eine weitere Falle ist es, wenn die Schulleitung keine klare Linie hat, sondern unsicher rumprobiert und damit nicht offen umgeht, sondern die souveräne Leitung spielt, ohne diese Rolle ausfüllen zu können. Dann wirkt die Leitung unzuverlässig und verliert den Respekt und die Verlässlichkeit. Das pädagogische Team beginnt für sich selbst zu Lösungen zu kommen und umgeht die Leitung, wo es nur möglich ist. Das ist sehr tragisch und kann zu einem sehr unguten intransparenten ja zerrütteten Arbeitsklima führen. Sei zuverlässig! Sorge dafür, dass man weiß, woran man bei dir ist.

5. #FehlendeQualitätsmaßstäbe

Es ist wichtig klar zu machen, wo die Erwartungen an die Mitarbeiter*innen liegen. Was ist das Minimum, das jeder an Qualität leisten muss? Was ist die Aufgabe des pädagogischen Teams? Unterstützt man sich gegenseitig zu besserer Qualität zu kommen oder beäugt man sich, damit ja keiner mehr macht als der andere.

Sorge für ein leistungsorientiertes Arbeitsklima, das von Wertschätzung und gegenseitiger Unterstützung und Rücksichtsnahme geprägt ist. Sorge dafür, dass TEAM für Teil Einer Ausgezeichneten Mannschaft steht!

6. #Bemuttern

Und jetzt fällt mir tatsächlich noch ein 6. Punkt ein, den ich selbst in einer sehr großen Schule erlebt habe. Die Schulleiterin war kurz vor der Pensionierung und ihr fehlte es nicht an Erfahrung, sollte man meinen. Ich lernte in diesem Gespräch, dass die Anzahl der Jahre absolut nicht entscheidend sind. Wenn du immer wieder das Gleiche machst, lernst du nicht genug dazu.

Diese 6. Falle ist besonders schwierig zu umgehen, diese Falle kommt nämlich sehr nett, umsorgend und entlastend daher. Ich meine die Falle, dass man als Leitung sehr verständnisvoll, sehr weich und fürsorglich ist und damit den Mitarbeiter*innen nicht ermöglicht über sich selbst hinauszuwachsen und sie in Umselbständigkeit hält. Diese Schulleiterin verstand alles, entschuldigte alles, sprang ein, wo sie konnte und übernahm alles, was niemand machen wollte. Ihr Team war ständig überfordert von allem Möglichen und traute sich selbst nichts zu. Weil ihre Schulleiterin ihnen nämlich auch nichts zutraute. Also die 6. Falle ist die Fürsorglichkeit.

Trau deinem Team das zu, was die Mitarbeiter*innen sich selbst noch nicht zutrauen, ermutige, fordere und fordere auch heraus. Dann lernt und wachst ihr gemeinsam!

Praxis ist ohne Theorie blind,

sagte schon Immanuel Kant und meine persönlichen Erfahrungen decken sich mit dieser Erkenntnis.

Es hängt ganz elementar von Dir und Deine selbstbewussten Führungskompetenz ab, ob Dein Team ins Arbeiten kommt.

Und dafür lohnt es sich, sich mit den vier Teamphasen zu beschäftigen. Ich sage also im Namen deines Team ganz herzlich DANKE, dass du bis hierher gelesen hast!

Man kann jede Erfahrung selbst machen, ich gebe dir die Abkürzung, damit du schneller ans Ziel einer persönlichen Leitung deiner Schule kommst! Dafür stehe ich!

Und wenn du merkst, dass dir meine Tipps helfen, du dir aber noch mehr Unterstützung bezogen auf deine persönliche Situation wünschst, dann nutze eine der folgenden Möglichkeiten:

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Im Austausch mit anderen Schulleitern bearbeiten wir viele Themen rund um effektive Teamsitzungen. Und es macht auch noch Spaß!

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So viele Tipps und. Erfahrungen von und für Schulleiter*innen

Ich freue mich darauf, mit dir zu sprechen.

Glaub an Dich und Deine Stärken und sei stolz darauf!

Alles Liebe für Dich,

Deine Sandra

Wunder. Fliegen. Weiter.

Schulleitung – funktionieren oder gestalten?

Schulleiterin sein

Meine eigene Geschichte als Schulleiterin handelt davon, dass ich als Gestalterin meinte zu starten, schnell zu einer Funktioniererin wurde und wie ich schmerzhaft (im wahrsten Sinne des Wortes) wieder zum Gestalten zurückfand.

Ja, der Weg war keine Fahrradkette, nee das geht anders.

Was war der Weg, was half mir und wo stehe ich heute?

Sagen kann ich, dass es sich um einen sehr persönlichen Entwicklungsprozess handelte.

Ich lernte mich selbst besser kennen, merkte worauf ich empfindlich reagiere, wo meine Stärken liegen, welche Schwächen gnadenlos zugriffen und welchen Preis ich zahlte, persönlich zahlte.

Denn ich ging in den ersten beiden Jahren meines Lebens als Schulleiterin immer wieder über meine eigenen Grenzen, bewältigte mehr, als mir gut tat und wunderte mich, dass es mir keiner dankte. Wie auch, es war ja meine eigene persönliche Entscheidung.

In meinem Prozess eine gute Schulleiterin zu werden, die für sich sorgt, spielt die EULE eine wichtige, ja entscheidende Rolle.

Welche Rolle sie spielt und warum ich es ohne sie nicht geschafft hätte?

Lies weiter, du erfährst es hier!

In meinem vorhergehenden Blogartikel schreibe ich über die VUKA-Welt in der privaten Schule.

Ich werbe darum zu akzeptieren, dass die Zusammenhänge komplex sind und wir es aus der Haltung der Akzeptanz heraus gut schaffen können, dieser Komplexität durch tragfähige und individuelle Entscheidungen zu begegnen.

Das behaupte ich nicht einfach so, sondern mein Fachwissen wird ergänzt durch meine Erfahrung.

Was nach den besagten zwei Jahren passierte, in denen ich zu viel tat und über meine Grenzen ging, erzählte ich in „meiner Geschichte„. Es geht um meinen Unfall, der mich von den Beinen holte. Danach leitete ich noch weitere sechs Jahre eine private Montessori-Schule.

Zuerst alleine, dann mit Konrektorin, schließlich im Team der erweiterten Schulleitung. Unsere Schule entwickelte sich in diesen Jahren von einer Halbtagsschule, mit verschiedenen Betreuungsmodellen, ohne Jahrgangsmischung ab der 8. Klasse, hin zu einer voll durchgemischten inklusiv arbeitenden Ganztagsschule.

Das Changemanagement lag zu großen Teilen auf meinen Schultern.

Ich lernte beim Laufen, ich machte Fehler, kommunizierte unklar, machte Schleifen und feierte Erfolge.

Am Ende war alles gut und die Schule konnte mit tragfähigen neuen Strukturen stabil in eine gesicherte Zukunft schauen. So gesichert, wie das in der VUKA-Welt nur geht.

Das ist die Kurzfassung.

Wenn dich die längere Fassung interessiert, kannst du meine persönliche Geschichte gerne hier lesen.

Was hat die EULE mit der Rolle der Schulleitung zu tun?

Die Eule ist ein Nachtvogel, er ist aktiv, wenn andere schlafen. Auch als Schulleiterin solltest du aktiv sein, und deine Antennen und Fühler auf Empfang ausrichten.

Warum?

Damit du nah an den Menschen bist, die dich brauchen, um frühzeitig Zeichen wahrzunehmen und Entscheidungen zu treffen.

Braucht es überhaupt eine Schulleitung?

Auch wenn eure Hierarchie flach ist, braucht es immer wieder dich, der du aus dieser Rolle heraus Entscheidungen trifft, die Kommunikationswege klärst und an das gemeinsam beschlossene Vorgehen erinnerst oder auch mal darauf bestehst.

Die Eule dreht außerdem ihren Kopf auf fast schon unnatürliche Art und Weise, sie hat einen unglaublich großen Wahrnehmungsradius. Das ist die Grundlage ihres Erfolges.

Sei als Schulleiter*in auch agil und aktiv.

Bewege deinen Kopf in jede Richtung.

Hinterfrage deine Perspektive, wechsle sie.

Denke dich in die Perspektive der Eltern ein, der Kolleg*innen, der Schüler*innen.

Frage sie nach ihrer Meinung, nach ihrer Blickrichtung. Danach was sie brauchen.

Mache es hier anders als die Eule.

Nutze deinen weiten Blickradius nicht, um deine Klauen in dein Opfer zu schlagen, sondern dafür, möglichst viele Informationen aufzusaugen, zu sammeln und neu zusammenzusetzen. Dann hast du eine gute und belastbare Grundlage für deine Führungsentscheidungen. Mache klar, wo du selbst entscheidest und wo eine partizipative Entscheidung möglich ist. Geht es also um das Mitspracherecht oder um das Mitentscheidungsrecht? Hier kannst du gar nicht deutlich genug sein.

Immer wieder werden diese beiden Begriffe falsch verstanden oder miteinander verwechselt.

Und jetzt zur E-U-L-E und also zu den Buchstaben ihres Namens:

Das E steht für ENTWICKLUNG

Um eine Leitungspersönlichkeit zu werden, gibt es keine Abkürzung. Du wachst nicht eines Morgens auf als Leitungspersönlichkeit, sondern du begibst dich auf den Weg und entwicklest dich Schritt für Schritt in diese Richtung

Wissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Erfahrung sind meine Wegbegleiter und eine innere Haltung, die anerkennt, dass es gut ist zu fragen, um viel zu erfahren, um Dinge zu verstehen, um zu lernen und von den Perspektiven, Sichtweisen und Erfahrungen der Menschen um mich rum zu profitieren.

Auf diesem Weg lernst du dich selbst besser kennen.

Fehler, Umwege und Kritik/Feedback sind deine Lehrmeister.

ENTWICKLUNG ist ein ganz wichtiger und entscheidender Aspekt auf dem Weg zu einer guten Schulleitung

U steht für UNABHÄNGIGKEIT

als Schulleitung möchten viele Menschen etwas von dir, die Eltern, die KuK, der Vorstand, das Schulamt, die Politik usw.

Mir fiel es besonders schwer, am Anfang meiner Zeit als Schulleiterin, wenn der Schülersprecher im Sekretariat wartete, wenn ich aus der Mittagspause kam. Denn ich hatte ein Problem mit dem Nein-sagen. Später freute ich mich riesig darüber wenn Schüler*innen den Kontakt zu mir suchten. Es war eine Kraftquelle für mich, mit ihnen in Verbindung zu sein.

Zu meinem Abschied als Schulleiterin habe ich eine ganz tolle Karte bekommen von der Schülersprecherin, bekommen, die mir viel bedeutet.

Immer wieder lese ich sie, sie ist ein wichtiger „Kraftstein“ für mich geworden.

Sie erinnert mich daran, wo ich herkomme.

Zurück zur Unabhängigkeit.

Bleib unabhängig!

Wenn jemand etwas von dir will, kannst du selbst entscheiden, wie du mit der Bitte oder Anfrage umgehst. Nicht jede Anfrage musst du annehmen und du musst auch nicht auf jedes Problem eine Lösung haben. Geh in die Beziehung, freue dich einfach, wenn Menschen etwas von dir möchten. Nimm dir Zeit, versuche zu verstehen, worum es dem Gegenüber geht. Mehr musst du nicht tun. In 95 Prozent der Fälle bist du nicht diejenige, die die Lösung finden muss.

L steht für LICHT

Die Eule steht für Weisheit. Da dieser Vogel auch in der Dunkelheit sehen kann, wurde lange Zeit angenommen, dass er mit seinen Augen Licht erzeugen kann.

Dieses Licht, welches der Vogel aus sich selber schöpft, dringt durch die Augen wie durch Fenster nach außen. Da Weisheit ebenfalls mit Licht in Verbindung gebracht wird („das Licht der Weisheit“, welches der Weise aus sich selber schöpft, und die Umwelt ihm nicht geben kann), liegt die Übertragung auf die Eulenvögel nahe und dichtete ihr diese Eigenschaft an.

Für mich steht LICHT bezogen auf die Schulleitung für zwei Dinge:

1. Praxis ohne Theorie ist blind

2. Du musst nicht alles ändern, aber mach das Licht an.

Was meine ich damit?

Es ist okay zu tun was du tust, zu entscheiden was du entscheidest, aber mach es bewusst. Mach dir bewusst was dahintersteht an Theorien und Prozessen, z.B. wenn eure Teamarbeit nicht effizient ist. Du musst es nicht ändern, oder sofort ändern, aber erkenne es an, sei ehrlich und mach dir die darunterliegenden Prozesse bewusst.

Das zweite E steht für ERRUNGENSCHAFT

Erkenne an, was du leistest und sei stolz darauf.

Das klingt so banal und ist doch so grundlegend und wichtig.

Immer noch haben wir eine Stimme im Kopf, die uns sagt, dass wir nicht über unsere eigenen Erfolge reden sollen.

Eigenlob stinkt.

Ein schwedischer Schulleiter erzählte mir mal, dass die schwedische Kultur das nicht kennt und er das als typisch deutsch empfindet.

Und ist das so??? Stinkt Eigenlob wirklich, also ist es schlecht für uns als Sozialwesen, wenn wir uns selbst loben?

Oder ist es ein Glaubenssatz, der uns davon abhält unsere Erfolge das das zu nehmen, was sie sind?

Als Erfolge, die uns stolz machen und eine Kraftquelle sind?

Obwohl ich denke, dass es ein Glaubenssatz ist, fällt es sehr selbst schwer meine Erfolge überhaupt zu sehen.

Ja, so ist es. Ich sehe sie nicht, sie sind für mich selbstverständlich.

Hier habe ich einen blinden Fleck.

Es ist der pure Wahnsinn.

Wenn du hier auch Betroffene oder Betroffener bist, habe ich einen erprobten Rat für dich:

Führe ein Erfolgstagebuch!

Ein Erfolgstagebich ist ein Buch, in das du deine Erfolge schreibst, zu einer festen Tageszeit odereinmal in der Woche, zum Beispiel immer am Freitag.

Damit du eine Leitungspersönlichkeit wirst, die ihre Errungenschaften kennt und benennen kann.

Deine Erfolge sind die Trittsteine auf denen du gehst.

Eine Eule ist ein weiser und eleganter Vogel.

Eine Eule kann praktisch regungslos mit dem Hintergrund verschmelzen.

Eine Eule kann fast lautlos durch die Luft gleiten.

Ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich das nie erreichen werde. Schon das Fliegen ist ein grundsätzliches Problem, da ich gar keine Flügel habe.

Andererseits geht es vielleicht doch, als Leitungspersönlichkeit kannst du von oben auf deine Schule schauen und sehen was da ist. Du kannst beobachten, lautlos wie die Eule und deine eigene Entwicklung sehen und die deines Teams.

Du kannst deine Unabhängigkeit wahren, das Licht anmachen und deine Errungenschaften feiern.

Mach es zusammen mit deinem Team!

Sei anders als die Eule, sei kein Einzelkämpfer.

Du schaffst das, woher ich das weiß?

Ich habe den Weg ausprobiert. Er trägt!

Und melde dich bei mir, wann immer du magst.

Genau für dich bin ich da, um dir Abkürzung und Räuberleiter zu sein.

Alles Liebe

Sandra Schumacher

Wunder. Fliegen. Weiter.

Der Tag vor der Schulschließung aus meiner Sicht

Ich war in einer großen Schule in Niedersachsen.

Schulinterne Lehrerfortbildung für über 100 Pädagog*innen.

Mein Workshop, den ich für knapp 20 Lehrer*innen hielt, hieß „Beziehungsorientierte Elterngespräche“.

Ich war erkältet und hustete etwas, was sich im Zug schon etwas komisch anfühlte. Waren doch die Zeitungen voll von Covid-19. Meine Kollegin kam aus Berlin und sie stieg in den ICE in Hannover, in dem ich schon seit Nürnberg saß.

Keine Umarmung, kein Händeschütteln.

Unsere Stimmung war gut, wir freuten uns darauf das „Beziehungslernen“ in eine weitere Schule zu bringen.

Gleichzeitig lag auf uns ein schwerer Mantel der Unsicherheit.

Viele Fragen gingen mir durch den Kopf

Würden zukünftige Weiterbildungen abgesagt?

War es verantwortungsvoll durch ganz Deutschland zu fahren und mit vielen Menschen im Zug zu sitzen, die vielleicht Skifahren waren und aus den betroffenen Gebieten einen stillen Begleiter, den Virus bei sich hatten?

War meine Erkältung wirklich eine einfache Erkältung, oder hatte ich selbst diese neue Gefahr in mir?

Ich war ja nirgendwo, wo ich mich hätte anstecken können, aber konnte ich mir dessen sicher sein?

Was bedeutete verantwortungsvolles Verhalten?

Wie sah verantwortungsvolles Verhalten aus, war mein Verhalten das Gegenteil?

Es schien sich etwas Großes anzukündigen, was schwer fassbar war, das spürten wir. Eine schleichende Bedrohung, die mit jeder Horrornachricht aus Italien näher an Deutschland ran kam.

Würde es uns persönlich betreffen? Vielleicht sogar unser Leben einschränken und/oder verändern? Der Gedanke, so absurd er mir an diesem Tag vorkam, sollte schneller zur greifbaren Realität werden, als ich mir das in diesem Moment im ICE noch vorstellen konnte.

Am nächsten Tag stand also die „Einführung ins Beziehungslernen“ für über 100 Lehrer*innen an und auch einige Schüler*innen waren an diesem Tag freiwillig in die Schule gekommen.

Die Arbeit mit dieser relativ großen Menschengruppe war herausfordernd und spannnend. Die Jugendlichen waren voll dabei und äußerten ihre Meinung sehr reflektiert. Ein Junge sagte: „Ich brauche zu meinen Lehrern eine vertrauensvolle Beziehung, dann kann ich gut lernen.“

Die Schüler*innen bereicherten die Diskussion

Wow, hier haben wir es, die Jugendlichen wissen oft doch mehr, als wir denken..

Nach dem Mittagessen leitete ich dann den Workshop „Beziehungsorientierte Elterngespräche“. Es waren nur Erwachsene da, klar das Thema war für die Kinder nicht so interessant.

Mein Workshop „Beziehungsorientierte Elterngespräche“

Ich mag das Thema Elterngespräche, weil die Pädagog*innen viele Erkenntnisse haben.

Sie nehmen die Sichtweise der Eltern ein, beschäftigen sich mit ihren eigenen Erwartungen und Bedürfnissen und vergleichen diese mit denen der Eltern. Die Gespräche werden sofort besser durch meine Arbeit, denn eine empathischere und verständnisvollere Grundhaltung der Pädagogi*innen wird anbahnt und die Lehrer*innen übernehmen die Verantwortung für die Gestaltung der Gesprächsatmosphäre. Das ist eine fruchtbare Grundlage für eine Zusammenarbeit, die offen und respektvoll ist und der guten Begleitung des Kindes oder des Jugendlichen dient und ihn ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt.

Sätze, die uns zur Beziehung führen

Die ersten beiden Stunden arbeiteten wir konzentriert und produktiv. Es herrschte eine gute Atmosphäre und ein offenes Miteinander.

Die Stimmung änderte sich von jetzt auf gleich

Dann in der Pause veränderte sich die Stimmung plötzlich radikal. Die Luft knisterte und war mit einer Spannung aufgeladen, die ich mit allen meinen Sinnen spürte: Eine Lehrerin hatte eine Pressemitteilung am Handy gelesen, in der die Presse Schulschließungen für Niedersachsen ankündigte. Die Meldung war inoffiziell und reißerisch und eigentlich nicht mehr als Tratsch im öffentlichen Raum.

Doch war etwas dran?

Die Lehrerin las vor: Die Landesregierung bereite eine landesweite Schulschließung vor, es gäbe noch keine offizielle Pressemitteilung, aber aus sicherer Quelle….

Ein Lehrer machte einen Witz darüber, was er alles tun würde, wenn er eine Woche keine Schüler hätte. Eine Kollegin antwortete: „Dann hängen wir einfach noch ein paar Tage Weiterbildung dran, nörig hätten wir es ja.“

Das Lachen der Kolleg*innen war nervös und spiegelte die unsichere Stimmung wider.

Was war da los?

Stellte sich unser Leben gerade auf den Kopf? Was konnten wir tun, um uns vorzubereiten?

Es legte sich ein bedrückendes Gefühl auf die Gruppe.

Ich hörte mich selbst, wie ich in lockerem Ton zu einer weiteren Tasse Kaffee einlud und das Kekstablett rum gab. Eigentlich war die Pausenzeit bereits vorbei. Konnte ich einfach zum normalen Weitermachen ermuntern, oder war das gerade unpassend. Während ich mich das noch fragte, kam eine Mitarbeiterin der Schulleitung in den Raum geplatzt. Am Ende der Workshopphase würden wir uns nun doch noch kurz im Plenum treffen.

Die Klärung der Verantwortung führte zum Thema zurück

Die Schulleiterin wolle etwas sagen zum Thema Schulschließung.

Gut, die Verantwortung und der nächste Schritt waren nun klar.

Das war für mich eine gute Gelegenheit zum Thema zurückzukehren.

Wie erleben Sie die Elterngespräche?

Die Konzentration vom Beginn erreichen wir nicht mehr. Dennoch gelang es mir und der Gruppe gemeinsam, uns in der verbleibenden Zeit auf die positiven Beispiele der resonanten Elterngespräche zu konzentrieren und die Zeit produktiv zu verbringen.

Das anschließende Treffen mit der Schulleiterin war kurz.

Sie konnte nichts sagen, machte aber klar wie die Informationswege laufen würden, wenn tatsächlich offizielle Infos der Landesregierung vorliegen würden.

Klar war, dass sie offizielle Anordnungen erwartete. Die Schulschließung wurde wieder ein kleines Stück realer.

Nach einer unruhigen Nacht, trat ich am nächsten Tag die Heimreise an.

Jetzt war mir klar, dass das erst mal meine letzte Zugfahrt sein würde, ich hielt Abstand am Gleis. Der ICE war so leer, dass es kein Problem war einen Platz für mich alleine zu finden. Anders sah das im Nahverkehr zwischen Nürnberg und Erlangen aus. Jeder Platz war besetzt, ich blieb mit meinem Koffer bei der Tür stehen.

Die geplante Fahrt zu einer Schule in Baden-Württemberg am nächsten Tag, sage ich gleich aus dem Zug heraus ab. Hier hatte ich bereits meine Definition von Verantwortung gefunden.

Zu Hause angekommen fand ich das Einkaufen etwas beunruhigend. So leere Regale hatte ich noch nie gesehen.

Generell arbeite ich ja sowieso meistensim Homeoffice und online. So dass ich meine Umstellung auf die neue Situation #stayhome recht sanft war.

Meine Coachings mit Schulleiter*innen

Bei meinen Coachings mit den Schulleitern änderten sich die Inhalte natürlich hin zum Krisenmanagement und zum Finden der eigenen Position in dieser neuen Herausforderung.

Ein neuer Denk-Raum wird nötig

Mein Ansatz ist es durch Fragen zu unterstützen und den Denk-Raum zu eröffnen:

Wie kann ich als Schulleiter*in meine Verantwortung definieren?

Wie kann ich eine Minimumlinie ziehen, wie oft ein Kind etwas von seinem Lehrer hört: ist der persönliche Kontakt einmal in der Woche ausreichend?

Wir kennen unsere Schüler*innen so gut, wir wollen individuelle Begleitung auch im Homeschooling hinbekommen. Wie können wir das machen?

Was sagt der Elternbeirat, haben wir gemeinsam gute Ideen, die zu uns passen?

Haben wir Familien in prekären Sitautionen an unserer Schule, die wir besonders unterstützen sollten?

Kreativität und ungewöhnliche Ideen fern von den gewohnten Kommunikationsstrukturen sind hier gefragt und ich helfe gerne beim Suchen und Finden neuer Wege.

Der erste Schritt ist es außerhalb der gewohnten Denkstruktur zu sein, denn Schule hat sich jetzt neu zu erfinden.

eine ganz neue Situation

Dazu werde ich in meinem nächsten Blogpost etwas sagen.

Schließen möchte ich diesen Artikel mit einem Zitat aus dem Rahmenlehrplan des Landes Berlin/Brandenburg.

Es passt zu gut:

„In dem Maße, in dem sich die Welt verändert, in der wir leben, verändert sich auch die Sicht darauf, was und wie Schülerinnen und Schüler lernen sollen, damit sie ihren Weg gehen können.“

Sandra Scheeres (Bildungssenatorin Berlin) im Vorwort der RLP Berlin/Brandenburg

In diesem Sinn, lasst uns Veränderung leben und mit ihr in Bewegung bleiben, das führt zu Resilienz und Zukunftfähigkeit.

Herzlich Sandra Schumacher

Wunder. Fliegen. Weiter.

Schulentwicklung: Schule – ein lebendiges Wesen

Ich benutze gerne Metaphern, um komplexe Zusammenhänge durch Bilder klarer zu bekommen.
Heute möchte ich Schule mit einem Baum vergleichen.

Bäume spenden uns Ruhe und Sauerstoff.

Auch Schule sollte den Kindern und Jugendlichen und den Pädagoginnen und Pädagogen und den Familien insgesamt Ruhe zum wachsen, zur Entwicklung und die gute Luft zum Leben spenden.

Bäume sind der Inbegriff des Lebens und der Veränderung.

Je nach Jahreszeit sieht ein Baum komplett anders aus.

Er steht fest, immer an seinem Platz, er symbolisiert Beständigkeit und Standfestigkeit, Halt und Sicherheit und dennoch verändert er sich je nach Jahreszeit und je nachdem auf welche Umweltbedingungen er trifft. Die gleiche Baumart kann an verschiedenen Standorten ganz unterschiedlich gut gedeihen und damit auch sehr unterschiedlich aussehen.
Das hast du sicher schon einmal gesehen, der prächtige Baum mit unzähligen Blättern stark und gerade gewachsen. Mit wenigen, aber großen und formschönen Früchten oder der Baum am Waldrand, vom Wind schief geweht. Mit wenigen Blättern, dafür schief in sich, behauptet er sich neben seinen geraden Artgenossen, die ihm den Raum nehmen.
Ich finde Bäume schön, die auf ihre eigene Art und Weise gewachsen sind. Unser Weihnachtsbaum ist immer ein wenig schief und damit auch besonders. Das gefällt mir und finde ich eher bereichernd, als störend.

Schule als ein Booster-Wachstumsort

Was sind die guten Bedingungen für Schule, die sie gut gedeihen und wachsen lassen. Mit festen Wurzeln im Boden, einem stabilen dicken Stamm, vielen Ästen, saftig grünen Blättern, schönen schmackhaften Früchten und einer Krone, die einen herrlichen Abschluss eines wunderbaren Lebewesens bildet?

Eine Schule, die die Basis für ein selbstbestimmtes Leben für die nachwachsende Generation legt.

In Verantwortung für den Einzelnen, für die Gemeinschaft und für die Umwelt?

Die Baummetapher

Wenn Schule ein Baum ist, dann sind die Wurzeln das Leitbild und die Werte.

Die Erde ist das pädagogische Konzept.

Der Stamm, der alles zusammenhält ist das „Wir“- das Miteinander, die Gemeinschaft.

Die Äste, weit verzweigt, sind die Bindungen und Beziehungen aller miteinander. Diese Beziehungen zeigen sich im Klassenrat, Schülerrat, Schulrat, Leitungsteam, Pädagogenteam, in allen Gremien der Zusammenarbeit und in der Kommunikation.

Die Blätter sind die pädagogische Umsetzung. Zum Beispiel das freie Lernen, die Altersmischung, die Projektarbeit, das Forschen und die Darbietungen und Referate.

Die Früchte sind die „Highlights“, die Dinge auf die wir alle stolz sind und wo wir merken: Ja, hier wächst etwas Gutes heran, hier findet Entwicklung statt.

Die Baumkrone schließlich ist die friedliche Gesellschaft, die sich bildet, wenn die Kinder und Jugendlichen stark und selbstbestimmt aufwachsen, im Einklang mit sich und ihren Stärken.
Satt und genährt. Und die Baumkrone bildet sich auch aus den Erwachsenen, die mit der Schule in Verbindung stehen.

So kann Schule ein richtiger Booster-Wachstumsort sein.

Nicht alle Schulen sind stattliche, gleichmäßig gewachsene Bäume

Man sieht Schulen, die als Baum nicht gleichmäßig gewachsen sind, die einen dicken Stamm, aber verkümmerte Wurzeln haben, oder deren Früchte die Äste bis auf den Boden hängen lassen und deren Stamm diese Früchte gar nicht tragen kann. Warum ist das so?

Auf die Nachhaltigkeit und das gute Fundament kommt es an.

Ja ein lebendiges Wesen braucht so einiges, um gut zu gedeihen und in der Komplexität der Schule alles im Blick zu halten und die Organisationsentwicklung gut zu begleiten gelingt den wenigsten.

Woran zeigt sich konkret die unausbalancierte, planlose Entwicklung?

Spürbar ist es zum Beispiel am hohen Krankenstand der Pädagogen, am überdurchschnittlich hohen Personalwechsel. Immer wieder verlassen Familien aus Unzufriedenheit die Schule, auch mitten im Schuljahr. Die Schulleitung ist überarbeitet, hat zu viel zu tun. Die Pädagogen stöhnen über Überforderung und die Schulentwicklung staut sich.
So brennen motivierte idealistische Pädagogen aus. Das muss aber nicht sein! Und das soll auch nicht sein!

In vielen Schulen ist einiges gut entwickelt, die wenigstens sind in allen Entwicklungsbereichen richtig gut aufgestellt.

Die Investition von Zeit in die nachhaltige Entwicklung der Schule ist vielfach richtig eingesetzt.

Jede Zeiteinheit, die in die gute Fundierung der Schule investiert wird, lohnt sich auf lange Sicht vielfach. Wenn ein Teamtag dafür genutzt wird, ein Leitbild zu erarbeiten, sind die Wurzeln des Baumes sicher verankert. Wenn dieses Leitbild schriftlich fixiert wird, in der Schule aufgehängt wird, jedem neuen Mitarbeiter und auch den neuen Eltern gegeben wird und immer wieder darüber gesprochen wird, dann hat die Schule richtig gute Wurzeln, die auch bei Wind und Wetter, bei Konflikten und in Krisen sehr gut dasteht, weil sie vorbereitet ist.
Wenn die Werte klar sind und man sich auf einer gemeinsamen Grundlage bewegt, wächst das gegenseitige Verständnis und bei Neueinstellungen können gezielt Erwartungen formuliert werden.

Das macht im Alltag einen riesigen Unterschied.

Wenn Pädagogen und Leitung einen vollen Werkzeugkasten pädagogischen Wissens und pädagogischer Tools zur Verfügung haben, der gemeinsam immer wieder aktualisiert und erweitert wird, dann entsteht eine gemeinsame Ebene der Professionalisierung, Motivation und Leichtigkeit. Das Arbeiten wird klarer und ruhiger.
Wenn es einen Kommunikationsleitfaden gibt, der genau festlegt, wie, wer mit wem worüber spricht, dann erreicht man Klarheit, Synergien und nimmt auch kommunikativ schwächere Pädagogen (ja, die gibt es :)) an die Hand und schützt sie vor Überforderung.
Wenn die Struktur der Teamsitzungen, der Vor- und Nachbereitung gut geregelt ist, dann werden Besprechungen zu Motivationskicks.
Wenn die Aufgaben und Verantwortungen klar geregelt sind, bliebt genug Kraft übrig, um aktuelle Themen zu erledigen, um auf überraschendes entsprechend zu reagieren.

Selbstbewusst und klar wird der Stamm, das „Wir“ gestaltet und gelebt.

Neue Menschen sind leicht einzufügen und zahlreiche bunte Blätter wachsen am Baum. Denn diese brauchen die Grundlage des gemeinsamen Verständnisses, damit eine gute Entscheidungsgrundlage da ist, welche Blätter immer da sind und welche zusätzlich dazukommen dürfen.

Bäume machen komplizierte Dinge. Sie wandeln Kohlendioxid in Sauerstoff um und dafür brauchen wir sie dringend. Sie sind also wichtig für uns.
Auch Schule ist sehr wichtig für uns. Nach der Familie, die die Keimzelle der Gesellschaft ist und die wichtige Grundlage für das Lernen legt, schafft sie im Anschluss an den Kindergarten für viele Jahre ein Umfeld für das Kind und dann für den Jugendlichen, indem wachsen, sich verändern, dazulernen und sich als Persönlichkeit zeigen eine runde Ergänzung findet durch die Gemeinschaft.

Die Kinder und Jugendlichen fühlen sich als Teil einer Gemeinschaft, die sich wahrnimmt, die sich gegenseitig unterstützt und die ein Geben und Nehmen ist.

Auch die Pädagogen sind Teil dieser Gemeinschaft. Man fühlt sich miteinander wohl. Jeder ist wie er ist, wird in seiner Individualität akzeptiert und die Gemeinschaft gibt Halt, Heimat, den Ort eben, wo man hingehört.

Und die Eltern gehören natürlich ebenfalls dazu, zu diesem Wachstumsort, denn Elternschaft bedeutet Persönlichkeits-Wachstum und Familie findet in der Schule Ergänzung, Unterstützung und Gemeinschaft.

Beziehungsorientiert und in gegenseitiger Wertschätzung.

Dabei sollte Schule immer wieder überlegen, wie der Boden zusammengesetzt werden sollte, damit jeder einzelne Mensch an der Schule sich authentisch in seiner Einzigartigkeit zeigen kann.

Schule sollte ein Booster-Wachstumsort sein.

Für die Kinder und Jugendlichen und genauso für die Pädagogen und Eltern.
Und so einen Ort ist zu gestalten, kann so richtig Spaß machen.
Bindungsorientierte Pädagogik, freies Lernen, klare Mitbestimmungs- und Gestaltungsräume für ALLE und eine altersentsprechende, inklusive, jahrgangsgemischte Pädagogik mit kompetenzorientierten, individualisierten Feedbackformaten.
Das könnte ein passender Rahmen sein.
Damit Schule die Basis legen kann für ein selbstbestimmtes Leben.

Ist das nicht eine richtig tolle Vision, in die es sich lohnt zu investieren?
Ich finde ja.

Sandra Schumacher
Wunder. Fliegen. Weiter.