Wenn die Arbeit in der Schule mühsam wird, kann die Lösung ganz leicht sein, wenn man sie erkennt…

Hanna ist ehrenamtliche Vorständin in einer kleinen freien Montessori-Schule. Sie ist seit einem Jahr im Vorstand und liebt die Vision der Schule des Selbstbestimmten Lernens. Deshalb möchte sie sich engagieren. Hanna findet die Vorstandsarbeit einfach toll, denn sie lernt so viel über Strukturen und Prozesse, über Gremienarbeit und Kommunikation. Am Liebsten mag sie es, dass die Energie bei den Vorstandstreffen so hoch ist. Sie spürt richtig, wie die gemeinsamen Werte den Vorstand verbinden. Die gemeinsame Vision gute Schule der Potenzialenntfaltung zu machen verbindet die Vorstandsmitglieder miteinander.

Zwei von Hannas drei Kinder besuchen die freie Schule, das kleinste Kind besucht das Kinderhaus.

Regelmäßig trifft sich der Vorstand auch mit dem pädagogischen Team. Zum Austausch, zur Strategieplanung und um die Wirkungsmessung des Schulkonzeptes zu besprechen, die schon seit dem zweiten Jahr des Schulbetriebs in Kooperation mit einer externen Beratung fest zur Jahresplanung gehört.

Die Treffen mit den Pädagog*innen fühlen sich so ganz anders an, als die Treffen innerhalb des Vorstands.

Sie sind anstrengender, irgendwie ist immer etwas schwierig und allein schon einen gemeinsamen Termin zu finden dauert so lange, dass Hanna sich fragt, woran das eigentlich liegt.

Wollen die Pädagog*innen überhaupt mit dem Vorstand sprechen? Dieser Gedanke schleicht sich in Hannas Gedanken ein. Aber das wäre ja seltsam, denn es geht doch nur gemeinsam und schließlich ist der Vorstand ja auch der Arbeitgeber und hat alleine schon dadurch eine ganz wichtige Rolle in der Schule.

Eines Nachmittags blättert Hanna in der schön gestalteten Broschüre der Schule, die das Konzept für interessierte Pädagog*innen und Familien kurz zusammenfasst. Die neue Überarbeitung ist noch ganz druckfrisch und Hannas Augen bleiben an den folgenden Sätzen hängen:

Es gibt zwei grundlegende Wege, das Leben zu leben, entweder aus dem Gefühl von Angst und Mangel oder aus dem Vertrauen und der Fülle. Wir entscheiden uns für die Fülle und das Vertrauen.

Wir leben eine positive Gestaltungskultur und sorgen für unsere Bedürfnisse. Aus dieser Fülle der erfüllten Bedürfnisse heraus, gestalten wir eine blühende Gemeinschaft.

Die Eigenverantwortung jedes Einzelnen ist für uns zentral. Durch transparente und lösungsorientierte Kommunikation schaffen wir einen konstruktiven Lösungs- und Möglichkeitenraum.“

Auszug aus deem Schulkonzept

Hanna denkt an die Sätze, die die Pädagog*innen beim letzten gemeinsamen Treffen gesagt haben.

  • „… es ist alles so viel, wir sind erschöpft, wir fühlen uns den Anforderungen nicht gewachsen und der Krankenstand ist hoch.“
  • „…. jetzt müssen wir auch noch die beiden neuen Kolleginnen einarbeiten, seit wir unsere Strukturen verändert haben, wissen wir doch selbst nicht mehr richtig, wie wir was machen.“
  • „… die anstehende Projektwoche stellt uns organisatorisch vor große Herausforderungen, wir würden sie am liebsten absagen. Es ist alles zu viel!“

Was ist da los, denkt sie sich.

Da ist keine Fülle zu spüren.

Die Bedürfnisse der Pädagog*innen scheinen deutlich im Mangel zu sein.

Alles fühlt sich schwer für sie an.

Diese toxische Energie ist deutlich spürbar und passt so gar nicht zu den inspirierenden Worten im Konzept. Sie weiß selbst aus ihrem beruflichen Kontext, denn sie arbeitet bei einer großen Versicherung, dass dieser Zustand zu Erschöpfung, Krankheit und mittelfristig sogar zu Burnout führen kann. Sie kennt diese Situation aus der Presse bezogen auf Lehrer an der Regelschule. Doch auch an ihrer freien Schule, die ihr so am Herzen liegt, hat diese Negativspirale wohl die Pädagogen befallen. Oder was könnte sonst los sein? Was ist denn jetzt zu tun?

Hanna ruft die erste Vorständin an und erzählt ihr von ihrer Beobachtung. Der Vorstand setzt sich zusammen und überlegt, wie sie den Pädagog*innen helfen könnten. Ein Gespräch mit der Schulleiterin ist im ersten Schritt naheliegend, denn deren Einschätzung ist an dieser Stelle sehr sehr wertvoll und wichtig für den Vorstand. Gesagt, getan, man sitzt zusammen am Tisch und es gibt verschiedene und richtig leckere Bio-Schokoladen, um dem doch etwas schweren Gesprächsthema etwas mehr Leichtigkeit zu geben, beziehungsweise es etwas zu versüßen.

Manche Gespräche brauchen eine Versüßung.

Die Schulleiterin hat einen Kollegen aus dem erweiterten Schulleitungsteam mitgebracht und Hanna und die erste Vorständin machen das Gesprächs-Kleeblatt vollständig.

Da ich als Beraterin die Schule schon länger begleite, haben Vorstand und Schulleitung mich zu dem Gespräch dazu gebeten. Ich liebe die weiße Schokolade mit Kardamom besonders und freue mich auf den Austausch und darüber der Situation möglicherweise auf den Grund gehen zu können:

Auch die beiden leitenden Pädagogen haben bemerkt, dass das pädagogische Team und mittlerweile auch sie selbst, sehr gefordert, in Teilen auch überfordert sind.

„Wann hat das begonnen?“, fragt Hanna interessiert nach.

Laura, die Schulleiterin, denkt nach und kaut dabei auf einem Stück Ingwerschokolade. Sie sagt: „Ich denke, letztes Schuljahr, als wir die Mittagesbetreuung geschlossen haben und den Ganztagsbetrieb erweitert. Das ging so schnell, die Umsetzung hat das Team stark gefordert und wir haben auch unsere sonstigen Beteiligungsprozesse abgekürzt. Das hätten wir sonst zeitlich gar nicht geschafft.

Da wird Gisela, die erste Vorständin, sofort hellhörig. Sie lässt ihre Atemluft entweichen und schaut mich an. Das Geräusch hallt nach und die drei anderen Personen im Raum und ich, schauen Gisela voller gespannter Erwartung an. Sie sagt an mich gerichtet: „Sandra, kann es sein, dass wir es hier mit Widerstand zu tun haben?“

Wie interessant. Es hat etwas mit der Strukturentwicklung der Schule zu tun. Natürlich, das ist logisch. Ich hole Luft und erläutere:

Gekürzte Beteiligungsprozesse können Widerstand erzeugen.

Widerstand ist ein Anzeichen dafür, dass wichtige Bedürfnisse von Mitarbeitenden nicht beachtet und gesehen werden, wir könnten also sagen: Widerstand ist eine wichtige Informationsquelle. Sie ist eine besondere Sprache, die uns vermitteln will, dass da noch einmal nachgeprüft und nachjustiert werden muss. So können wir Widerstand sogar nutzen.

Mit Widerstand wollen uns Mitarbeitende etwas Wichtiges mitteilen. Wir könnten nun also auch behaupten: Widerstand ist eine ganz besondere und äußert wichtige Form der Kooperation. Widerstand eröffnet das Gespräch und bietet einen Lernanlass für alle Beteiligte.

Es gibt 5 Botschaften, die mit dem Widerstand verbunden sein können und oft ist der Widerstand den Mitarbeitern gar nicht so wirklich bewusst. Wie bei der Schule von der ich gerade erzähle. Dann wirkt er sogar stärker und direkter. Alle 5 Botschaften können auch kombiniert vorkommen. Der Verdacht, dass die Mitarbeiter*innen noch nicht in der neuen Situation so richtig angekommen sind, sondern sich im Widerstand befinden, klang in Verbindung damit, dass dass Phänomen des Überfordertsein mit der Strukturveränderung begann, sehr naheliegend.

Doch was ist Widerstand und wie entsteht er?

5 Botschaften des Widerstands

Die erste Botschaft ist Angst

Eine Botschaft, die durch Widerstand ausgedrückt wird, ist „Ich habe Angst.“ Mitarbeitende können uns durch Widerstand mitteilen, dass sie sich ängstigen, der neuen Situation nicht gewachsen zu sein oder einen Verlust zu erleiden.

In Veränderungsprozessen entstehen nicht selten neue Aufgaben, neue Rollen und Strukturen. Möglicherweise verliert der Mitarbeitende etwas durch die Veränderung.

In der Organisationsforschung wird beispielsweise beschrieben, dass Veränderungen einen Risikofaktor für Organisationen darstellen. Kein Wunder also, dass Ängste entstehen. Wir können also davon ausgehen, dass Angst so gut wie immer eine Rolle spielt.

Die zweite Botschaft ist Unzureichende Informationen

Diese Botschaft sagt „Ich verstehe es nicht.“ Widerstand kann darauf hinweisen, dass der anstehende Prozess noch nicht verstanden wurde. Vielleicht fehlen Informationen, es bestehen Uneindeutigkeiten oder dem Mitarbeitenden ist der Kosten-Nutzen-Faktor nicht klar.

Die dritte Botschaft ist Überforderung

Widerstand kann auch bedeuten „Ich schaffe es so nicht.“ Und diese Botschaft verweist darauf, dass die Belastung oder Beanspruchung zu hoch ist. Dass also Überforderung entsteht, weil es zum Beispiel nicht genügend Kapazitäten gibt, um die geplanten Veränderungen zu erproben und umzusetzen.

Die vierte Botschaft ist Kompetenzen

Die Botschaft kann aber auch sein: „Ich kann es nicht. Ich weiß nicht wie.“ Widerstand kann damit ausdrücken, dass noch Kompetenzen fehlen. Dass noch Fortbildungen, Erfahrungen oder Expertisen für den Veränderungsprozess benötigt werden. 

Die fünfte und letzte Botschaft ist Tempo

Und als letzter Punkt: Widerstand kann auch sagen: „Das geht mir zu schnell„. Denn nichts ist schwieriger, als die unterschiedlichen Tempi von Menschen, Strukturen und Prozessen in Organisationen in Einklang zu bringen. Widerstand kann uns ganz einfach zeigen, dass hier ein Tempo-Unterschied besteht. Und ja, ganz häufig ist es so, dass Veränderungen schneller geplant werden, als sie überhaupt umgesetzt und gelebt werden können.

In unserem Beispiel stellte sich heraus, dass ALLE Widerstands-Botschaften betroffen waren. Einigen Kolleg*innen ging es zu schnell, andere bekamen durch die Veränderung Angst , wieder andere hätten mehr Informationen gebraucht und fühlten sich nicht kompetent, um mit der Veränderung umzugehen und andere fühlten sich einfach überfordert. Die Botschaften waren gesendet worden, aber wurden nicht ernsthaft berücksichtigt und so war die Energielosigkeit, der hohe Krankheitsstand und das Gefühl „Es ist mir alles zu viel“, zu erklären.

Man kann es sich so vorstellen, als würde man einen Wagen ziehen, indem die Bremse festgestellt ist. Man braucht für alles so viel mehr Kraft, denn die Räder drehen sich nur ganz schwer.

Eine Methode zum Umgang mit Widerstand

All die Botschaften weisen auf Bedürfnisse der Mitarbeitenden hin. Auf das Bedürfnis nach Information, um Unklarheiten zu beseitigen. Auf das Bedürfnis nach mehr Kapazitäten, nach Verlangsamung oder nach Ausbau der Kompetenzen, um Veränderungen möglich zu machen. Den Menschen mit seinen Bedürfnissen in den Mittelpunkt zu stellen und von dort aus Veränderungensprozesse zu denken. Nun ist es wichtig den ganzen Menschen in der Organisation zu sehen. Seine Bedürfnisse ernst zu nehmen und Partizipation zu schaffen.

Wann immer die Möglichkeit für mich in der Rolle als Team- und Organisationsentwicklerin besteht, nehme ich diese emotionale Komponente in die Prozesse mit hinein. Und so lässt sich beispielsweise dabei vorgehen:

Anhand von 5 Fragen gelingt es mir, die Bedürfnisse der Mitarbeitenden ganz bewusst zu berücksichtigen. Es wird damit bereits präventiv über die Botschaften gesprochen, die sich sonst – ohne Berücksichtigung – im Nachgang durch Widerstand zeigen würden. Oder wie in unserem Beisspiel tatsächlich gezeigt haben.

Folgende Fragen nutze ich dabei:

  • Was ist mir noch unklar?
  • Welche Kapazitäten brauche ich?
  • Was brauche ich noch, um es schaffen zu können?
  • Welche Schritte in der Planung sind mir zu schnell?
  • Welche Angst spüre ich in mir? 

Die Fragen beziehen sich damit direkt auf die Bedürfnisse nach Kapazität, nach (Handlungs-)Sicherheit, nach Information und Klarheit, nach bestehender Selbstwirksamkeit durch das Vorhandensein der nötigen Kompetenzen und nach einem angemessenen Tempo. 

In der beschriebenen Schule war zwar die Strukturentwicklung schon einige Monate her, doch wir machen das Thema bei einem gemeinsamen Teamtag noch einmal auf und ich stellte als Beraterin die 5 Fragen.

Auch im Nachhinein gelang es die Widerstands-Botschaften aufzulösen. In einem einzigen Gespräch holten wir nach, was durch die fehlende Zeit bei der Strukturveränderung auf der Strecke geblieben war.

Das pädagogische Team bestätigte dann auch, dass die Arbeit wieder leichter wurde. Sie hatten nicht mehr das Gefühl, einen Stein den Berg hinausfzurollen. Es löste sich der innere Widerstand und das machte einen riesigen Unterschied.

Wie schön, oder?

Es lohnt sich so sehr, genau hinzuschauen und im Zweifel auch noch einmal einige Schritte zurückzugehen.

Und was sich auch lohnt, ist als Schulgemeinschaft in den verschiedenen Funktionen konstruktiv und professionell zusammenzuarbeiten.

Was wäre geschehen, hätte die Vorständein Hanna, nicht gemerkt, dass das pädagogische Team in so einer schlechten Energie ist? Hätte das Team es selbst bemerkt, oder die Schulleitung? Vielleich,t und super war, dass alle Hanna zugehört haben und sie mit ihren Gedanken ernst genommen wurde.

Für mich als Beraterin ist es ein richtiger Glücksmoment, wenn Wissen um Prozesse wie in diesem Beispiel zu einer Korrektur führen.

Beobachtest du in deinem Team, dass es schwer ist, dass die Zeit ständig fehlt, dass wichtige Dinge auf der Strecke bleiben?

Möchtest du, dass wir einmal gemeinsam schauen, was bei euch möglicherweise der darunterliegende Grund ist?

Oder hast du ein Thema in deiner Einrichtung, was dich beschäftigt, das dir in Kopf kam, beim Lesen meines Textes?

Dann gehen wir es zusammen an. Melde dich gerne bei mir, ich begleite Schulen deutschlandweit.

Schulen, die Wert legen auf Qualität und auf eine positive Entwicklungskultur.

Schulen, die den Dingen auf den Grund gehen möchten und denen es wichtig ist, ihr Konzept umzusetzen.

Tritt mit mir in Verbindung. Egal was dein Thema ist. Gemeinsam lösen wir es.

Ich freue ich mich darauf von Dir zu hören.

Der Weg beginnt mit dem ersten Schritt.

Herzlich,

Deine Sandra

Wunder. Fliegen. Weiter.

Die Schulleitung – ein Lebenswendepunkt

Nicht mehr Teil des Kollegiums, autsch das tut richtig weh

Was ist ein Lebenswendepunkt?

Möchtest du die Dynamik des Lebenspunktes an dem du gerade stehst besser verstehen? Ein vollständigeres Bild von dir und deiner Lebenssituation bekommen? Darin verbirgt sich  die Chance ein zufriedener Mensch zu werden. Dein  Leben bewussterzu steuern und besser einzuschätzen, wo du gerade stehst.
Lebenswendepunkte haben zwei Seiten

Das ist ein Punkt in deinem Leben, an denen sich dein Leben positiv verändert. Du hast etwas grundlegend neu verstanden, dich geöffnet für eine neue Herausforderung oder einen mutigen Schritt gewagt.

Dein Leben lässt sich einteilen in den Abschnitt vor diesem Wendepunkt und nach diesem Wendepunkt.

Unser Leben hat mehrere dieser Wendepunkte. Wir erleben sie nicht immer bewusst, wenn du aber auf dein bisheriges Leben zurückblickst findest du sie. Sie unterteilen dein Leben ganz deutlich in verschiedene Abschnitte.

Die Übernahme einer Position als Schulleiter*in ist auf jeden Fall ein Lebenswendepunkt

Warum?

Du stößt auf neue Aufgaben und Herausforderungen. Du entwickelst neue Fähigkeiten und Blickwinkel. Du lebst eine neue Rolle. Die Menschen behandeln dich anders, manche Menschen sehen sogar deinen Wert als gestiegen an.

Durch viele, viele kleine und große Entscheidungen positionierst du dich, was für eine Schulleitung du sein willst.

Wofür du stehen willst, was die Menschen hinter deinem Rücken über dich sagen sollen (und nicht nur positives, das kaufst du mit der Rolle natürlich auch ein, das ist ein Gesamtpaket. In diesem Gesamtpaket bekommst du auch massive Kritiker*innen mitgeliefert, aber dazu an anderer Stelle mehr, dieses Thema ist ein eigener Blogpost wert).

Du triffst vielleicht auch Entscheidungen von denen du befürchtest, dass sich dein Bild im eigenen Spiegel verändern wird. Entscheidungen, die nicht gut sind, weil die Situation keine gute Entscheidung ermöglicht.

All diese Prozesse verändern dich, lassen dich reifen und wachsen.

Warum sind Lebenswendepunkte wichtig?

Jetzt fragst du dich vielleicht, wofür es wichtig ist, dich mit den Wendepunkten in deinem Leben zu beschäftigen?

Es hilft dir, dich selbst und deine Entwicklung besser zu verstehen. Du kannst durch das bewusste Wahrnehmen deiner Wendepunkte, diese auch besser einordnen und ihre genaue Bedeutung für deine Persönlichkeitsentwicklung wahrnehmen. Du verstehst die Dynamik des Lebenspunktes an dem du gerade stehst besser.

Wenn es dir gelingt ein vollständigeres Bild von dir und deiner Lebenssituation zu bekommen, dann hast du die Chance ein zufriedener Mensch zu werden. Du steuerst dein Leben bewusster und kannst einschätzen wo du gerade stehst.

Ein Wendepunkt hat immer zwei Seiten.

Eine Seite beendet etwas, schließt einen Lebensabschnitt ab und die andere Seite beginnt etwas, läutet einen neuen Lebensabschnitt ein.

Ich möchte das an einem Beispiel verdeutlichen:

Das Beispiel Karen

Ich erläutere es am Beispiel von Karen.

Karen war Ende 30, als sie sich dazu entschloss, sich auf die Stelle als Schulleiterin zu bewerben. Sie war bereits kommisarische Schulleitung für ein Jahr, als sie sich fest für die Stelle bewarb.

Sie war als Lehrerin angesehen und beliebt. Ihre Beziehung zu den Jugendlichen war ein Vorbild für ihre Kollegen und regelmäßig fragten Kollegen sie, wenn sie fachlich nicht weiterkamen. Karen hatte für alle ein offenes Ohr, war im Kollegium beliebt und eine sehr kompetente Lehrerin. Es war eine gute Voraussetzung, um Schulleiterin zu werden. Sie genoss also die Akzeptanz und den Respekt des gesamten pädagogischen Teams.

Das Bewerbungsverfahren war transparent und offen und als sie den Job bekam, freute sie sich sehr auf die neue Aufgabe, da sie der Meinung war, dass sie ziemlich gut wusste, was auf sie zukam und sich den Aufgaben komplett gewachsen fühlte.

Nach ein paar Monaten merkte sie, dass die Gespräche erstarben im Lehrerzimmer, wenn sie es betrat. Die Kolleg*innen behandelten sie anders. Sie gehörte nicht mehr dazu, sie gehörte jetzt zur Leitung. Das traf Karen. Sie fühlte sich nicht mehr wohl in der Leitungsrolle, schlief schlecht und begann an der Richtigkeit ihrer Entscheidung die Schulleitung zu übernehmen, zu zweifeln. Da kam sie zu mir. Wir betrachteten den Lebenswendepunkt „Übernahme der Schulleitung“ von allen Seiten. Für Karen war es der nächste logische Schritt, der sich gut an ihre Entwicklung als Lehrerin anschloss. Sie hatte sich bewusst dafür entschieden und fühlte sich gut vorbereitet. Das Jahr als kommisarische Schulleitung hatte ihrem Selbstbewusstsein gut getan.

Sie nannte diese Seite des Wendepunktes „Schulleitung mein logischer nächster Schritt“, der griffige Name, den sie wählte war, „Weiterentwicklung“.

Leben ist wachsen.

Die andere Seite war für sie, das ihr der kollegiale Austausch, die Gemeinschaft mit den Kolleg*innen unglaublich wichtig war. Sie hatte jahrelang daraus ihre Kraft gezogen und sich nach den Ferien auf die Kinder gefreut, aber fast noch mehr auf die Kolleg*innen. Nun hatte sie das Gefühl, dass das zu Ende war. Es machte sie traurig. Andererseits verstand sie auch, dass es nichts persönliches war, sondern, dass sie als Schulleiterin eine andere Funktion hatte und es wichtig war, dass sie mit der Distanz, die die Kollegen zu brauchen scheinten, souverän umging.

Es ging für sie um die Akzeptanz der Schulleitungsrolle als eigenes Selbstverständnis und sie nannte diese Seite „Rollengestaltung“. Nun war klar, dass sie sich nicht als Opfer der Einstellungen der Kolleg*innen sehen würde, sondern dass sie tatsächlich ein ganz eigenes authentisches Selbst- und Rollenverständnis kreieren wollte.

Dafür nahmen wir uns einige Zeit im Coaching. Ich möchte den Prozess hier nicht vollständig darstellen, nur den Teil, den die Arbeit mit dem Lebenswendepunkt betrifft.

Karen überlegte sich Sätze, die mit „Ich, Karen bin als Schulleiterin…“ und kreiierte sich damit ein ganz eigenes Rollenverständnis. Bezogen auf die Zugehörigkeit zum pädagogischen Team überlegte sie sich, dass sie akzeptieren würde, dass sie nicht mehr so dazu gehörte, wie das als Lehrerin der Fall war. Doch sie wollte nicht ganz auf dieses Zugehörigkeitsgefühlt verzichten und überlegte weiter, wie könnte ihr das gelingen?

Der Lebenswendepunkt Schulleiterin werden

Nach einigen Tagen des Nachdenkens, kam sie auf eine smarte und einfache Idee: Warum nehme ich es nicht selbst in die Hand und schaffe diese Gemeinschaft. Und das tat sie.

Sie kochte einmal im Monat Freitagmittags in der Schulküche Spagetti für die Kollegen. Mit diesem zwanglosen Essen wollte sie das Wochenende einläuten. Sie lud die Kolleg*innen dazu ein und diese freuten sich riesig über diese Wertschätzung ihrer Chefin und kamen sehr gerne. Karen konnte bei diesen Essen ihr Bedürfnis der Zugehörigkeit erfüllen.

Karens Zufriedenheit mit ihrer Rolle wuchs wieder.

Bald übernahmen die Kollegen abwechselnd das Kochen am Freitag und verwöhnten ihre Führungskraft und sich selbst mit diesen geselligen Essen. Die Anerkennung und die Akzeptanz trug Karen auch in schwierigen Zeiten. Es war ihr gelungen, ihren Lebenswendepunkt positiv zu gestalten.

Hätte sie das nicht aktiv gemacht, hätte es sein können, dass sie begonnen hätte ihre Entscheidung Schulleiterin zu werden zu hinterfragen oder zu bereuen. Dieser Prozess hatte ja sogar schon begonnen. Wäre er weitergegangen, hätte das leicht zu Unzufriedenheit und Zweifel geführt. Möglicherweise hätte sie und ich viel Energie darauf verwendet, sich zu fragen, ob eine Entscheidung richtig war.

Durch die bewusste Gestaltung der Lebenswendepunkte vermeidest du das.

Der Effekt auf die insgesamte Lebenszufriedenheit lohnt sich.

Das Beispiel von Karen zeigt das, wie ich finde sehr deutlich.

Stehst du gerade vor einem Lebenswendepunkt?

Ich hoffe es für dich, denn sie sind das Salz in der Lebenssuppe!

Sandra Schumacher

Wunder. Fliegen. Weiter.